23. Oktober 2015

Neue Ehrenamts-Plattform für NRW

Kooperation statt Konkurrenz

Rund 2,5 Millionen Menschen in NRW engagieren sich ehrenamtlich in Initiativen, Kirchen, Verbänden und Vereinen. Um diesem Engagement eine Stimme zu geben, schließen sich die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege am Montag mit anderen gemeinnützigen Organisationen zu einer landesweiten Plattform zusammen. Mit dabei: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Was das neue Netzwerk leisten kann und soll, erklärt die Referentin für Ehrenamtsarbeit der Diakonie RWL, Karen Sommer-Loeffen.

Porträtfoto von Karen Sommer-Loeffen

Karen Sommer-Loeffen

Frau Sommer-Loeffen, Sie haben die Veranstaltung, auf der die neue Plattform unterzeichnet wird, mitorganisiert. Sogar Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ihr Kommen zugesagt. 140 Vertreter von Verbänden, Kirchen und Initiativen sind dabei. Haben Sie mit einer so großen Resonanz gerechnet?

Eigentlich schon, denn das Ehrenamt hat derzeit durch das Flüchtlingsthema sehr an Aktualität und Bedeutung gewonnen. Dass auch die Ministerpräsidentin kommt, freut uns natürlich. Es setzt ein deutliches Signal, dass die Landesregierung unser neues Netzwerk begrüßt und unterstützt. Bei der Vorbereitung der Veranstaltung habe ich selbst schon von der neuen Plattform profitiert. Es war eine schöne, neue Erfahrung, gemeinsam mit so vielen unterschiedlichen Akteuren in der Ehrenamtsarbeit ein Programm auf die Beine zu stellen. Es war ein vertrautes Miteinander, das mich optimistisch für die weitere Zusammenarbeit stimmt.

Was ist denn das Ziel dieser Plattform zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements in NRW?

In NRW engagiert sich etwa jeder dritte Einwohner ab 14 Jahren ehrenamtlich. Der Großteil macht dies in Vereinen, Verbänden oder Kirchen. Auch wenn sich die Arbeitsfelder, in denen die Ehrenamtlichen unterwegs sind, sehr unterscheiden, gleichen sich doch die Herausforderungen, die sich daraus für die jeweiligen Organisationen ergeben. Dazu gehören vor allem die Fragen, wie neue ehrenamtliche Mitarbeiter gewonnen werden können, wie man sie begleitet und was der Einsatz Ehrenamtlicher für die Personalentwicklung in den Verbänden bedeutet. Wir beobachten eine zunehmende Instrumentalisierung der Ehrenamtsarbeit, die teilweile dazu dient, Stellen abzubauen. All das wollen wir in der neuen Plattform diskutieren, heikle Themen benennen und öffentlich machen, aber auch voneinander lernen.

Wer hat sich dem neuen Netzwerk denn bereits angeschlossen?

Neben den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, zu denen die Diakonie und Caritas, die AWO, der Paritätische Wohlfahrtsverband und das Deutsche Rote Kreuz gehören, schließen sich zunächst die beiden christlichen Kirchen, die Landeselternkonferenz, der Landesjugendring sowie der Landessportbund dieser Plattform an. Sie ist offen und lädt weitere Verbände ein. Am Montag werden die jeweiligen Vertreter der Organisationen einen entsprechenden Gründungsvertrag unterzeichnen. Für die Diakonie RWL tut dies unser Vorstand Christian Heine-Göttelmann.

Gibt es Vorbilder für Ihre Ehrenamts-Plattform?

Es gibt solche Plattformen oder Netzwerke bereits in anderen Bundesländern. Die Idee, dass sich verschiedene Akteure der Ehrenamtsarbeit zusammenschließen, ist also nicht neu. Die Initiative ist dazu bisher oft von den Landesregierungen ausgegangen. In NRW war es die Freie Wohlfahrtspflege, die schon 2010 erste Schritte dazu eingeleitet hatte. Ich sehe das als großen Vorteil, denn wir geben unserer Plattform eine offene, nicht so „gremienlastige“ Struktur. Das ermöglicht uns, die Energie in die inhaltliche Arbeit fließen zu lassen.

Was sind denn für Sie wichtige Themen der Ehrenamtsarbeit, mit denen derzeit alle Organisationen der neuen Plattform zu kämpfen haben?

Der starke Zustrom an Flüchtlingen zeigt ja ganz deutlich, dass wir dringend Ehrenamtliche brauchen. Auch wenn sich derzeit sehr viele Menschen engagieren, wird das noch nicht reichen. Insbesondere, wenn wir längerfristig denken. Und das betrifft nicht nur die Flüchtlingsarbeit. Alle Organisationen – vom Sportverein über die Kirchen bis hin zu sozialen Verbänden – müssen Profile entwickeln und sich über ihr Image Gedanken machen, um neue und mehr Ehrenamtliche zu gewinnen. Statt hier als Konkurrenten zu agieren, sollten wir uns gegenseitig unterstützen.

Wie kann das aussehen?

Ehrenamtliche wollen sich heute nicht mehr viele Jahre bei nur einer bestimmten Organisation engagieren. Je nach Lebenssituation bringen sie sich für eine gewisse Zeit in bestimmten Arbeitsfeldern ein. Sie suchen Herausforderungen, wollen helfen, dabei aber etwas für sich lernen und möglichst Qualifikationen erwerben, die sie auch für andere Tätigkeiten nutzen können. Das bedeutet, wir können Ehrenamtliche weiterempfehlen, die sich in einem anderen Bereich engagieren möchten oder Freiwilligen anderer Organisationen neue Erfahrungen in unserem Arbeitsfeld bieten. Kooperationen bieten sich aber auch im Hinblick auf Räumlichkeiten oder Schulungen für Ehrenamtliche an. Da können wir noch viele Ideen entwickeln. Genau das wird Aufgabe der neuen Plattform sein.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

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