Familienpfleger/-in

Die Familienpflegerin oder der Familienpfleger übernimmt alle Aufgaben und Pflichten bei der Betreuung und Versorgung von Kindern sowie der im Haushalt lebenden älteren Menschen. Die Einsätze in der Familienpflege sind zunehmend in familiären Krisen- und Notsituationen erforderlich, wie zum Beispiel bei einer Gefährdung des Kindeswohls. Die Einsätze werden von den Jugendämtern und von den Krankenkassen in die Wege geleitet.

Zu den Aufgaben von Familienpflegekräften gehören: Pflegerische Grundversorgung, Kinderbetreuung in Familien, Anleitung bei hauswirtschaftlichen, betreuenden und pflegerischen Tätigkeiten sowie Hilfestellung zur Erhaltung und Aktivierung der selbstständigen Lebensführung. Weiterhin beziehen sich die Aufgaben auf das Unterstützen von Personen bei der Erlangung von Haushaltsführungs- und Alltagskompetenzen sowie auf die Führung des Haushalts in Vertretung oder in Zusammenarbeit mit der zu betreuenden Familie.

Die Ausbildung zur Familienpflegerin oder zum Familienpfleger unterliegt der Ausbildungs- und Prüfungsordnung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 02.04.2004 (siehe Ende des Textes) und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab.

Zugangsvoraussetzungen
Voraussetzung für den Zugang zur Ausbildung ist die gesundheitliche und persönliche Eignung zur Ausübung des Berufes, die Vollendung des 17. Lebensjahres und der Abschluss der Hauptschule oder eines entsprechenden Bildungsstandes.

Dauer der Ausbildung
Die Familienpflegeausbildung dauert in Vollzeitform drei Jahre. Sie umfasst eine zweijährige Ausbildung mit anschließendem einjährigen Anerkennungsjahr und endet bei erfolgreicher Abschlussprüfung und erfolgreicher Ableistung des einjährigen Berufspraktikums mit einer staatlichen Anerkennung. Die Ausbildung kann auch berufsbegleitend durchgeführt werden und dauert für die theoretische und fachpratische Aufsbildung in der Regel 36 Monate.

Wo findet die Ausbildung statt?
Die Ausbildung wird in NRW von Fachseminaren für Familienpflege angeboten:

Fachseminar für Familienpflege der Kaiserswerther Diakonie in Ratingen,
Fachseminar für Familienpflege CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e. V) in Wesel.
Die vollständigen Adressen der evangelischen Fachseminare für Familienpflege im Bereich der Diakonie RWL finden Sie am Ende des Textes
Die Ausbildung kann auch in Berufskollegs durchgeführt werden. Lehrgangskosten entstehen den Schülerinnen und Schülern nicht. BAföG kann beantragt werden, Förderungen über die Agenturen für Arbeit oder ARGEn sind möglich.
Der theoretische Unterricht von 1 800 Stunden wird in einem Fachseminar für Familienpflege erteilt. Die fachpraktische Ausbildung umfasst 1 200 Stunden in zwei Jahren. Die Ausbildung erfolgt in Blockform. Hauptschwerpunkte der Ausbildung sind Pflege, Pädagogik und Hauswirtschaft. Mehrwöchige Praktika werden im pflegerischen und pädagogischen Bereich absolviert, z.B. in der Kinder- und Jugendhilfe, der ambulanten oder stationären Altenpflege, der Behindertenhilfe oder Psychiatrie und der klassischen Familienpflege.

Entwicklungsperspektiven und Qualifizierungsoptionen
Der Beruf Familienpfleger/in ist in seiner Verbindung aus Pädagogik/Psychologie, Hauswirtschaft und Pflege vielgestaltig und anspruchsvoll mit unterschiedlichen beruflichen Perspektiven und Einsatzmöglichkeiten. Mögliche Einsatzorte sind die häusliche Umgebung hilfebedürftiger Menschen, Haus- und Wohngemeinschaften hilfebedürftiger Menschen, stationäre und ambulante Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege, Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe. Fort- und Weiterbildungen z. B. in den Bereichen Suchtbehandlung und -prävention, Schuldnerberatung, Basale Stimulation, Kinästhetik, Gerontopsychiatrie, Konfliktmanagement etc. können die fachlichen und personalen Kompetenzen erweitern und vertiefen sowie das Spektrum beruflicher Einsatzfelder verbreitern.