9. Dezember 2016

Spendenkampagne #VERGISSMEINNICHT

Altersarmut bekämpfen, würdevoll leben

Immer mehr Menschen können nicht von ihrer Rente leben. Seit 2003 hat sich die Zahl der über 65-Jährigen, die Grundsicherung beziehen, mehr als verdoppelt. Zu den Städten, in denen besonders viele alte Menschen von Armut betroffen sind, gehört Köln. Die Diakonie Michaelshoven macht jetzt mit der Spendenkampagne "VERGISSMEINNICHT" auf deren schwierige Situation aufmerksam.

Portrait

Arm, obwohl er 50 Jahre gearbeitet hat: Heinz N.

Sein ganzes Leben hat er in Köln verbracht und fast fünfzig Jahre als Heizungsmonteur gearbeitet. Heute ist Heinz N. 76 Jahre alt und wohnt in einem Pflegeheim der Diakonie Michaelshoven. Von seiner Rente allein kann er nicht leben. Heinz N. bezieht Grundsicherung und muss mit 109,08 Euro Taschengeld im Monat auskommen.

"Das ist schon sehr wenig", sagt er. Denn vom Taschengeld muss Heinz den Friseur, die Fußpflege, Körper- und Haarpflegemittel, Telefonkosten, Fahrtickets, aber auch den Schuster und seine heißgeliebten "Kamelle" bezahlen. Für Unternehmungen, wie beispielsweise den Besuch eines FC Köln-Spiels, hat er kein Geld, obwohl er sich als leidenschaftlicher Fan nichts sehnlicher wünscht.

Am Beispiel des 76-jährigen Seniors zeigt die Diakonie Michaelshoven nun in ihrer Kampagne "VERGISSMEINNICHT", wie Armut in einer reichen Stadt aussehen kann. Auf einer besonderen Webseite präsentiert die Diakonie persönliche Geschichten, Daten und Videos und ruft Kölner Bürger dazu auf, "Wunscherfüller" zu sein. Mit gutem Grund. Die Domstadt ist negativer Spitzenreiter einer wachsenden Altersarmut in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit waren laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr knapp 540.000 Rentner auf staatliche Unterstützung angewiesen. Das sind 3,1 Prozent der Bevölkerung. In NRW liegt die Zahl sogar bei 3,8 Prozent.

Portraitbild

Vorstand Uwe Ufer und Birgit Heide von der Diakonie Michaelshoven

Köln – Spitzenreiter wachsender Altersarmut

In Köln waren 2016 fast doppelt so viele Rentner von Armut betroffen, nämlich 7,3 Prozent. Damit liegt die Stadt vor Dortmund, Essen und Gelsenkirchen. "Immer mehr Senioren in unseren Pflegeheimen leiden unter Armut", beklagen Birgit Heide und Uwe Ufer, Vorstand der Diakonie Michaelshoven.

Mittlerweile sind 73 Prozent der dort lebenden Menschen auf staatliche Unterstützung angewiesen und erhalten damit nur ein monatliches Taschengeld. "Mit unserer Kampagne setzen wir uns dafür ein, dass diese Menschen in Würde leben und mit Freude am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können", erklären Birgit Heide und Uwe Ufer.

Mit den Spendengeldern werden nun die notwendigen Beschaffungen für die Senioren getätigt, sei es die neue Lesebrille oder wärmende Winterschuhe, aber auch Projekte und Veranstaltungen unterstützt wie Singkreise, Tanztees und Ausflüge.

Ein Kameramann filmt zwei Männer, die vor einem Auto stehen

Mit der Kamera auf Einkaufstour: Musiker Björn Heuser (l.) mit Heinz N. 

Für Armut sensibilisieren

Mit gutem Beispiel geht der Kölner Musiker Björn Heuser voran. Im Videoclip ist zu sehen, wie er als Botschafter der Kampagne die Herzenswünsche von Senioren erfüllt. Vielen Menschen in Köln sei gar nicht bewusst, dass die Altersarmut in der Stadt so hoch sei, sagt er.

"Ganz wichtig finde ich daher in einem ersten Schritt, dass dieses Thema ein Thema der Gesellschaft wird. Erst wenn viele Menschen sensibilisiert sind und sich damit beschäftigen, können wir gemeinsam Ziele erreichen, die in eine bessere Zukunft führen."

Auch mit Heinz N. war der bekannte Kölner Musiker unterwegs. Er hat mit ihm in einer Drogerie Hygieneartikel gekauft und in der ehemaligen Stammkneipe des Rentners, in der er vor zwanzig Jahren das letztes Mal gesessen hat, ein Bier getrunken. Als ihm Björn Heuser zum Abschied noch einen Schal des Kölner FC schenkte, war Heinz N. besonders gerührt. 

Portraitfoto

Ein Fanschal und Tränen zum Abschied: Heinz N. mit Björn Heuser

"So etwas Schönes habe ich schon lange nicht mehr erlebt", meinte er unter Tränen. Das Video der gemeinsamen, kleinen Shoppingtour löste im Internet viele positive Reaktionen aus. Fast 60.000 Aufrufe und zahlreiche Hilfsangebote waren das Ergebnis. Unter anderem wurde Heinz N. zu einem FC-Spiel eingeladen, das er sich selber niemals hätte leisten können.

Text und Fotos: Melanie Köroglu

Am 14.12 findet im Rahmen der Kampagne das Benefizkonzert von Björn Heuser "Weihnachtsjeföhl" um 18 Uhr in der Erzengel-Michael-Kirche, Pfarrer-te-Reh-Str. 7 in Köln-Rodenkirchen, statt. Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten. 

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
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