Freitag, 20. Januar 2017

Stiefkind Altenpflegeschule

Diakonie RWL warnt vor Sparkollaps in der theoretischen Ausbildung in NRW

Düsseldorf/Münster, 20. Januar. Seit zehn Jahren finanziert die nordrhein-westfälische Landesregierung die Fachseminare für Altenpflege pro Schüler und Monat mit 280 Euro. Krankenpflegeschulen erhalten dagegen pro Schüler und Monat 540 Euro. „Wir leben hier mit einer Zwei-Klassen-Ausbildung, die der Bedeutung der Altenpflege keineswegs gerecht wird“, kritisiert der Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Christian Heine-Göttelmann. Die Alterung der Gesellschaft, aber auch die mit der Pflegereform eingeleitete bessere Versorgung der Demenzkranken erfordere eine qualitativ hochwertige Ausbildung des Fachpersonals.

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Doch gerade diese Qualität sehen die 33 Evangelischen Fachseminare für Altenpflegeausbildung in NRW in Gefahr. Gemeinsam mit der Diakonie RWL appellieren sie jetzt an die Landesregierung, die Pauschale für die theoretische Altenpflegeausbildung zu erhöhen. „Seit zehn Jahren müssen die Fachseminare mit einer viel zu niedrigen Pauschale für ihre Personal- und Sachausstattung auskommen“, sagt die Leiterin des Geschäftsfeldes Krankenhaus und Gesundheit bei der Diakonie RWL, Elke Grothe-Kühn. Aus der Not heraus seien Personalkosten reduziert und so gut wie nichts mehr für die räumliche und sachliche Ausstattung der Schulen ausgegeben worden. Durch den rigiden Sparkurs stünden viele Fachseminare mittlerweile vor dem Kollaps.

Im Laufe des vergangenen Jahres hatten die Fachseminare darauf gehofft, dass das neue Pflegeberufereformgesetz, das die drei verschiedenen Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammenführen soll, eine bessere Finanzierung durch einen gemeinsamen Fonds ermöglicht. Doch das Gesetz lässt noch immer auf sich warten. „Wir befürchten, dass alles nun so bleibt wie es ist, aber die Lehrenden in den Evangelischen Fachseminaren wollen und können nicht einfach so weitermachen wie bisher“, kritisiert Diakonie-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. Er fordert die Landesregierung auf, so schnell wie möglich für eine auskömmliche Finanzierung der Altenpflegeausbildung zu sorgen.

In der Pflege beginnen pro Jahr bundesweit rund 110.000 junge Menschen eine Ausbildung, davon 50.000 in der Kranken- und 60.000 in der Altenpflege. In NRW machen von den insgesamt 35.000 Pflegeschülerinnen und -schülern rund 18.000 eine Ausbildung in der Altenpflege. Experten rechnen damit, dass künftig pro Jahr allein in der Altenpflege rund 20.000 zusätzliche Fachkräfte gebraucht werden.

Hintergrund:

Das Pflegeberufegesetz soll die generalistische Pflegeausbildung verankern und die bislang getrennten Ausbildungen zu Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegekräften von 2018 an zusammenführen. In allen Bundesländern soll eine Ausbildungsumlage eingeführt werden. Nach dem umstrittenen Gesetzentwurf sollen die Auszubildenden künftig zu gleichen Teilen im Krankenhaus, im Altenheim und bei ambulanten Diensten lernen. Hinzu kommen kurze Einsätze in der Krankenkrankenpflege und der Psychiatrie sowie die Möglichkeit einer ersten praktischen Spezialisierung in einem Bereich. Das Gesetz liegt derzeit auf Eis. Die Beratung und Verabschiedung war wiederholt ausgesetzt worden.

Mehr zum Thema finden Sie hier: http://www.diakonie-rwl.de/themen/alter-und-pflege/pflegebildungsreform

Die Gesundheitsexpertin der Diakonie RWL, Elke Grothe-Kühn, steht gerne für Interviews zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich für die Gesprächsvermittlung an Sabine Damaschke, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon 0211 6398-286, E-Mail s.damaschke@diakonie-rwl.de