Donnerstag, 11. Februar 2016

Ungute Konkurrenz zwischen Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen vermeiden

Diakonie RWL begrüßt Vorstoß der Bundesarbeitsministerin zur Aufstockung der Fördermittel und fordert Gesetzesreform

Düsseldorf/Münster, 11. Februar. Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe unterstützt die Forderung von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, kurzfristig eine halbe Milliarde Euro mehr pro Jahr für die Integration der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt zu geben. „Frau Nahles Befürchtung, dass ohne diese zusätzliche Finanzierung ein Verdrängungswettbewerb auf Kosten der Langzeitarbeitslosen entsteht, können wir aus der Praxis bestätigen“, betont die Arbeitsmarktexpertin der Diakonie RWL, Ina Heythausen. Immer mehr Träger von Integrationsbetrieben seien in großer Sorge, dass es zu einer unguten Konkurrenz zwischen den beiden Gruppen komme. „Das ist sozialer Sprengstoff für das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft.“

Ihr Ansprechpartner
Ina Heythausen
Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigungsförderung, Jugendsozialarbeit, Geschäftsfeld Berufliche und soziale Integration
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Flüchtlinge in Gemeinwohlarbeit einzusetzen, sei durchaus sinnvoll, um sie mit dem deutschen Arbeitsmarkt und dessen Tagesstruktur vertraut zu machen, so Heythausen. Es dürfe aber nicht so sein, dass aktuell viele Langzeitarbeitslose nicht weiterbeschäftigt werden könnten, weil diese Jobs maximal 24 Monate gemacht werden dürften und Langzeitarbeitslose dann drei Jahre lang für Gemeinwohlarbeiten gesperrt seien. „Diese Gesetzesregelung muss dringend aufgehoben werden, denn sie unterbricht den Integrationsprozess und gefährdet bereits erzielte Integrationsschritte der Langzeitarbeitslosen.“

Die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung sei langzeitarbeitslosen Menschen, die sich in der Regel stark mit ihrem neuen Job identifizierten, nicht zu vermitteln, bestätigt der Chef der NEUE ARBEIT der Diakonie Essen, Michael Stelzner. Der Beschäftigungsträger macht derzeit rund 2.000 Menschen in Essen fit für den Arbeitsmarkt, darunter auch viele Flüchtlinge. „Es kann nicht sein, dass ich immer mehr Langzeitarbeitslose entlassen muss, obwohl sie keine andere Jobperspektive haben und die gemeinnützige Arbeit gern weiter machen würden.“

Heythausen und Stelzner appellieren an die Bundesregierung, die 24-Monats-Regelung im neuen Gesetzentwurf zur Reform der Jobcenter endlich zu streichen. Gleichzeitig sollten die Mittel für Gemeinwohlarbeit – wie von Andrea Nahles gefordert – wieder deutlich aufgestockt werden, so die beiden Experten. Nach Erfahrung Stelzners haben sie eine nützliche Doppelfunktion. Sie helfen, Menschen an einen festen Tagesablauf zu gewöhnen und für den Ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Deshalb eigneten sie sich insbesondere für Flüchtlinge, die mit der Sprache und Kultur Deutschlands erst noch vertraut gemacht werden müssten. „Sie schaffen aber auch soziale Teilhabe, und das ist für die bundesweit rund eine Million Langzeitarbeitslosen ganz wichtig, die dauerhaft keinen Job auf dem Ersten Arbeitsmarkt finden.“

Rund 250.000 Flüchtlinge sind im Jahr 2015 im Verbandsgebiet der Diakonie RWL neu zugewandert. Von diesen sind Schätzungen zufolge knapp 175.000 erwerbsfähig. Es ist also zu erwarten, dass im Laufe dieses Jahres viele von ihnen endlich den dringend notwendigen Zugang zum Arbeitsmarkt oder zu Förderangeboten erhalten. Daneben gibt es rund 360.000 Langzeitarbeitslose. Während im Jahr 2011 etwa 50.000 von ihnen einen öffentlich geförderten Job fanden, waren es im vergangenen Jahr nur noch knapp die Hälfte.

Einen Bericht über das Projekt „Wegbereiter“ der NEUE ARBEIT Essen, das arbeitslose Migranten zu Flüchtlingshelfern schult, finden Sie auf der Homepage der Diakonie RWL.

Die Referentin für Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigungsförderung der Diakonie RWL, Ina Heythausen, steht gerne für Interviews zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich für die Gesprächsvermittlung an Sabine Damaschke, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon 0211 6398-286, E-Mail s.damaschke@diakonie-rwl.de.