2. September 2015

Kooperationsprojekt von Diakonie, Kirche und Arbeitsagentur

Neue Wege in den Arbeitsmarkt fördern

Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern, gehören verschiedenen Generationen an und haben ihre eigene, schwierige Geschichte. Doch sie alle möchten Teil der deutschen Gesellschaft sein und eine Ausbildung oder einen Job finden. Ein neues Gemeinschaftsprojekt der Diakonie RWL, der rheinischen Kirche und der Bundesagentur für Arbeit unterstützt junge Menschen, Flüchtlinge, Asylbewerber und Langzeitarbeitslose dabei. Am Mittwoch wurde die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. 

Christiane Schönefeld, Manfred Rekowski und Nikolaus Immer (v.l.) unterzeichnen den Vertrag.

Christiane Schönefeld, Manfred Rekowski und Nikolaus Immer (v. l.) unterzeichnen den Vertrag.

Foto: ekir.de/Sergej Lepke

Ob minderjährige Flüchtlinge oder Asylbewerber, Schulabbrecher oder Langzeitarbeitslose – alle sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt nur schwer zu vermitteln. Vier diakonische Projekte für die unterschiedlichen Zielgruppen sollen das nun ändern. Finanziert werden sie aus dem Arbeitslosenfonds der Evangelischen Kirche im Rheinland, der in diesem Jahr knapp 2,5 Millionen Euro aus ihrem Fonds zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit an kirchliche und diakonische Träger ausgeschüttet hat.

„Unsere Projekte richten sich bewusst an drei entscheidende Gruppen von Menschen, die oft als chancenlos auf dem Arbeitsmarkt gesehen werden“, erklärte Nikolaus Immer, Geschäftsbereichsleiter für Soziales und Integration bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. „Dabei haben wir neben den Flüchtlingen, die derzeit viel Aufmerksamkeit bekommen, vor allem die Langzeitarbeitslosen und jugendlichen Schulabbrecher im Blick.“

Gemeinsam mehr erreichen

Gefördert werden die Projekte im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, der Evangelische Kirche im Rheinland und der Bundesagentur für Arbeit. Rund 300.000 Euro stehen für die Projekte zur Verfügung. Sie seien der Anfang einer engeren Zusammenarbeit, betonte die Chefin der NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Christiane Schönefeld, am Mittwoch bei der Vertragsunterzeichnung in Düsseldorf. „Die Projekte geben Menschen konkrete Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, um in unserer Gesellschaft ihren Weg zu gehen.“

Bereits seit dreißig Jahren unterstütze die rheinische Kirche in Gemeinden Arbeitslosenberatungsstellen und diakonische Beschäftigungsträger, erklärte Präses Manfred Rekowski. Aber das sei nicht genug. „Unser Engagement als Kirche kann immer nur ergänzen und es soll anregen: Gemeinsam können wir noch mehr für die Menschen erreichen.“

Aus Vertrauen wird Selbstvertrauen

So sollen unter dem Titel „Laborday“ Jugendliche mit Startschwierigkeiten auf ihrem Weg in eine Berufsausbildung und während der Ausbildung intensiv begleitet werden. Initiatoren sind das Jobcenter Köln und das Jugendwerk Köln. Ziel ist es, jungen Menschen, die abseits des allgemeinen Werte- und Sozialsystems stehen und sich frustriert jeder Kontaktaufnahme durch Institutionen verweigern, neues Vertrauen zu vermitteln und ihnen einen Weg in die Gemeinschaft zu ebnen. „Sie werden da angesprochen, wo sie sind, von Menschen, die ihre Sprache sprechen und ihre Nöte und Ängste akzeptieren“, betonten die Projektverantwortlichen. Aus Vertrauen werde Selbstvertrauen, und daraus wachse die Einsicht, Hilfen als solche zu erkennen und zu nutzen. Dies sei ein langer, aber hoffnungsvoller Weg.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Zentrum Bildung und Beruf Michaelshoven gGmbH (ZBB) in Köln gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Köln und dem Bleiberechtsnetzwerk Chance. Spezielle Sprachkurse für Asylbewerber und Flüchtlinge sollen Menschen, die zwar über eine berufliche Qualifikation verfügen, aber ohne eine grundlegende Sprachkompetenz keine Chance auf Ausbildung oder Beschäftigung haben, einen Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnen. ZBB und Diakonie stimmen sich zur Finanzierung der Sprachkurse von Flüchtlingen und Asylbewerbern ab, die weder an den staatlich geförderten Integrationskursen noch einem berufsbezogenen Sprachkurs teilnehmen können.

Beratungssituation

Foto: www.freiewohlfahrtspflege-nrw.de

Ausbildungsmodule und migrationssensibles Coaching

Noch im Aufbau befindet sich die Weiterbildung für geringqualifizierte Arbeitslose, die in fünf Qualifizierungsmodulen in Remscheid zur Fachkraft für Metalltechnik (Zerspanungstechnik) ausgebildet werden. Die begleitende Betreuung verantwortet die GESA gGMBH im Auftrag der Diakonie. Die Aufteilung der Fachkraftausbildung in fünf Module erleichtere es den Arbeitslosen, an der Qualifizierung teilzunehmen und sie erfolgreich zu beenden, hieß es.

Das vierte Projekt in Dortmund richtet sich an minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Ein migrationssensibles Coaching soll ihnen einen Weg in den Alltag, die Kultur, die Ausbildungssysteme und die Gemeinschaft ermöglichen. Das Coaching wird vor Ort in den Berufskollegs durchgeführt, da dort die meisten jugendlichen Asylbewerber in sogenannten Integrationsklassen zur Schule gehen. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt durch die Berufsberatung mit Unterstützung der Schulsozialarbeiter. Das Projekt verfolge den Ansatz, den langen Weg in der neuen Heimat gemeinsam mit den Flüchtlingen zu gehen, erklärten die Schulsozialarbeiter.

„Mit allen vier Projekten zeigen wir gute Wege auf, wie man auch die sogenannten schwer vermittelbaren Gruppen in Arbeit bringen kann“, betonte Nikolaus Immer. „Unsere Hoffnung ist natürlich, dass die Bundesagentur für Arbeit sie nach Projektende in ihre Regelfinanzierung aufnimmt.“

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