Mittwoch, 28. September 2016

Nur wenige Flüchtlinge arbeiten als Bufdi

Diakonie RWL kritisiert bürokratische Hürden im Bundesfreiwilligendienst

Düsseldorf/Münster, 28. September. Seit Dezember 2015 können sich auch Flüchtlinge für den Bundesfreiwilligendienst bewerben. Doch das mit hohen Erwartungen gestartete Sonderprogramm „BFD mit Flüchtlingsbezug“ ist nach Ansicht der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe viel zu bürokratisch. „Wir erleben leider immer wieder, dass die Aufnahme von Flüchtlingen in dieses Sonderprogramm an Fragen des Aufenthaltsrechts und der Beschäftigungserlaubnis scheitert“, kritisiert Jürgen Thor, Leiter des Zentrums Freiwilligendienste bei der Diakonie RWL.

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Jürgen Thor
Zentrum Freiwilligendienste
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Ein Drittel der im Rahmen des Sonderprogramms neu eingerichteten bundesweit 10.000 Stellen sollten Flüchtlingen vorbehalten sein, zwei Drittel Freiwilligen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Doch bundesweit sind derzeit nur wenige hundert Plätze mit Asylbewerben belegt. Die Diakonie RWL konnte bis September lediglich 20 ihrer rund 200 Stellen im Sonderprogramm mit Flüchtlingen besetzen.

„In den Städten und Gemeinden gibt es viele Geflüchtete, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde oder die nur einen subsidiären Status genießen und deshalb keine Arbeitserlaubnis erhalten“, erläutert Jürgen Thor. Da sich das Asylverfahren in Deutschland oft über Jahre hinziehen könne, werde damit eine große Gruppe von Flüchtlingen aus dem Sonderprogramm ausgeschlossen. „Der Bundesfreiwilligendienst sollte der Berufsorientierung und einer möglichst schnellen Integration dienen“, betont der Zentrumsleiter. „Wenn die strikten aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen für dieses Sonderprogramm nicht gelockert werden, bleibt diese Chance vertan.“

Ein weiteres Problem sieht Jürgen Thor darin, dass der BFD mit Flüchtlingsbezug sowohl bei den Jobcentern als auch bei den Flüchtlingen selbst noch relativ unbekannt ist. Hier müsse noch mehr die Werbetrommel gerührt werden. „Viele Flüchtlinge kennen die soziale Arbeit, zum Beispiel in der Behindertenhilfe, aus ihren Heimatländern nicht und haben Berührungsängste oder gar Vorurteile.“ Es sei daher notwendig, sie erst einmal umfassend darüber zu informieren.

Unzureichende Sprachkenntnisse sind nach Beobachtung der Diakonie RWL ebenfalls ein Hindernis für die Aufnahme in das Sonderprogramm. Gerade für den Einsatz in der Altenhilfe, in der händeringend Nachwuchskräfte gesucht werden, sind Deutschkenntnisse auf einem Mindestsprachniveau B 1 erforderlich. „Wir vermitteln daher häufig noch Deutschkurse neben dem Bundesfreiwilligendienst, der auch in Teilzeit geleistet werden kann.“

Insgesamt hält Jürgen Thor den Bundesfreiwilligendienst aber für eine gute Möglichkeit, Flüchtlingen einen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu verschaffen. „Er ist bei Arbeitgebern hoch angesehen und öffnet auch unseren Teilnehmern mit schwierigen Berufsbiografien Türen auf den regulären Arbeitsmarkt.“

Auf der Webseite der Diakonie RWL finden Sie ein Portrait über zwei iranische Flüchtlinge, die als Bufdis in Solingen arbeiten: http://www.diakonie-rwl.de/themen/migration-und-flucht/fluechtlingshilfe...