16. November 2015

Neue Ehrenamtskoordinatorin für Flüchtlingsarbeit

„Kirche und Diakonie bewegen gemeinsam mehr“

Sie ist seit mehr als zwanzig Jahren bei der Diakonie RWL und hat als Theologin und Diakoniewissenschaftlerin für den Verband wichtige Akzente gesetzt. Nun übernimmt Barbara Montag eine neue, zusätzliche Aufgabe: Sie koordiniert die Ehrenamtsarbeit in der Flüchtlingshilfe. Dafür baut sie mit der rheinischen und westfälischen Kirche ein Netzwerk auf. Mit gutem Grund: „Gemeinsam können wir viel mehr bewegen“, meint Barbara Montag im Interview.

Portrait von Barbara Montag

Barbara Montag

Netzwerkarbeit – Das hört sich nach vielen Gesprächen, E-Mails und Konferenzen an. Haben Sie abends eigentlich noch Lust, mit Ihrem Mann und Freunden zu reden?

Barbara Montag (lacht): Netzwerkarbeit heißt tatsächlich, Kontakte zu knüpfen und Verbindlichkeiten zu Personen und in Strukturen herzustellen. Das mache ich gerne. In den letzten Tagen habe ich aber abends mehr über den neuen James Bond-Film als über meine Arbeit geredet. Übrigens spielt das Thema Vernetzung im Film „Spectre“ ebenfalls eine Rolle. Natürlich auf einer ganz anderen Ebene, aber für mich war es sehr amüsant, dem Bösewicht Christoph Walz beim „Netzwerken“ zuzuschauen.

Sie kommen nicht aus der Flüchtlingsarbeit, kennen Diakonie und Kirche aber sehr gut und haben dort viele Kontakte. Wie nutzen Sie das jetzt für die neue Aufgabe?

Schon in den ersten Tagen meiner neuen Tätigkeit hat sich herauskristallisiert, dass ich ohne eine gute Vernetzung in die Kirchen nicht weiterkommen würde. Ich kenne die Akteure und Strukturen der rheinischen Kirche sehr gut, habe auch viele Kontakte in die westfälische Kirche. Das hat mir dabei geholfen, ein erstes Treffen der NRW-Ehrenamtskoordinatoren der rheinischen Kirche zu organisieren. Mit der westfälischen Kirche ist ein Brückenschlag zum nächsten Treffen der Synodalbeauftragten für die Flüchtlingsarbeit geplant. Diese Kooperationen halte ich für sehr wichtig, denn gemeinsam können wir viel mehr bewegen.    

Sie haben an der neuen Broschüre für die ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen, die die Diakonie RWL gerade gemeinsam mit den drei evangelischen Landeskirchen in ihrem Verbandsgebiet herausgegeben hat, mitgeschrieben. Was war Ihnen dabei wichtig?

Unser neuer Wegweiser soll den ehrenamtlichen Mitarbeitenden als eine Art Nachschlagewerk dienen, in dem sie rechtliche Grundlagen für ihre Arbeit nachlesen können. Die Broschüre liefert Hintergründe und Zahlen zu den Flüchtlingsgruppen, die derzeit primär nach Deutschland kommen und benennt konkrete Eckpunkte für die Ehrenamtsarbeit bei Diakonie und Kirche. Sie reichen vom Vorlegen eines polizeilichen Führungszeugnisses insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe bis hin zur Frage, wie es Ehrenamtlichen gelingen kann, Grenzen zu setzen, damit sie nicht irgendwann völlig überrollt und überfordert von der neuen Aufgabe sind.

Was brauchen Ehrenamtliche derzeit am meisten?

Wir beobachten, dass die Flüchtlingsarbeit vor Ort den ehrenamtlichen Helfern eine Menge abverlangt. Viele gehen bis an ihre Grenzen. Sie könnten Tag und Nacht im Einsatz sein, weil so viel zu tun ist und werden mit den teils schlimmen persönlichen Schicksalen der Flüchtlinge konfrontiert. Eine gute Begleitung, aber auch Schulung und Supervision sind für diese anspruchsvolle Arbeit sehr wichtig. Das muss deutlich ausgebaut werden. Da sehe ich Kirche und Diakonie in der Verantwortung. Übrigens fragen die Ehrenamtlichen auch selbst danach. In der Flüchtlingsarbeit haben wir es mit vielen engagierten Menschen aus dem Bildungsbürgertum zu tun, die eine gut organisierte und begleitete Arbeit erwarten. Die hauptamtlichen Koordinatoren haben dafür aber nur einige Stunden oder maximal eine halbe Stelle zur Verfügung. Das ist ein enormer Spagat. Auf Dauer sollten wir zu anderen Lösungen kommen.

Kirche und Diakonie arbeiten nicht immer eng zusammen. Bietet die Flüchtlingsarbeit nun eine Chance, soziale Arbeit vor Ort nun stärker gemeinsam zu gestalten?

Diese Chance haben Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen vor Ort bereits genutzt. Ehrenamtliche arbeiten Hand in Hand mit den hauptamtlichen Flüchtlingsbeauftragten. Die Gemeinden stellen selbstverständlich ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Hier profitieren wir auch davon, dass es schon seit Jahrzehnten ein großes Engagement in der evangelischen Flüchtlingsarbeit und damit viel Erfahrung gibt. Das sollten wir deutlich stärker in der Öffentlichkeit betonen.

Was werden Schwerpunkte Ihrer Arbeit als Ehrenamtskoordinatorin sein?

Zunächst werden wir den Wegweiser für die ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen auch für Rheinland-Pfalz und das Saarland auflegen. Die gesetzlichen Vorgaben sind in den beiden Bundesländern, die ja auch zum Gebiet der rheinischen Kirche gehören, etwas anders. Daher brauchen wir hier eigene Broschüren. Dann ist es mir wichtig, dass wir das Netzwerk der Ehrenamtskoordinatoren der kirchlichen und diakonischen Flüchtlingsarbeit ausbauen und weitere Treffen sowie Schulungen anbieten. Darüber hinaus planen wir gerade gemeinsam mit der rheinischen Kirche einen großen „Ehrenamtstag 2016“, zu dem auch der rheinische Präses und der theologische Vorstand der Diakonie RWL kommen werden. Es gibt also viel zu tun oder um es mit James Bond zu sagen: „der Morgen stirbt nie“.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

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