Dienstag, 15. April 2014

„Die wahren Kosten für die Wohlfahrtspflege werden massiv überschätzt“

Freie Wohlfahrtspflege als Wirtschaftsfaktor: LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz stellt Studie vor

Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz hat am 9. April eine Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung der Sozialwirtschaft in Rheinland-Pfalz vorgestellt. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei die Betrachtung von Beschäftigungseffekten und finanziellen Rückflüssen in Form von Lohnsteuern, Sozialversicherungsbeiträgen und sonstigen Steuern. Von jedem verausgabten Euro fließen auf diesen Wegen 72 Cent an die öffentliche Hand zurück.#

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Einer der größten Sektoren im Arbeitsmarkt

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Sozialbranche befinden sich häufig in einer Rechtfertigungssituation. Zwar wird ihr Einsatz von Politik und Gesellschaft anerkannt und hochgeschätzt, auf der anderen Seite stehen in der öffentlichen Diskussion einseitig die Kosten für den Staat und die Sozialkassen im Vordergrund. Mit der Studie wollen wir den Fokus auf die Sozialwirtschaft erweitern, indem wir den öffentlichen Ausgaben die ökonomische Wertschöpfung der Wohlfahrtspflege gegenüberstellen“, erklärte die LIGA-Vorsitzende, Regine Schuster. Die Sozialwirtschaft werde als ökonomischer Faktor häufig unterschätzt. Dabei gehen von der Branche starke Impulse für den Arbeitsmarkt aus. In Rheinland-Pfalz arbeiten mehr als 175 000 Menschen im Gesundheits- und Sozialwesen, über 145 000 davon in Einrichtungen der LIGA. Das entspricht 14 Prozent der Beschäftigten im Land. Zusammen mit dem Handel (ebenfalls 14%) und dem verarbeitenden Gewerbe (25%) gehört die Sozialwirtschaft damit zu den größten Sektoren des rheinland-pfälzischen Arbeitsmarktes. 

Von jedem Euro fließen 72 Cent zurück

Dieses Angebot an qualifizierten Stellen wirkt sich nicht nur positiv auf die Beschäftigungssituation im Land aus, sondern führt auch zu direkten Rückflüssen an den Staat und die Sozialkassen in Form von Einkommensteuern und Sozialabgaben. Der Leiter der Studie, Prof. Dr. Stefan Sell, verwies außerdem auf stimulierende Effekte für Unternehmen aus anderen Branchen: „Die Konsum- und Investitionsausgaben der Einrichtungen der Sozialwirtschaft werden mit durchschnittlich 88 Prozent in ihrer jeweiligen Region getätigt. Das stärkt vor Ort ansässige Unternehmen, vor allem die vielen kleinen und mittelständischen Betriebe im Handwerk und Handel und die dort arbeitenden Menschen", so Prof. Sell. Die Forschergruppe des IBUS konnte mit ihrer Untersuchung darüber hinaus belegen, dass durch die einseitige Kostenfixierung die wahren Ausgaben für die Wohlfahrtspflege massiv überschätzt werden: "Von jedem Euro, den der Staat in die Sozialwirtschaft investiert, fließen unter Berücksichtigung der von uns berechneten zusätzlichen regionalen Wertschöpfung 72 Cent durch Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge zurück, in erster Linie an Sozialversicherungsträger, Bund und Länder", resümierte Prof. Sell ein zentrales Ergebnis der Studie.