Mittwoch, 12. Oktober 2016

Pflegekräfte haben Recht auf eine ordentliche Bezahlung

Düsseldorf/Münster, 12. Oktober. Das hohe Einkommen der Pflegekräfte ist laut einer heute veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung maßgeblich dafür verantwortlich, dass viele Pflegebedürftige sich die Pflegeheimkosten nicht leisten können. Sie müssen dann Sozialhilfe beantragen. Betroffen sind vor allem Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und die Stadtstaaten. Der Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Thomas Oelkers, verteidigt die Tarife: „Die Pflegekräfte müssen mit ihrem Gehalt ihren Lebensunterhalt bestreiten können und das können sie nur, wenn wir sie ordentlich nach den ausgehandelten Tarifen bezahlen. Dass sich das direkt auf die Versicherten niederschlägt, ist ein Webfehler im System der Pflegeversicherung.“

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Rudolf Michel-Fabian

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Die Pflegeversicherung zahlt die Heimkosten bis zu einer Obergrenze. Alles was darüber hinausgeht, wird den Pflegebedürftigen in Rechnung gestellt. Dazu gehören auch die Personalkosten. Oelkers fordert „eine Weiterentwicklung der Pflegeversicherung, damit gerechte Löhne nicht die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen finanziell belasten.“

Die Studie zeigt deutliche regionale Unterscheide bei den Heimkosten auf. In den ostdeutschen Bundesländern, Schleswig-Holstein und weiten Teilen Niedersachsens ist demnach die durchschnittliche Kaufkraft mehr als ausreichend, um das Pflegeheim zu bezahlen. Grund für die Preisunterschiede ist laut Oelkers aber nicht alleine die Einkommenshöhe der Pflegekräfte: „Es ist eine Binsenweisheit, dass der Preis auch immer von der Qualität abhängt und da spielen weitere Faktoren eine Rolle.“

Kritisch sieht Oelkers auch die Auswirkungen der Pflegereform: „Die Pflegestärkungsgesetze haben viele Verbesserungen für pflegebedürftige Menschen zu Hause bewirkt. Für Menschen, die im Heim leben, sieht das Gesetz allerdings ab dem kommenden Jahr sogar Leistungsabsenkungen für neueingestufte Pflegebedürftige in den niedrigen Pflegegraden vor. Das muss der Gesetzgeber dringend korrigieren.“