17. Februar 2017

Klausur Diakonievorstände

Zwischen Fachkräftemangel und evangelischem Profil

Immer mehr Diakonische Werke öffnen sich für Mitarbeitende, die nicht einer christlichen Religion angehören. Wie aber passt das mit dem evangelischen Profil der Unternehmen zusammen? Darüber haben die theologischen Vorstände jetzt auf einer Klausur der Diakonie RWL in Wuppertal diskutiert. Pastorin Barbara Montag hat das Theologische Forum moderiert.

Barbara Montag (Mitte) mit Doris Damke von der Westfälischen Kirche (links) und Beate Hoffmann von der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel, dahinter Christian Dopheide (Vorstand der Stiftung Hephata), Jürgen Dittrich (Vorstand der Stiftung Volmarstein) und Christoph Pistorius von der rheinischen Kirche (v.l.)

Das Theologische Forum ist noch eine recht junge Veranstaltung. Sie fand erst zum zweiten Mal statt. Wie wichtig ist diese Klausur für die theologischen Vorstände?

Diesmal haben fast alle theologischen Vorstände diakonischer Werke in unserem Verbandsgebiet an der Veranstaltung teilgenommen. Es waren 30 Vorstands- und Geschäftsführungstheologinnen und -theologen sowie die Vertreter der drei Landeskirchen in Wuppertal. Das zeigt uns, wie wertvoll dieser zweitätige Austausch für die Vorstände ist. Sie fühlen sich in ihrem Alltag oft als "Einzelkämpfer" auf diesem Posten. An sie wird ein hoher ethischer, aber auch unternehmerischer Anspruch gestellt. Umso wichtiger ist es, sich in einem geschützten Rahmen mit den geistlichen Führungskräften anderer Werke über die aktuellen Herausforderungen austauschen zu können. Übrigens laden wir zu diesem Forum immer auch Wissenschaftler ein, die Impulse für die Arbeit vor Ort geben können.

Pastorin Barbara Montag mit den beiden Referenten Beate Hoffmann (Kirchliche Hochschule Wuppertal-Bethel) und Christian Dopheide (Stiftung Hephata)

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand diesmal die Frage, wie Mitarbeitende mit einer nicht-christlichen Religionszugehörigkeit in die Unternehmen eingebunden werden können. Was ist dabei das Problem?

Die Veranstaltung stand unter dem Thema "die Kirchlichkeit der Diakonie in einer religiös pluralen Gesellschaft". Einerseits sind die Diakonischen Werke evangelisch geprägt und identifizieren sich mit protestantischen Werten. Viele verlangen daher von ihren Mitarbeitenden, dass sie Mitglied einer christlichen Kirche sind. Andererseits gibt es in vielen Feldern der sozialen Arbeit einen Fachkräftemangel. Daher besteht die Notwendigkeit, sich auch für qualifiziertes Personal zu öffnen, das einer anderen oder keiner Religion angehört. Auf dem Forum haben wir unter anderem darüber diskutiert, wie diese Öffnung gelingen und dabei die evangelische Identität bewahrt werden kann.

Welche Haltung haben die Theologischen Vorstände dazu?

Sie arbeiten zum Teil an ihren Leitbildern. Das ist auch deshalb notwendig, weil viele Einrichtungen gerade in der Pflege, aber auch Jugend- und Flüchtlingshilfe bereits muslimische Mitarbeitende eingestellt haben. Es geht ja auch um die interkulturelle Öffnung unserer sozialen Dienste, die zunehmend für Menschen mit anderen religiösen und kulturellen Wurzeln da sind. Ihr Anteil in der Bevölkerung nimmt seit Jahren zu. Die große Aufgabe ist es nun, unter den Mitarbeitenden ein gemeinsames Selbstverständnis zu entwickeln, damit im Alltag auch gemeinsame Werte gelebt werden können.

Konzentrierter Austausch der Vorstände in Wuppertal

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für die Vorstände?

Neue Mitarbeitende, die einen anderen religiösen und kulturellen Hintergrund haben, müssen in die Werte und Alltagspraktiken des diakonischen Unternehmens eingeführt werden. Und die kommen aus einer christlichen und evangelischen Tradition. Das zeigt sich zum Beispiel in einer würdevollen Sterbebegleitung. Es kommen neue Diskurse auf, wenn Mitarbeitende unterschiedlicher Religionszugehörigkeit zusammenarbeiten. Dafür müssen Orte der Auseinandersetzung geschaffen werden. Schließlich sollen die Grundlagen des gemeinsamen Handelns nach außen klar sein.

Was bedeutet es denn für die Unternehmenskultur, wenn Menschen unterschiedlicher Religionen in der Diakonie zusammenarbeiten?

Rituale und Symbole müssen neu überdacht und verhandelt werden. Wie soll die gemeinsame Weihnachtsfeier gestaltet sein? Was ist mit Segensritualen, Liedern und Psalmen? Für religiöse Diversität braucht es eine passgenaue Unternehmenskultur - und genau daran arbeiten derzeit viele Vorstände. Insofern war der Austausch in Wuppertal für alle ausgesprochen wertvoll. Eine Weiterarbeit wurde vereinbart.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke. 

Fotos: Werner Jacken/Diakonie Wuppertal

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