7. August 2014

Neue Geschichtsbroschüre

Rheinische Diakonie anno dazumal

Kein Laptop auf dem Tisch, kein Handy in der Hand oder gar am Ohr – solche Versammlungen von führenden Diakonie- und Kirchenvertretern sind heute kaum noch denkbar. Und das 1945 aufgenommene Titelbild der neuen Geschichtsbroschüre „Miszellen zur rheinischen Diakoniegeschichte“ zeigt noch einen weiteren Unterschied: bei Sitzungen oder Synoden Pfeife zu rauchen, würde sich heute niemand mehr trauen.

Rheinische Diakoniegeschichte seit 1945

In den Mittelpunkt seiner ausführlichen Betrachtungen stellt Kurt A. Holz im ersten Teil der Miszellen den langjährigen rheinischen Diakonie-Landespfarrer Otto Ohl, der vom späten Kaiserreich an bis in die Wirtschaftswunderzeit der alten Bundesrepublik von Langenberg aus nicht nur weit- und umsichtig den Rheinischen Provinzialausschuss für Innere Mission leitete, sondern sich auch deutschlandweit große Verdienste um die Diakonieentwicklung der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb. In seiner dichten Beschreibung, konzentriert auf die Schlüsseljahre 1945 und 1946, macht Holz deutlich, wie konfliktreich der Neuaufbau diakonischer Hilfestrukturen nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs war, insbesondere wegen des Gegen- und Nebeneinanders von Innerer Mission und Evangelischem Hilfswerk.

Friedrich-Wilhelm von Staa, Direktor der Diakonie im Rheinland von 1963 -1978, 1964 im neuen Haus der Diakonie (coloriert)

Hier knüpfen Norbert Friedrich und Uwe Kaminsky an, die schildern, „Wie auch im Rheinland aus Innerer Mission und Hilfswerk das Diakonische Werk wurde“. Sie arbeiten heraus, wie zwischen beiden Hilfsorganisationen „Konflikt und friedliche Koexistenz“ herrschten, bis schließlich die evangelische Sozialfürsorge ihre organisatorische Doppelstruktur hinter sich lassen konnte und 1963 das diakonisch-missionarische Werk „Innere Mission und Hilfswerk der Evangelischen Kirche im Rheinland“ ins Leben gerufen wurde. Anschaulich zeigen die Autoren, dass es nicht nur konzeptionelle und organisationskulturelle Friktionen gab – eine große Rolle spielten immer auch „Animositäten der leitenden Personen“ (S. 46). Ihre abschließenden Ausblicke auf die Ära des sozialstaatlichen Ausbaus machen deutlich, welche Gestaltungsmöglichkeiten die rheinische Diakonie in den 1960er und 1970er Jahren hatte.

Noch näher an die Gegenwart heran reicht das Interview, das Kurt Holz mit Dr. Moritz Linzbach führt, der von 1978 bis 2013 als juristischer Vorstand führend für die rheinische Diakonie und in vielen weiteren diakonisch-kirchlichen Gremien tätig war. Warum müssen sich Diakonie und Kirche verändern und erneuern? Im eigenen Erleben begründet bringt Linzbach es sachlich knapp auf den Punkt: „Ganz einfach. Die kirchlichen Strukturprozesse werden immer dann organisationsrechtlich beschleunigt, wenn die finanziellen Ressourcen enger werden.“ (S. 66)

Die Broschüre „Miszellen zur rheinischen Diakoniegeschichte“ kann kostenlos bestellt werden bei:

Claudia Broszat, Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Düsseldorf

 

0211 6398-219

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Diakonische Identität
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