12. März 2015

Erziehungsberatung nach Scheidung

Diakonie hilft zerstrittenen Eltern

Immer mehr Eltern bekommen nach Trennung und Scheidung die Konflikte um die Kinder nicht mehr in den Griff. Mitarbeiter in evangelischen Beratungsstellen beobachten, dass die Zahl der hochstrittigen Elternpaare deutlich zugenommen hat. Für Diakonie und Kirche ist es ein besonderes Anliegen, auch mit diesen Eltern, die kein Paar mehr sind, in der Beratung gute Lösungen für den gemeinsamen Umgang mit ihren Kindern zu erarbeiten.

Bild: Jan Wingert

Jan Wingert

Streitgeschichte zieht sich über Jahre

Gerichte schicken immer häufiger getrennte Elternpaare in die Beratungsstellen, in der Hoffnung, dass dort im Rahmen der Mediation eine gemeinsame Lösung für den Umgang mit den Kindern gefunden wird. Die Probleme kreisen dabei häufig um die Themen Unterhalt, Besuchsrechte der Kinder, Urlaubszeiten, aber auch um Alltagsfragen, was die Kinder essen oder wie viel Fernsehen geguckt werden darf. Die Streitgeschichte zieht sich dabei meistens über Jahre und wird in vielen Fällen befeuert durch die jeweiligen Anwälte. Beratung und Mediation sind dann eine letzte Chance, gemeinsam eine Vereinbarung zum Umgang mit den Kindern zu finden, bevor das Gericht ein Urteil fällt.

Beratungsprozesse bei hochstrittigen Elternpaaren führen selten zu einem schnellen Einvernehmen und erfordern von den Beratern ein besonderes Maß an Empathie und Geduld. „Der Druck von allen Seiten auf die Beraterinnen und Berater ist hoch. Alle Beteiligten verstehen oft nicht, warum es nicht zu einer schnellen Lösung kommt“, meint Jan Wingert, Leiter der Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung der Evangelischen Kirche von Westfalen und Referent für Familienberatung bei der Diakonie RWL. Manchmal würden Elternpaare auch unbewusst an den Konflikten festhalten, denn wenn man eine gemeinsame Lösung finde, dann sei man wirklich getrennt. Vorwürfe wie „Du hast zu viel Alkohol getrunken“ oder „Du hast Dich an den Kindern vergangen“, hören die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Beratungsstellen häufig.

Was können evangelische Beratungsstellen tun?

Bild: Melanie Klaus

Melanie Klaus

Zunächst versuchen die Beratungsfachkräfte, zu jedem Elternteil eine eigene Beziehung aufzubauen. „Das ist ein hartes Stück Arbeit, denn die zerstrittenen Elternpaare haben nicht erst seit zwei Wochen Probleme. Die Eltern können manchmal nicht im gleichen Wartezimmer sitzen“, berichtet Melanie Klaus, Referentin für Schwangerenberatung in der Diakonie RWL. Mehr als fünf Fälle pro Woche können auch erfahrene Beratungsfachkräfte nicht begleiten. Denn die Beraterinnen und Berater erleben die hochstrittigen Elternpaare permanent in einer Art Kampfsituation und werden in den Konflikten zum Teil selbst attackiert. Sie benötigen immer eine begleitende Supervision. Um Erfolge zu erzielen, müsse man kleinschrittig vorgehen: Wie regeln wir das nächste Wochenende? Wer holt wen wann ab? Was essen die Kinder in der Zeit? „Da kann es dann schon mal passieren, dass das eine Elternteil zum anderen sagt, wenn sie bei mir so viel Obst essen sollen, dann ziehe ich Dir die Kosten vom Unterhalt ab“, weiß Melanie Klaus. Und nach dem Wochenende wird beim nächsten Termin in der Beratungsstelle reflektiert: Wie war es? Was hat geklappt und was nicht? Bei solchen Gesprächen machen die Beraterinnen und Berater keine Vorschläge, sondern die Elternpaare müssen selbst miteinander zu einer Vereinbarung kommen. Auch die kleinsten Regelungen sind letztlich ein Baustein zum Erfolg.

Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und die Hauptstelle für Familienberatung der evangelischen Kirche von Westfalen beraten und begleiten die diakonischen Beratungsstellen zu diesem Thema. Am 3. März fand eine Fachtagung zum Thema „Hochstrittige Elternpaare in der Beratung“ statt.

Ansprechpartner bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe:

Jan Wingert
Referent für Familienberatung
Telefon: 0251 2709-220
Telefax: 0251 2709-55221
j.wingert@diakonie-rwl.de

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