12. März 2015

Arrmuts- und Reichtumsbericht Rheinland-Pfalz

Ausgrenzung beenden, Teilhabe ermöglichen

Mehr Erwerbstätigkeit, mehr Einkommen, mehr Immobilienbesitz: der jetzt vorliegende Armuts- und Reichtumsbericht der Landesregierung in Rheinland-Pfalz belegt die positive wirtschaftliche Entwicklung des Bundeslandes. Aber er zeigt auch deutlich die Schattenseiten. Dazu gehört die sich verfestigende Armut einiger Bevölkerungsschichten.

Portrait

Landespfarrer Albrecht Bähr

„Armut wird durch eine positive Entwicklung der Wirtschaft nicht mehr abgebaut, im Gegenteil“, konstatiert der Vorsitzende der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz, Albrecht Bähr. Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz stellt fest, dass dies gesellschaftlich wie individuell gilt: Die Schere geht auseinander. "Die Zunahme privaten Reichtums kontrastiert zunehmend zur öffentlichen Armut ganzer Regionen", so Bähr weiter.

Die Bertelsmann-Studie zur Lage der Kommunen hat bereits 2013 festgestellt, dass sechs von den 15 Städten in der Bundesrepublik mit den meisten Verbindlichkeiten, also mehr als ein Drittel, in Rheinland-Pfalz liegen. "Und der jetzt vorliegende Bericht bestätigt, was die Wohlfahrtsverbände aus ihrer täglichen Beratungsarbeit, aus den Stadtteiltreffs und den Beschäftigungsträgern, aus der Schulsozialarbeit sowie der Altenhilfe kennen: In vielen Bereichen nimmt die Armut zu."

Die Armutsrisikoquote ist in Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen – von 14,5 Prozent im Jahr 2006 auf 15,9 Prozent im Jahr 2012.

Betroffen von dieser Entwicklung sind vor allem Alleinerziehende sowie insbesondere Kinder und noch deutlicher Jugendliche (22,5 Prozent der Jugendlichen waren im Jahr 2012 arm bzw. armutsgefährdet). Das hat gerade für Kinder fatale Folgen für die gesellschaftliche Teilhabe.

„Armut kann sich vielfältig äußern“, stellt Bähr fest. „8 Prozent der Haushalte in Rheinland-Pfalz waren durch Mahnungen sowie Stromsperrandrohungen bedroht, abgesperrt wurde der Strom im Jahr 2011 immerhin bei 37.000 Haushalten.“

Im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit und bei dem Anteil überschuldeter Personen (Schuldnerquote) sind die Zahlen nahezu konstant geblieben. So gelten 10 Prozent der Haushalte in Rheinland-Pfalz als überschuldet, und immerhin fast ein Fünftel der SGB II-Bezieher lebt seit vier Jahren oder noch länger auf Hartz IV-Bezug.

Der LIGA-Vorsitzende fordert daher: „Es ist an der Zeit, Ausgrenzung zu beenden und Teilhabe zu ermöglichen. Dabei darf die Schuldenbremse nicht zu einer Bildungs- oder Teilhabebremse werden.“

In ihrem eigenen Berichtsteil haben sich LIGA und Landesarmutskonferenz auf wenige, aber zentrale Problemfelder beschränkt, dabei die strukturellen Aspekte von Armutslagen in den Blick genommen und schlagen machbare Lösungen vor: zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit, zur Abwehr von Stromsperren, zur besseren Integration armer Kinder – alles Bereiche, in denen Good-Practice-Beispiele die Chancen einer echten Armutsbekämpfungspolitik zeigen.

„Es ist an der Zeit, eine Situation für viele Menschen zu beenden, in denen sie sich gefangen fühlen, in denen nach ihrem Empfinden mit ihnen nur noch verfahren wird. Denn eine Gesellschaft ist dann stark, wenn sie auch die Interessen der Schwächsten berücksichtigt und sie teilhaben lässt“, bekräftigt Bähr.

Hintergrund:

Die LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz ist ein freiwilliger, dem Gemeinwohl verpflichteter und pluralistischer Zusammenschluss der Wohlfahrtsverbände auf Landes­ebene. Sie setzt sich aus fünf Verbandsgruppen zusammen – der Arbeiterwohlfahrt, der Caritas, dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Deutschen Roten Kreuz und der Diako­nie – und repräsentiert insgesamt zwölf Spitzenverbände. Diese beschäftigen zusammen ca. 145.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusätzlich engagieren sich mehr als 30.000 Ehrenamtliche bei den rheinland-pfälzischen Wohlfahrtsverbänden.

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