12. Februar 2015

Frühe Hilfen

Unterstützung für junge Familien

Wenn ein Kind geboren wird, dann ist für die Eltern erst einmal alles neu. Familien mit kleinen Kindern brauchen Unterstützung. Die „Frühen Hilfen“ – gemeint sind lokale und regionale Hilfsangebote für Eltern und Kinder – helfen Familien von Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren einfach und unkompliziert. Wie diakonische Angebote und Netzwerke dieses Angebot unterstützen können, war Thema einer Fachtagung der Diakonie RWL in Münster.

Was die Familie braucht

Frühe Hilfen fragen danach, was die Familie braucht. Die Frühen Hilfen zielen darauf ab, Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig zu verbessern. Neben alltagspraktischer Unterstützung wollen „Frühe Hilfen“ insbesondere die Beziehungs- und Erziehungskompetenz von werdenden Müttern und Vätern fördern.

Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung und das Entstehen des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen haben  dazu geführt, dass seit 2012 177 Millionen Euro zusätzlich investiert wurden in die Förderung der Frühen Hilfen in den Kommunen sowie die Schaffung von Modellprojekten  und den Wissenstransfer. „Wie so oft haben Fördergelder auch hier nur für die Koordinierung der Netzwerke in den Kommunen, nicht aber für die Mitarbeitenden in den Netzwerken selbst ausgereicht wie zum Beispiel die Familienhebammen oder gar die Förderung von Ehrenamtsprojekten. Dennoch sind die `Frühen Hilfen´ sicherlich ein Erfolgsmodell, da sie gemeinsame Angebote von Gesundheitshilfe und Jugendhilfe schaffen, die Kooperationen von Kliniken, Beratungsstellen und Handlungsfeldern miteinander verknüpfen“, so Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe auf der Fachtagung.

Zum Beispiel: Begrüßungsbesuch im Krankenhaus

Am 1. Juli 2014 hat die zweite Förderphase der Bundesinitiative „Frühe Hilfen“ begonnen und sie wird bis Ende 2015 andauern. Die bisherige Förderperiode der Bundesinitiative „Frühe Hilfen“ hat seit Januar 2012 bereits tragfähige Strukturen geschaffen, wie Familienhebammen, Einsatz von Ehrenamtlichen oder die Angebotsvermittlung in Geburtskliniken. Die nächsten eineinhalb Jahre sollen deshalb den Fokus auf neue Zielgruppen und Netzwerkpartner richten. „Wir möchten die Ansprache und den Zugang zu Familien verbessern, sie noch früher erreichen und vermitteln, dass es normal ist, dass man mit kleinen Kindern Unterstützung benötigt“, so Jörg Backes vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen in Köln. Hilfe in Anspruch zu nehmen dürfe kein Stigma sein. Besonders gute Erfahrungen hat man zum Beispiel mit Baby-Willkommensbesuchen in Krankenhäusern gemacht. Bei der Diakonie Wuppertal hat sich dieses Angebot „Früher Hilfen“ mittlerweile etabliert. Der Begrüßungsbesuch im Krankenhaus ist eine Hilfe, die nicht aus einem Defizit heraus geboren sei, die Eltern hätten noch keine Fehler gemacht, alles werde wertgeschätzt, so Beate Lampenscherf von der Diakonie Wuppertal.

Netzwerke brauchen Ergebnisse und Erfolgserlebnisse

Eine große Chance der Frühen Hilfen liegt in der Vernetzung vielfältiger Unterstützungssysteme. Familien können mit den Informationen, die sie erhalten, selbstbestimmt ihren Weg innerhalb des Hilfenetzes gehen. So bauen sich Familien ihre eigenen Brücken zum Gesundheitssystem, zur Jugendhilfe, zur Familien- und Erwachsenenbildung. Dabei sollen Regelsysteme wie Kindergärten, Kinderärzte, Familienbildungseinrichtungen, Beratungsstellen und Hilfen zur Erziehung im Netzwerk der Frühen Hilfen im Blick und aktiv eingebunden sein. Das Präventionsprogramm „Frühe Hilfen“ biete die Möglichkeit dem „Unwohl-Gefühl“, wir kommen immer zu spät“, entgegenzuwirken, so Regine Müller von der Fachberatung Frühe Hilfen des Landschaftsverbandes Rheinland. Netzwerke bräuchten eine gemeinsame Vision und würden nur funktionieren, wenn Leute dafür brennen, realistische Teilziele hätten und über politische Beschlüsse verfügten. Netzwerke bräuchten Ergebnisse und Erfolgserlebnisse.

Politische Forderungen

In allen Kommunen sind in den letzten Jahren Angebote der „Frühen Hilfen“ entstanden; die meisten davon in der Verantwortung Freier Träger. Durch die umfangreichen Forschungsarbeiten des Nationalen Zentrums wurde seitdem immer deutlicher, wie wichtig und erfolgreich diese Angebote sind. Dennoch warten die Träger bis heute auf eine Klärung der politischen Entscheidungsträger in Kommunen, Ländern und Bund, welche Ebene verantwortlich für diese Arbeit ist. Mit Blick auf die gerade entstehenden Präventionsgesetze des Landes NRW und der Bundesregierung fordert die Diakonie die Schaffung von Handlungssicherheit durch eine stärkere Rechtsstellung der Frühen Hilfen. Bis dahin sind vor allem die Kommunen gefordert, durch die Aufstellung kommunaler Präventionsbudgets dafür zu sorgen, dass die Frühen Hilfen konsolidiert und weiterentwickelt werden können.

Ansprechpartner bei der Diakonie RWL:

Dr. Remi Stork
Referent für Familienpolitik und Grundsatzfragen der Jugendhilfe
Geschäftsführer der Evang. Aktionsgemeinschaft für Familienfragen Westfalen-Lippe

Telefon: +49 251 2709-230 / Telefax: +49 251 2709-902
r.stork@diakonie-rwl.de

Melanie Klaus
Referentin für die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung
Hauptstelle für Familienberatung der EKvW in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e.V

Telefon:  +49 251 2709-250    Fax: +49 251 2709-902
Mail:  m.klaus@diakonie-rwl.de

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