11. Februar 2015

Modellprojekt „Erfahrungwissen für Initiativen“

Seniorentrainer brauchen mehr Unterstützung

Von 2002 an wurden in NRW Freiwillige im Rahmen des Bundesmodellprogramms „Erfahrungswissen für Initiativen" (EFI) zu Seniorentrainern ausgebildet. 2012 endete in NRW die Landesförderung. Dennoch läuft das Projekt an vielen Orten weiter. Das zeigt jetzt eine von der Diakonie RWL und dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein in Auftrag gegebene Studie.  Viele Akteure vermissen aber den überregionalen Austausch von Konzepten und Erfahrungen.

In 17 der 23 Modellstandorte in NRW gibt es noch Anlaufstellen für „EFIs“, an 13 Standorten werden neue „EFIs“ qualifiziert. „Sowohl aus den Rückmeldungen der Anlaufstellen als auch aus den Rückmeldungen der EFI´s lässt sich ein Bedarf an kontinuierlichen und nachhaltigen Unterstützungsstrukturen sowohl auf kommunaler Ebene als auch auf Landesebene feststellen“, erklärte Dieter Zisenis vom Büro für berufliche Bildungsplanung in Dortmund, der die Studie durchgeführt hat.

Alternativen zum EFI-Programm, das Freiwillige bei der Verfolgung eigener sozialer und kultureller „Herzensanliegen“ und der Entwicklung eigener Projekte unterstützt, seien nicht erkennbar. NRW, das sich viele Jahre stark für das EFI-Programm engagiert hat, fällt hier hinter andere Bundesländer zurück, in denen nachhaltige EFI-Strukturen entstanden sind, etwa in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern oder Rheinland-Pfalz.

EFI für die Entwicklung sozialer Quartiere

„Das EFI-Programm hat einen hohen Stellenwert für die Entwicklung der Zivilgesellschaft und die Unterstützung des Freiwilligen Engagements“, erklärt Gabriele Winter, Referentin für Gemeinwesenorientierte Altenarbeit in der Diakonie RWL. Gabriele Winter ist mit Gerrit Heetderks vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein auch Geschäftsführerin des Ev. Zentrums für Quartiersentwicklung. Aufgabe einer landesweiten Unterstützungsstruktur sei es unter anderem, neue Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die Durchführung von EFI-Qualifizierungen vor Ort zu qualifizieren. Wichtig sei auch eine Unterstützung bei der Gewinnung von finanziellen Ressourcen für selbstorganisierte Projekte von freiwillig Engagierten.

„Die Diakonie in Rheinland, Westfalen und Lippe engagiert sich seit Jahrzehnten für die Stärkung freiwilligen sozialen Engagements“, ergänzt Olaf Maas, Geschäftsbereichsleiter für Pflege, Alten- und Behindertenarbeit in der Diakonie RWL. Bei der Entwicklung hochwertiger Qualifizierungen, die das Potential und die Selbstorganisation von Freiwilligen fördern, habe sich die Kooperation mit dem eeb Nordrhein sehr bewährt. „Dass das hohe Engagement von Freiwilligen in der Praxis fruchtbar werden kann, verdanken wir aber auch den vielen diakonischen Einrichtungen und Trägern, die neue Formen selbstorganisierten Engagements beispielhaft unterstützen und begleiten“, so Olaf Maas.

Karin Nell vom eeb Nordrhein, die viele EFI-Qualifizierungen durchgeführt hat, bestätigt diese Analyse. Der Erfolg von „EFI-Projekten“ hänge sehr stark vom Vorhandensein aufgeschlossener und attraktiver Kooperationspartner vor Ort ab. Wo dies glücke, seien die Projekte von „EFIs“ eine starke Ergänzung bei der Entwicklung sozialer und kulturell lebendiger Quartiere. „Wir wollen uns gemeinsam mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk und den zahlreichen EFI-Initiativen in NRW dafür stark machen, solch eine landesweite Unterstützungsstruktur zu installieren“, so Gabriele Winter. Aus dem Kreis der Teilnehmenden heraus hat sich eine „Arbeitsgruppe EFI NRW“ gebildet, die einen Vorschlag für nächste Schritte zur Entwicklung einer überregionalen Unterstützungsstruktur erarbeiten will.

Das Beste aus 15 Jahren

Das EFI-Programm ist das Beste, was mir in den vergangenen 15 Jahren passiert ist“, erzählt Gerrit Heetderks vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein, das die Qualifizierung von „EFIs“ über viele Jahre durchgeführt hat. „Als Erwachsenenbildner mussten wir umdenken und ganz neu lernen. Es ging zunächst einmal nicht darum, den Teilnehmenden dieses Projektes etwas zu vermitteln, sondern zunächst einmal darum, ganz genau hinzuhören, was die Teilnehmenden überhaupt suchten.

Nicht wir waren die Experten für ihr Engagement, sondern sie selbst waren auf sich selbst verwiesen, auf ihre Wünsche, ihre Herzensangelegenheiten, auf ihre Kräfte, ihre Begeisterungsfähigkeiten, auf ihre eigene gesellschaftspolitische Perspektive“, so Heetderks. Er habe selten zuvor Menschen erlebt, die so viel Kreativität an den Tag legen und „so offen, schöpferisch und großmütig“ durch die Welt gehen. Diese Einschätzung unterstreicht Karsten Gebhard, Vorsitzender von EFI-Bielefeld, mit Hinweis auf den besonderen Erfolg vieler EFI-Projekte. Hier zeigten die besonderen Schwerpunkte der EFI-Ausbildung  - „Verantwortung übernehmen, Projekte entwickeln, an Nachhaltigkeit denken“ – ihre Wirkung.

Veränderte Zuständigkeiten in der Landesregierung

Vorgestellt wurde die Studie bei einer Tagung mit rund 40 EFIs und Verantwortlichen aus Anlaufstellen, Kommunen und Verbänden am 6. Februar in der Geschäftsstelle der Diakonie RWL in Düsseldorf. Auch hier wurde von vielen Teilnehmenden eine nachhaltige Struktur für das freiwillige Engagement von „EFIs“ auf Landesebene gefordert. Von einzelnen wurde die Befürchtung geäußert, dass ein erneutes Engagement der Landesregierung durch Verschiebungen in den Zuständigkeiten der Ministerien erschwert werden könnte. EFI wurde bis 2012 aus dem Senioren- bzw. Generationenministerium gefördert. Primär zuständig für Engagementförderung ist aber inzwischen das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport.

Die Studie "EFI Nordrhein-Westfalen" kann beim Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein e.V. angefordert werden ()

Kontakt bei der Diakonie RWL: Gabriele Winter, Referentin für Tagespflege und Gemeinwesenorientierte Altenarbeit in der Diakonie RWL, Telefon: 0211 6398-269, g.winter@diakonie-rwl.de

Weitere Informationen
Ein Artikel zum Thema:
Berufliche Bildung
Bewerten Sie diesen Artikel
Bewerten Sie diesen Artikel als Erster