Dienstag, 14. April 2015

Dehnübungen – Geistliche Leitung in der Diakonie

Neuerscheinung

Wer einen Spagat hinbekommen will, muss Dehnübungen machen. So wird man fit für den sportlichen Wettbewerb. Wer diakonisch fit werden will für den Wettbewerb im Sozial- und Pflegemarkt, der muss Dehnübungen anderer Art machen, um den Spagat zwischen Ökonomie und Theologie zu schaffen. Dazu verhilft die neue Publikation der Diakonie RWL „Dehnübungen – Geistliche Leitung in der Diakonie zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und geistlichem Anspruch“. Barbara Montag und Christoph Nötzel haben den Sammelband herausgegeben, ein Kooperationsprojekt der Diakonie RWL mit dem Amt für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Diakonisches Management

Als Autoren konnten vor allem theologische Vorstände aus dem gesamten Verbandsgebiet der Diakonie in Rheinland, Westfalen und Lippe gewonnen werden. Auch die wissenschaftliche Theologie ist vertreten mit Beate Hofmann und Eberhard Hauschildt. Dieter Beese, Professor und Landeskirchenrat in Bielefeld, steuert einen kritischen Essay bei und Peter Burkowski, Leiter der Führungsakademie für Kirche und Diakonie in Berlin, nennt Impulse für eine Landkarte geistlicher Leitung diakonischer Einrichtungen. Wie Beese und Burkowski kann auch der westfälische „Landespfarrer“ Christian Heine-Göttelmann auf diakonische Führungsaufgaben zurückgreifen, die sich mit dem Superintendentenamt in den letzten Jahren immer stärker herausgebildet haben. Auf die kritischen Einstiege der hier Genannten folgt ein Beitrag von Jörg Hohlweger über „Geistliche Leitung als Entwicklung einer diakonischen Organisation“. Aspekte werteorientierten Managements reflektieren Martin Büscher und Hans Höroldt, diakonische Organisationskultur nehmen Matthias Dargel, Rainer Fischer und Beate Hofmann unter die Lupe und schließlich beleuchten Christoph Nötzel, Klaus Riesenbeck, Hans-Wilhelm Fricke-Hein und Barbara Montag unterschiedliche Facetten von Führungskultur.

Barbara Montag Porträt

Barbara Montag

Geistliche Leitung in der Diakonie – es geht um die Kultur …

In seinem Vorwort weist Diakoniepräsident Ulrich Lilie darauf hin, dass Kirche und Diakonie „in einem zeitgleich säkularer und multireligiöser werdenden Umfeld nach ihrer Identität und ihrem Auftrag“ fragen müssen. Diakonie sollte, so Lilie, „evangelisch kenntlich und zugleich ihre unternehmerische Existenz in einer pluralen Gesellschaft bejahend“ auftreten. Die Beiträge des Buches liefern keine geschlossene Theorie geistlicher Leitung in der Diakonie und sie verzichten zugleich auf simple Rezepte. Barbara Montag und Christoph Nötzel sprechen von einer „Zwischenetappe“ in einer notwendigen Diskussion, die weitergeführt werden muss. Wer in Diakonie und Kirche mit dem Spagat zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und geistlichem Anspruch zu tun hat, der sollte diese gedanklichen „Dehnübungen“ zur Kenntnis nehmen.