15. Juli 2015

Telefonischer Besuchsdienst

„Da fragt mal jemand, wie es mir geht“

Deutschland wird immer älter. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung wird die Zahl der über 80-jährigen Menschen bis 2030 um über 47 Prozent zunehmen. Die meisten möchten so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen. Damit das klappt, bietet das Diakonische Werk im Kirchenkreis Leverkusen seit 2010 einen telefonischen Besuchsdienst an. Ein Projekt, das Schule machen könnte.

Telefonieren als Rezept gegen die Einsamkeit
Foto: Diakonie Leverkusen

„Da fragt mal jemand, wie es mir geht“, freut sich Annemarie in Leverkusen. Ihr Mann ist vor drei Jahren gestorben, die Kinder wohnen in Hamburg und Kiel, weitere Verwandte gibt es hier nicht mehr. Und seit sie gestürzt ist, traut die 83-Jährige sich kaum noch vor die Tür. So wie sie haben immer mehr alte Menschen nicht mehr viele Außenkontakte. Seit einem halben Jahr erhält Annemarie daher wöchentlich den Anruf einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Telefonischen Besuchsdienstes, den das Diakonische Werk im Kirchenkreis Leverkusen anbietet. Darauf freut sie sich immer schon, und macht es sich bei dem Gespräch bei einer Tasse Tee gemütlich.

„Bei den Gesprächen geht es um den verlässlichen, regelmäßigen Kontakt mit einem festen Gesprächspartner. Meist werden Alltagsgespräche geführt, oft Geschichten aus dem Leben erzählt“, erklärt Sabine Rauh, Koordinatorin der Zentrale des Telefonischen Besuchsdienstes beim Diakonischen Werk Leverkusen. Manchmal komme aber auch Schweres zur Sprache. „Die alten Menschen sind einfach froh, mit jemandem reden zu können.“ Sabine Rauh sorgt deshalb dafür, dass die Ehrenamtlichen eine fundierte Grundausbildung erhalten und nicht „ins kalte Wasser geworfen“ werden. Regelmäßige Fortbildungen gehören ebenfalls zum Angebot.


Gespräche, die gut tun

Barbara ist eine der Ehrenamtlichen. Sie ist berufstätig und findet deshalb, dass sich der Telefonische Besuchsdienst besonders gut in ihren Wochenablauf integrieren lässt: „Ich telefoniere jeden Freitag um 19 Uhr mit der Frau, die mir vermittelt wurde“, sagt sie. „Die Gespräche dauern meist so 45 Minuten. Anders als bei einem Hausbesuch kann ich mich dabei auch gemütlich auf mein Sofa setzen.“

Allen Ehrenamtlichen gemeinsam ist die Freude, anderen Menschen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und zu hören, dass es ihnen am Ende des Gesprächs ein bisschen besser geht. Damit die Ehrenamtlichen nicht außerhalb ihrer Einsatzzeit kontaktiert werden, bleibt die Telefonnummer anonym. Wer aber Hilfe und Rat benötigt, kann die Koordinatorinnen an den Standorten anrufen. Einfach allein gelassen mit seinen Sorgen und Nöten wird niemand.

Ehrenamtliche am Telefon

Ehrenamtliche freut es, älteren Menschen Zeit zu schenken.
Foto: Diakonie Leverkusen

Eine Sache des Vertrauens

Auch wenn es eine zentrale Gesamtorganisation beim Diakonischen Werk gibt, findet die praktische Arbeit des Telefonischen Besuchsdienstes in mittlerweile fünf Stadtteilen Leverkusens statt. Die Kooperationspartner vor Ort sind vier Kirchengemeinden und ein Altenheim. Im Stadtteil präsent und an eine Kirchengemeinde angedockt zu sein, schaffe Vertrauen und ermutige alte Menschen, sich bei „ihrem“ Telefonischen Besuchsdienst zu melden, betont Sabine Rauh.

Zwei Mal im Jahr finden in den Gemeindehäusern Begegnungsnachmittage statt. Dort kann, wer mag, seinen Gesprächspartner auch „live“ erleben. Und wenn mal Hilfe gebraucht wird, lässt sich das viel besser im Stadtteil organisieren. Ein Leben am liebsten so lange wie möglich in der eigenen Wohnung im vertrauten Umfeld - das wünschen sich viele Menschen. Mit dem telefonischen Besuchsdienst kann der Alltag hier ein wenig bunter und lebenswerter werden.

Klaus-Joachim Börnke

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
Weitere Informationen
Bewerten Sie diesen Artikel
Bewerten Sie diesen Artikel als Erster