27. Oktober 2015

Gründungsveranstaltung Ehrenamts-Plattform

„Freiwillige sind sozialer Kitt der Gesellschaft“

NRW will das ehrenamtliche Engagement seiner Bürger stärken. Zu diesem Zweck haben sich Verbände der Freien Wohlfahrtspflege und andere gemeinnützige Organisationen am Montag zu einer landesweiten Plattform zusammengeschlossen. Für die Diakonie RWL unterzeichnete Vorstand Christian Heine-Göttelmann die Vereinbarung. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war bei dem Festakt in Duisburg dabei.

Unterzeichner des Gründungsvertrages
(c) LSB NRW | Foto: Andrea Bowinkelmann

Die Ministerpräsidentin lobte die neue Initiative. Wie wichtig und hilfreich freiwilliges Engagement sei, könne man an der „Welle der Hilfsbereitschaft“ gegenüber den Flüchtlingen ablesen, betonte Kraft vor den rund 140 Teilnehmern der Gründungsveranstaltung. Die Ehrenamtlichen seien der „soziale Kitt“, der die Gesellschaft zusammenhalte. „Ich bin stolz auf das, was diese Menschen in unserem Land leisten, sie zeigen damit auch klare Kante gegen Fremdenfeindlichkeit.“

In Deutschland und NRW habe das Ehrenamt im europäischen Vergleich einen besonders hohen Stellenwert, sagte Kraft weiter. Allein in NRW sei rund jeder dritte der 17 Millionen Einwohner ehrenamtlich engagiert. Die Ministerpräsidentin betonte, sie sehe das Land in der Pflicht, gute Rahmenbedingungen für die Arbeit der vielen freiwilligen Helfer zu schaffen. So habe NRW bereits die Kosten für die im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit anfallenden Haftpflicht- und Unfallversicherungen übernommen, biete verschiedene Qualifizierungsprogramme sowie eine Ehrenamtskarte an, die vielfältige Vergünstigungen enthalte.

Kostendruck sorgt für Konkurrenz

Sarah Primus vom Landesjugendring NRW beklagte dagegen in einer anschließenden Talkrunde mit Vertretern der beteiligten Verbände und Kirchen, dass nicht alle Kommunen in NRW die Ehrenamtskarte für Jugendleiter anerkennen. Überhaupt sei NRW eines der wenigen Länder, das keine finanzielle Förderung für die Begleitung der Freiwilligenarbeit bereitstelle, kritisierte Primus. Walter Schneeloch vom Landessportbund berichtete, dass Vereine, die Flüchtlinge unbürokratisch aufnehmen, Probleme mit der Finanzverwaltung bekämen und sogar ihre Gemeinnützigkeit verlieren könnten. Die Vereine seien bereit, ihren Beitrag zur Willkommenskultur zu leisten, doch das Land müsse sie dabei unterstützen, forderte Schneeloch.

Gruppenbild der Unterzeichner

Unterzeichner des Gründungsvertrages
(c) LSB NRW | Foto: Andrea Bowinkelmann

Auch die Präses der Westfälischen Kirche, Annette Kurschus, wies auf die finanziellen Schwierigkeiten vieler Verbände und Initiativen hin, in denen Ehrenamtliche tätig sind. Unter dem Kostendruck gerieten Ehren- und Hauptamtliche zunehmend in Konkurrenz. Das frustiere beide gleichermaßen. Stattdessen brauche es ein Miteinander, in dem das Ehrenamt eine eigenständige Bedeutung habe, forderte die Theologin.

Aufgabe der Zukunft: Gewinnung neuer Freiwilliger

„Wir beobachten eine zunehmende Instrumentalisierung der Ehrenamtsarbeit, die teilweile dazu dient, Stellen abzubauen“, erklärte auch Karen Sommer-Loeffen, Referentin für Ehrenamtsarbeit der Diakonie RWL, die maßgeblich an der Gründung der neuen Plattform mitgewirkt hat. Dies sei eines der Themen, die die Organisationen in ihrem neuen Netzwerk miteinander diskutieren würden, kündigte die Referentin an. Weitere wichtige Aspekte der Ehrenamtsarbeit in NRW sind laut Sommer-Loeffen neben der Finanzierung die Gewinnung neuer freiwillig engagierter Bürger sowie die Begleitung der Ehrenamtlichen.

Laut der Ehrenamtsexpertin engagiert sich rund ein Drittel der deutschen Bürger als freiwilliger Helfer, ein weiteres Drittel ist noch unentschlossen. Diese Menschen fürs Ehrenamt zu gewinnen, sei die große Aufgabe der Zukunft, meinte Sommer-Loeffen. Statt in Konkurrenz um die freiwilligen Helfer zu treten, sollten die Organisationen im Hinblick auf Räumlichkeiten und Schulungen stärker zusammenarbeiten und Ehrenamtliche weiterempfehlen, so die Referentin. Schließlich zeigten alle Studien, dass die meisten Freiwilligen sich heutzutage je nach Lebenssituation für eine begrenzte Zeit in verschiedenen Arbeitsbereichen engagieren wollten.

Die Gründungsorganisationen der Plattform sind neben den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, zu denen die Diakonie und Caritas, die AWO, der Paritätische Wohlfahrtsverband und das Deutsche Rote Kreuz gehören, die beiden christlichen Kirchen, die Landeselternkonferenz, der Landesjugendring sowie der Landessportbund. Das neue Netzwerk sei aber offen und lade weitere Verbände ein, betonte Sommer-Loeffen.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
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