9. August 2016

Hilfe für junge Mütter

Starke Stütze in Lebenskrisen

Wie schwierig die persönliche Situation auch sein mag, junge Frauen wollen meist selbst für ihr Kind sorgen. Wenn aber die eigene Familie als Unterstützung ausfällt oder gar eine Belastung ist, wird die Jugendhilfe beauftragt. Das Simonette-Fliedner-Haus der Kaiserswerther Diakonie gehört zu den wenigen Einrichtungen, die Plätze für junge Mütter anbieten.

Bezugsbetreuerin Sevtap Selvi unterstützt die Mütter (Foto: Frank Eschner/Kaiserswerther Diakonie )

Sieben Plätze für Mütter und ihre Kinder gibt es im Simonette-Fliedner-Haus – dem Haupthaus der Mutter-Kind Einrichtung. Seit 2009 werden dort Schwangere und Mütter mit ihren Kindern betreut, bei denen die Problembelastung im Herkunftsmilieu hoch ist, oder bei denen die Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen ihrer Kinder eine hohe Hürde sind.

Drei weitere Wohnungen stehen im sogenannten Verselbstständigungshaus gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite zur Verfügung. Wer dort einzieht, der ist quasi schon auf dem Sprung in die Eigenverantwortung – als Frau, als Mutter, als Berufstätige, als selbstständiger Mensch. Katja S. beispielsweise. Mit ihrem einjährigen Sohn Lukas lebt sie dort in einer 2-Zimmer-Wohnung – mit zwei weiteren Müttern und deren Kindern teilt sie sich die große Gemeinschaftsküche, das Bad und auch den Garten. "Wer Nähe möchte, findet diese. Und wenn man mal keine Lust auf andere hat, dann ziehen Lukas und ich uns in unsere Wohnung zurück", beschreibt die junge Frau ihr WG-Leben im Verselbstständigungshaus.

Selbstständigkeit fördern, Selbstbewusstsein stärken

Zufrieden, freundlich und glücklich wirkt der Einjährige. Katja S. versorgt ihren kleinen Sohn eigenständig, wickelt ihn, kocht für ihn. Darüber freut sich Erzieherin Sevtap Selvi. Die 24-Jährige ist feste Ansprechpartnerin seitens der Mutter-Kind Einrichtung für Katja S. "Bezugsbetreuerin" heißt das im Fachjargon der Jugend- und Familienhilfe. In enger Absprache mit dem Düsseldorfer Jugendamt begleitet sie Katja S. etwa bei Behördengängen oder sucht mit ihnen eine eigene Wohnung. "Was in Düsseldorf derzeit kein einfaches Unterfangen ist - erst recht, wenn unsere Frauen mit ihren Biografien sich bei Vermietern vorstellen. Da gibt es reichlich Skepsis", schildert Sevtap Selvi Szenen ihrer Arbeit.

Die mit 24 Jahren ebenfalls noch junge Bezugsbetreuerin siezt Katja S. "Das ist bei uns so üblich. Andere Mutter- Kind-Einrichtungen mögen das anders handhaben. Aber wir haben damit gute Erfahrungen gemacht", betont sie. "Es schafft eine notwendige Distanz und vielleicht auch etwas Respekt." Katja S. sei schon nach gut einem Jahr so weit, wieder den Schritt "nach draußen" zu wagen. "Andere Klientinnen benötigen da länger, um genügend Selbstwertgefühl zu entwickeln, damit sie alleine und unabhängig leben können."

Verantwortung für das Kind übernehmen

Wichtig ist nach Ansicht der Erzieherin, dass die jungen Mütter im Alter von 16 bis 37 Jahren lernen, sich verantwortungsvoll um ihre Kinder zu kümmern. "Die Kinder im Alter bis zu sechs Jahren gehören zu geregelten Uhrzeiten ins Bett. Benötigen ihr Mittagessen. Auch das vermitteln wir hier", so Selvi.

Bei Katja S. beginnt der Tag bereits um 5.30 Uhr. Frühstück, Duschen, Wickeln – all das steht auf dem Programm. Dreimal wöchentlich geht sie zur Volkshochschule. Dort holt die 22-Jährige ihren Realschulabschluss nach. Lukas kann sie mitnehmen. "Es gibt dort einen Kinderhort, das ist klasse." Das Ziel der jungen Mutter: "Mit Lukas bald eine eigene Wohnung finden. Eine Ausbildung zur IT Systemelektronikerin zu starten. Und vielleicht einen netten Mann kennenzulernen, der gut zu uns beiden ist." Denn Lukas soll kein Einzelkind bleiben.

Ausstieg aus dem alten Leben

Seit August 2015 lebt Katja S. in der Mutter-Kind-Einrichtung. Im Juni zuvor hatte die junge Frau den Vater ihres Sohnes verlassen. "Weil dieser ständig wegen seiner Drogensucht aggressiv wurde", erzählt sie offen über ihr vorheriges Leben. "Ich hatte und habe Angst, meine negativen Gefühle gegenüber dem Vater auf meinen Sohn zu übertragen. Daher habe ich Hilfe gesucht." Erst flüchtete Katja S. ins Frauenhaus. Dann war ein Platz im Simonette-Fliedner-Haus frei. Mit dem Schlussstrich unter die Beziehung zu dem Techno-DJ hat sie auch alle Bindungen zu früheren Freunden oder Bekannten beendet. "Das ist gut so. Damit möchte ich nichts mehr zu tun haben. Auch für Lukas ist das besser so."

Der kleine Junge mit den kupferblonden Haaren hat gerade laufen gelernt. Ein Jahr ist Lukas jetzt alt – und seine blauen Augen gucken aufgeweckt und neugierig durch die Welt. Katja S. ist eine fürsorgliche Mutter. "Nix passiert, Schatz", sagt sie lächelnd, als ihr Sohn bei den noch staksigen Laufversuchen mal auf den Hosenboden fällt. Lukas sieht das genauso und lächelt zurück.

Text: Dagmar Dahmen/Kaiserswerther Diakonie

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
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