27. Juli 2016

Freiwilligendienst in Nicaragua

Jetzt wird’s ernst!

In diesem Jahr bietet die Diakonie RWL erstmals ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Nicaragua an. Dafür wurden in den vergangenen Monaten fünf junge Menschen ausgewählt und intensiv auf ihren Aufenthalt und ihre Tätigkeit in verschiedenen Projekten vorbereitet. Jetzt sind sie reisefertig. Kurz vor ihrem Abflug geben die fünf und ihre Betreuer nochmals Einblicke in ihre Motivation, ihre Wünsche und Hoffnungen.

Für Fleur Dengler, Lara Friede, Finn Hermeling, Lea Köhler und Anna Scheulen läuft der Countdown: in wenigen Tagen fliegen die Freiwilligen nach Managua, wo sie dann Fachkräfte bei deren Arbeit unterstützen. So wird etwa Lara in Jugendzentren eingesetzt, um dort mit Sport- und Kulturangeboten Gewalt vorzubeugen, Anna arbeitet mit behinderten Jugendlichen. Gemeinsam ist allen Projekten, in denen die fünf Jugendlichen tätig sein werden, dass sie sich an Menschen richten, die es im ohnehin komplizierten nicaraguanischen Alltag schwer haben. Gerade dieser Aspekt hat alle Teilnehmer bewogen, sich für das FSJ in Nicaragua zu bewerben.

 

Mehr als nur ein Auslandsaufenthalt

„Freiwillige in gespannter Vorfreude am letzten Seminartag“
(v.l.n.r.: Lara Friede, Fleur Dengler, Anna Scheulen, Finn Hermeling, Lea Köhler)

„Ich wollte nach der Schule längere Zeit ins Ausland, aber nicht als Aupair oder mit work & travel, sondern ich möchte dabei gern etwas Sinnvolles tun und da bin ich auf das Diakonie-Angebot gestoßen“, sagt Fleur, die in einem Kinderprojekt arbeiten wird. Auch Lea war es wichtig, dass ihr Aufenthalt einen Nutzen für die Gastnation hat. Finn möchte gern erfahren, wie andere Menschen leben und wie er ihnen möglicherweise helfen kann – auch später, wenn er wieder zuhause ist. Der Wunsch, sich ausgerechnet in einem lateinamerikanischen Land zu engagieren, kommt übrigens nicht von ungefähr: allen fünf FSJlern war klar, dass gerade in Zentralamerika Ungerechtigkeit und Armut besonders stark ausgeprägt sind und Hilfe nötig ist.

"Seminarprogramm"

Die Seminare, in denen sie auf ihren Einsatz vorbereitet wurden, analysierten u.a.  die wirtschaftlich-politische Situation Nicaraguas als Folge des Kolonialismus und verdeutlichten die Notwendigkeit entwicklungspolitischer Maßnahmen. Natürlich ging es in den Veranstaltungen auch um Landeskunde, Teambuilding, Kommunikation, alltagspraktisches Wissen oder interkulturelles Lernen. Nina Lübbermann und Sebastian May, Referenten der Diakonie RWL, die die Seminare konzipiert und auch selbst gestaltet haben, sind kurz vor der Abreise ihrer Schützlinge zufrieden: „Die Gruppe hat sich im Lauf der Zeit gut entwickelt und zueinander gefunden“, sagt May, und seine Kollegin ergänzt: „Ich glaube, wir haben die richtigen Bewerber ausgesucht. Sie sind individuell fit und harmonieren auch als Gruppe.“

Scheiden tut weh

„Teamspirit“
(v.l.n.r. Sebastian May, Anna Scheulen, Fleur Dengler, Lara Friede, Lea Köhler, Finn Hermeling, Nina Lübbermann).

Anna, Finn, Fleur, Lara und Lea wirken erwachsen, reif und machen sicherlich ihren Weg – für ihre Eltern, Angehörige und Freunde ist es aber noch gewöhnungsbedürftig, dass sie demnächst ein Jahr lang nur eingeschränkten Kontakt zu ihnen haben können. Annas Eltern z.B. konnten den Wunsch ihrer Tochter zwar verstehen und freuten sich über die Chancen, die sie durch ihren Einsatz haben würde, aber als die Bestätigung kam, dass sie mitfahren kann, waren sie doch zurückhaltend. Sie baten Anna, sich die Entscheidung genau zu überlegen. Damit auch die Eltern wissen, wie ihre Kinder in Nicaragua leben und arbeiten, wurden sie zu einem gemeinsamen Info-Tag eingeladen. „Neben der reinen Informationsvermittlung war es natürlich von Vorteil, dass die Eltern sich untereinander sowie die anderen Teilnehmer und deren Projekte kennengelernt haben. Dadurch ist nicht nur die Akzeptanz, sondern auch der Zusammenhalt gewachsen.“, bilanziert Nina Lübbermann diese Veranstaltung.

Der gute Zusammenhalt stärkt auch die Jugendlichen, die es als angenehm empfinden, auch in Nicaragua als Gruppe organisiert zu sein. Zwar sind Lara, Anna und Lea bei Gastfamilien untergebracht, während Finn und Fleur in einer WG wohnen, aber prinzipiell werden sie während der gesamten Zeit miteinander in persönlichem Kontakt sein. Und für alle erdenklichen Fälle steht in Managua auch eine einheimische Mentorin als unmittelbare Ansprechpartnerin zur Verfügung.

„Referenten“
(Sebastian May und Nina Lübbermann)

Für die beiden Diakonie-Referenten sind die fünf Freiwilligen so etwas wie erste Botschafter der Diakonie. Falls sich ihr Einsatz bewährt, darf die Diakonie im kommenden Jahr 20 Freiwillige nach Nicaragua senden. „Es wäre ein schöner Erfolg, wenn wir unsere Arbeit in Nicaragua dann in größerem Stil fortsetzen könnten“, sagt May. Für ihn war daher wichtig, dass die Freiwilligen sich mit der Diakonie und ihren Werten identifizieren: „Wir sehen daher das Vorhaben nicht nur aus der Entsender-Perspektive, sondern haben die Bewerber auch konkret gefragt, ob sie für uns nach Nicaragua gehen wollen“.

Tue Gutes und rede darüber!

Zum Engagement der Jugendlichen für ihre Arbeit in Nicaragua gehört auch, dass sie sich an der Finanzierung des Aufenthalts beteiligen, indem sie einen Spenderkreis organisieren. Die Spender kommen meist aus den Kirchengemeinden, denen die Freiwilligen angehörigen. Die Begünstigten informieren ihre Spender während ihres Einsatzes mit kurzen Berichten über ihre Aktivitäten. Finn, der irgendwann mal Informatik studieren möchte, hat dazu den Blog „www.hola-nicaragua.de“ eingerichtet, um aktuelle Neuigkeiten verbreiten zu können. Daneben will er regelmäßig Berichte für den Gemeindebrief beisteuern. Aber jetzt heißt es erst einmal: Auf nach Managua!

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