3. Februar 2017

Vorsitzwechsel in der LIGA Rheinland-Pfalz

Kritischer Partner der Politik

Von Mensch zu Mensch - dieses Motto der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz hat der Vorsitzende Albrecht Bähr stets als Verpflichtung gesehen. Nun übergab er sein Amt turnusgemäß an einen Nachfolger. Im Interview blickt der Diakoniechef in Rheinland-Pfalz auf zwei besondere Jahre zurück, die stark durch die Flüchtlingskrise geprägt waren.

Portrait

Was waren Ihre Aufgaben als Vorsitzender der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege?

Der LIGA-Vorsitzende ist für zwei Jahre der Repräsentant der Wohlfahrtspflege nach außen. Er vertritt gemeinsame Positionen der Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und des Roten Kreuzes in der Öffentlichkeit. Diese Verbände haben zusammen rund 100.000 Mitarbeitende und leisten zur sozialen Gestaltung unserer Gesellschaft einen wichtigen Beitrag. Intern ist er dafür verantwortlich, dass die Kommunikation zwischen den Verbänden funktioniert. Zu den Aufgaben gehört so auch, Positionen der Verbände zusammenzuführen und die Kooperation untereinander zu stärken. Denn nur gemeinsam sind wir stark.

Was hatten Sie sich für Ihre Zeit als LIGA-Vorsitzender vorgenommen, als Sie den Vorsitz 2015 übernommen haben?

Mir war immer wichtig, dass alle Menschen ein Recht auf Teilhabe haben. Dass es nicht nur beim Recht bleibt, sondern Teilhabe verwirklicht wird - dazu können die Wohlfahrtsverbände in allen Handlungsfelder viel beitragen. Dazu gehört zum Beispiel das Engagement für Menschen in Armut, für Menschen mit Pflegebedarf oder für Menschen mit Behinderungen. Als ich den Vorsitz übernahm, standen natürlich die Herausforderungen der Flüchtlingskrise im Vordergrund. Mein Herzensanliegen war, eine Willkommens-Kultur zu fördern, bei der es um mehr geht, als Flüchtlinge mit dem Existenzminimum zu versorgen.

Wie haben Sie das geschafft?

Es ist uns in Rheinland-Pfalz gelungen, in einem schwierigen politischen Umfeld mit viel Ablehnung gegen Flüchtlinge sehr schnell eine gute Infrastruktur zur Unterbringung, Beratung und Begleitung von Flüchtlingen aufzubauen. In der Krise hat sich gezeigt, dass Landesregierung, Kommunen und Verbände zusammenarbeiten können und vieles hinbekommen, wenn es wirklich Spitz auf Knopf steht.

Ist das ein Modell für die Gestaltung des Sozialen?

Wir haben zumindest einen neuen Erfahrungswert, wie das Miteinander von Politik und Wohlfahrt funktionieren kann. Ohne die Wohlfahrtspflege wäre das Problem nicht zu lösen gewesen. Ohne die LIGA hätten wir das Chaos pur gehabt. Das wissen auch die Partner in der Politik. Diese Erfahrung zeigt, wie wichtig es ist, dass sich Politik und Verbände ihrer gemeinsamen Verantwortung für die Ausgestaltung von sozialer Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit bewusst sind. Insoweit ist das schon ein Modell, das natürlich in Krisen besondere Bedeutung gewinnt. Nach der Krise sehen wir eine Tendenz zur Rückkehr in das alte Fahrwasser, wo die Vermarktlichung des Sozialen für manche Akteure in der Politik wieder mehr im Vordergrund steht - im Glauben, damit Kosten zu sparen. Jedenfalls ist es so, dass unsere Fachlichkeit, unsere Stringenz und klare politische Positionierung neue Wertschätzung auch in der Politik gefunden hat.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Wir als LIGA und ich als Vorsitzender sind aus Sicht der Politik "immer charmant, aber nervig gewesen". So jedenfalls lautete sinngemäß das Urteil von Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der Veranstaltung zum Wechsel des Vorsitzes. Das empfand ich als großes Kompliment. Wir werden als Partner ernst genommen, auch da, wo wir kritische Positionen vertreten.

Das Gespräch führte Christian Carls.

SAT1-Interview zur Übergabe des LIGA-Vorsitzes an Hans-Jürgen Eberhardt, Caritasdirektor für die Diözese Mainz.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Christian Carls
Onlineredaktion und Internetkoordination
FSJ/BFD
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