21. März 2014

Tagung zur Beziehungsgestaltung

Humor in der Pflege - geht das?

Menschen, die an einer Demenzerkrankung leiden, brauchen besondere Formen der Ansprache. Der Evangelische Fachverband für Altenarbeit RWL hat in Zusammenarbeit mit Mitgliedseinrichtungen eine Reihe von kreativen Ideen zusammengetragen und auf einer Fachveranstaltung in Gelsenkirchen vorgestellt.  Es ging dabei um Humor, Musik, Bewegung, basale Stimulation, Licht und Farbe, Riechen und Schmecken.

Laurentia-Spiel im Plenum

"Die demenziellen Erkrankungen treffen uns an unserer empfindlichsten Stelle  an unserem Geist, Verstand und unserer Wahrnehmung. Menschen mit Demenz haben aufgrund dieser krankheitsspezifischen Beeinträchtigungen nicht nur einen höheren und sondern vor allem einen andersartigen Bedarf an professioneller Pflege und psychosozialer Betreuung als andere Heimbewohner", erinnerte Diplom Pädagogin Manuela Ahmann zunächst an die Grundvoraussetzung in der täglichen Betreuung von Menschen mit demenziellen Veränderungen. Im Anschluss appellierte Lehrer und Clown Ulrich Fey für ein wenig Distanz zu Situationen und zur eigenen Person im Umgang mit demenziell veränderten Menschen. Wem es gelingt, in der situativen Eigenwilligkeit oder Unwilligkeit demenziell veränderter Menschen die dort innewohnende Komik zu erkennen, der vermag Ärger am Ende in einem Lächeln aufzulösen.

Humor in der Pflege - geht das?

In seinem Workshop griff der Buchautor und Clown Ulrich Fey den Faden seines Impuls-Referates wieder auf und stellte den interessierten Zuhörern die Frage "Humor in der Pflege - geht das?" "Ein guter Clown begegnet demenziell veränderten Menschen vorsichtig. Seine rote Nase, seine bunte Kleidung lassen ihn interessant erscheinen, er kann auf Tische steigen, "Kein schöner Land" singen, mit den Bewohnern tanzen, das Sterben üben oder einfach nur still mit ihnen in einem Raum sitzen", erzählte Clowndoktor Fey aus seinem Erfahrungsschatz. "Bunt" waren auch die Praxiserfahrungen in der Farb- und Lichttherapie von Einrichtungsleitung Diana Lange aus dem Altenzentrum Maria Lindenhof in Dorsten. Sie berichtete über den erfolgreichen Einsatz spezieller Farblichtgeräte in den Einrichtungen der Diakonie Gladbeck-Bottrop-Dorsten. Die Bestrahlung mit besonderem Biolicht, kombiniert mit unterschiedlichen Farben wird dort seit mehreren Jahren sehr erfolgreich eingesetzt, um Symptome der demenziellen Veränderung wie Angst, Unruhe oder Appetitlosigkeit zu reduzieren. Dass die demenzielle Veränderung auch das "Riechen und Schmecken" betrifft, davon wusste Petra Wienß vom Zentrum Plus in Gerresheim zu berichten. Sie zeigte in ihrem Workshop, wie man über stimulierende Reize des Geschmacks und Geruchssinns Emotionen und Erinnerungen hervorlocken kann. Dabei kamen altbekannte Düfte, wie das Duftwasser 4711 oder Zuckerstangen zum Einsatz, wie es sie in der Kindheit der demenziell veränderten Menschen gegeben hat. Musik weckt nicht nur Erinnerungen, sondern ermöglicht umfassende Sinneserfahrungen wie das Hören, Fühlen, Spüren und Sehen. Den Beweis traten Bärbel Schenkluhn aus dem Ev. Seniorenzentrum Essen Kettwig und Agnes Kröger an. In Ihrem Workshop wurde geschunkelt und geklatscht. Neben dem Erleben von Gemeinschaft und Geselligkeit fördern die Musikangebote mit Tüchern oder Luftballons als Hilfsmittel nicht nur den Geist, sondern auch das Herz-Kreislaufsystem. Der Gleichgewichtssinn wird ebenfalls trainiert und somit die Sturzgefahr verringert. Mit der Veeh-Harfe wurde den Workshop-Teilnehmern ein Instrument vorgestellt, welches ohne Notenvorkenntnisse von allen Alternsgruppen spielbar ist.

Den "Therapeutic Touch" stellten Sabine Bree, Ev. Seniorenzentrum Frohnhausen und Gabriele Lohbusch, Haus Greefsgarten-Viersen, vor. In diesem Workshop erfuhren die Teilnehmer am eigenen Leib, wie gezielte Berührungen Entspannung, Angst und Stressreduktion, sogar Schmerzlinderung bewirken können.

Kreative Wege

"Die Pflege und Betreuung von demenziell Veränderten kann anstrengend sein. Unser heutiger Fachtag mit seinem vielfältigen und bunten Angeboten zeigt zum einen, dass es kreative Wege gibt, den Bedarfen gerade von Menschen mit demenziellen Veränderungen zu begegnen und der Erkrankung so auch ein Stück des Schreckens zu nehmen. Heute haben wir erfahren, dass es gelingen kann, die für Betroffene wie für Betreuer schwierigen Begleitsymptome einer Demenz mit Lachen, Farben, Licht, Schmecken, Fühlen, Hören und Berühren zu mindern  und das was demenziell Erkrankten gut tut, auch gut für alle anderen ist", fasst Kerstin Schönlau, stellvertretende Vorsitzende des EVA, die Tagung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen zusammen.

Text und Foto: Michael Horst, Diakonisches WerknGladbeck-Bottrop-Dorsten

Ihr/e Ansprechpartner/in
Christian Carls
Onlineredaktion und Internetkoordination
FSJ/BFD
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