31. August 2015

Ambulante Pflege

Den Alltag erleichtern

Die Pflegereform 2015 stärkt niedrigschwellige Hilfe- und Betreuungsangebote für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige. Das sind Unterstützungsleistungen, die von der Pflegekasse erstattet werden können. Unternehmensberater Thomas Sießegger ermunterte auf einer Fachtagung in Bochum die ambulanten Pflegedienste, entsprechende Angebote von Freizeitgestaltung bis Hilfe im Haushalt in die Angebotspalette zusätzlich zu den Pflegeleistungen aufzunehmen.

Thomas Sießegger

Thomas Sießegger

Es werde in den nächsten 40 Jahren in der ambulanten Pflege keine Probleme geben, Kunden zu bekommen und Leistungen zu verkaufen, betonte der Unternehmensberater. Die Tarifbindung sei letztlich kein Problem, denn der Marke Diakonie würden die Menschen vertrauen. Diakonie und Caritas seien die bestbezahlenden Arbeitgeber Deutschlands. "In Zukunft sind Mitarbeiter der Engpass. Arbeit ist genug da."

Gruppenfoto

Team ambulante Pflege

Ambulante Pflegedienste müssen größer werden

Bis zu 104 bzw. 208 Euro für Betreuungsleistungen werden von der Pflegeversicherung erstattet. Es sei sinnvoll, diese niedrigschwelligen Hilfeangebote unter dem Dach des Pflegedienstes anzubieten. So könne man Synergieeffekte erzielen und die Overhead-Kosten niedrig halten. „Pflegedienste brauchen eine Mischkalkulation, dann können auch Leistungen erbracht werden, die sich nicht rechnen und das ist der Anspruch der Diakonie“, sagte Sießegger. Er verwies auf drei verschiedene Arten von Betreuungsleistungen, Leistungen nach dem SGB XI, Angebote, die über die Landesverordnung anerkannt werden und Angebote für Privatzahler. Er empfahl den Trägern eine Mischkalkulation über alle Berufsgruppen, die sich insgesamt rechnen müsse. „Gleichzeitig müssen ambulante Pflegedienste größer werden, um in Zukunft zu überleben“, so der Rat des Unternehmensberaters. Bei den Preisen für die Zeitleistungen dürfe man sich nicht verrechnen, sonst sei man weg vom Fenster.

Proaktive Personalpolitik

Sießegger empfahl, eigene Teams für niedrigschwellige Hilfeleistungen zu bilden. Die Mitarbeitenden im Bereich Betreuungs- und Entlastungsleistungen müssten kommunikativ und empathisch sein und die Sprache der Kunden sprechen. Diese Mitarbeitenden sollten dann auch entsprechend qualifiziert werden. Hier brauche es ein Personalkonzept und eigene Preise. Die steigende Nachfrage nach qualifiziertem Pflegepersonal erfordert seiner Ansicht nach eine proaktive Personalpolitik, denn der Pflegefachkräftemangel wird sich verschärfen. „Gutes Personal muss man einstellen und dann die Leistungen verkaufen“, betonte Sießegger.

Beratung – Schlüssel zum Erfolg

Beratung ist beim Verkauf der Betreuungs- und Pflegeleistungen für den Unternehmensberater entscheidend. Für die Beratungsgespräche sollten besonders qualifizierte Pflegefachkräfte vorgehalten und entsprechend qualifiziert werden. Die Leistungen müssten richtig benannt werden, also keine unverständlichen Bezeichnungen mit Gesetzestexten und Paragraphen, riet Sießegger. Ein Verkaufsrenner seien zum Beispiel Angebote wie „Mal gucken, ob alles in Ordnung ist“. Bedenken müsse man auch, bestimmte Leistungen monatsweise anzubieten. Er empfiehlt Privatzahler-Kataloge, in denen Leistungen wie Müll runterbringen oder Rollladen hochziehen explizit aufgeführt und kalkuliert sind, damit den Kunden klar ist, dass dies extra kostet und nicht von der Pflegekraft nebenbei erledigt wird.

Die Diakonie RWL berät und unterstützt die diakonischen Pflegedienste beim Aufbau und der Weiterentwicklung der Angebote in der ambulanten Pflege. Im Bereich der Diakonie RWL gibt es in der ambulanten Pflege 4.500 Vollzeitstellen in rund 250 Diakoniestationen.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
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