1. Juli 2015

Sommergespräch mit Diakonie-Reiseleiter Jörg Lange

„Wir fördern Gemeinschaft auf Zeit“

Sommerzeit ist Reisezeit. In der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe gibt es viele Einrichtungen und Angebote, die für Erholung, Spaß und Gemeinschaft in der Ferienzeit sorgen. Jede Woche stellen wir nun im Gespräch ein gutes Beispiel diakonischer Hilfen vor. Unter dem Motto „Ferien für die Seele“ organisiert Religionspädagoge Jörg Lange vom Diakonischen Werk im Kirchenkreis Herford Senioren- und Familienfreizeiten sowie Studienreisen. Mit Erfolg. Die Nachfrage ist hoch.

Jörg Lange Porträt

Jörg Lange

Seit zwanzig Jahren organisieren und leiten Sie die Freizeiten des Diakonischen Werkes. Jetzt wandern Sie gerade wieder mit Familien in Südtirol. Freut man sich als professioneller Reiseleiter eigentlich noch auf die Ferien?

Ich finde es jedes Mal spannend, eine Freizeit oder Studienfahrt zu leiten. Jede Reisegruppe ist für mich eine Wundertüte. Wir haben zwar mittlerweile einen festen Stamm von Teilnehmern, die regelmäßig mit uns verreisen, und auf die ich mich freue, aber es kommen immer auch neue Leute dazu, so dass jede Reisegruppe ihre Besonderheit für mich hat. Außerdem liebe ich die Berge und das Meer und genieße es daher, in einer schönen Gegend unterwegs zu sein. Auch als Reiseleiter empfinde ich durchaus ein Urlaubsgefühl.

Mittlerweile gibt es einen riesigen Markt an Reiseanbietern. Was ist das Besondere an den Reisen der Diakonie?

Ich sehe unsere Stärke ganz klar in der christlichen Gemeinschaft. Ob es sich um Senioren- und Familienfreizeiten oder um Studienreisen handelt - wir achten als Reiseleiter immer darauf, dass sich niemand ausgeschlossen und alleine fühlt, sondern eine Gemeinschaft entsteht. Das beginnt schon bei der Anreise mit dem Bus und endet am Abend, wenn wir noch bei einem Glas Wasser, Wein oder Bier zusammensitzen und den Tag Revue passieren lassen oder etwas spielen. Natürlich kann jeder Reiseteilnehmer auch mal alleine unterwegs sein und sich zurückziehen, wenn er das braucht. Aber unser Ziel ist es, dass wir als Gruppe zu einer Freizeitgemeinschaft zusammenwachsen. Und dazu gehört für mich auch, dass es täglich eine Andacht gibt.

Die Diakonie bietet auch Reisen für Menschen mit Behinderungen, für Demenzkranke und deren Angehörige an. Wie bereitet man eine solche Fahrt vor, damit sie für alle Beteiligten auch entspannt und schön wird?

In unserer Diakonie organisieren wir keine speziellen Reisen für Menschen mit Behinderungen oder Demenzkranke, wie es sie in anderen Werken gibt. Aber wir klären im Vorfeld einer Reise, ob sich das Haus für einen Rollstuhlfahrer eignet. Dann kann er gerne mit auf die Seniorenfreizeit fahren. Wir haben auch schon Senioren mit Demenz dabei gehabt. Allerdings muss dann ein Betreuer, etwa der Ehepartner, mit fahren. Unsere Gruppen sind ohnehin bunt gemischt, deshalb finden Menschen mit Behinderungen dort auch ihren Platz.

Wie stellen Sie die Gruppen zusammen?

Unsere Reisegruppen spiegeln die Vielfalt der Gesellschaft. An unseren Familienfreizeiten nehmen Familien mit Kindern im Alter von einigen Monaten bis 18 Jahren, Alleinerziehende, finanziell besser und weniger gut gestellte Familien, Eltern mit und ohne Abitur teil. Es sind Protestanten, Katholiken und auch Muslime dabei. Diese Vielfalt macht für mich den Reiz einer Freizeit aus.

Welche Situationen sind für Sie als Reiseleiter eine besondere Herausforderung?

Auf den Familienfreizeiten kommt es gerade unter Kindern und Jugendlichen, manchmal aber auch unter den Eltern zu Konflikten. Da bin ich dann als Streitschlichter gefragt. In der Regel lässt sich ein Konflikt aber recht schnell wieder beilegen. Wenn ich mit Senioren reise, habe ich oft Sorge, dass ein Teilnehmer sich verletzt oder krank wird. Es ist immer aufregend, wenn jemand in die Klinik am Urlaubsort oder womöglich von einer Insel aufs Festland begleitet werden muss. Einen Todesfall habe ich zum Glück in meiner langjährigen Tätigkeit als Reiseleiter nur einmal erlebt.

Wie hat sich das Reisen in den vergangenen zwanzig Jahren verändert? Was müssen Sie heute anders machen als Reiseleiter?

Die Ansprüche an Unterkunft und Verpflegung sind heute höher. Vor allem die Senioren legen großen Wert auf ein eigenes Zimmer mit Dusche und Bad. Der Strand sollte meist auch nicht zu weit vom Hotel entfernt sein. Gleichzeitig sollen auf unsere Freizeiten aber auch Familien und Senioren mitfahren können, deren Geldbeutel nicht so prall gefüllt ist. Es ist für uns als Reiseanbieter nicht immer leicht, solche Häuser zu finden.

Welche Reisen werden besonders stark nachgefragt? 

Die Seniorenfreizeiten machen schon seit zwanzig Jahren den Großteil unseres Angebots aus. Die klassischen Erholungsreisen, die wir für ältere Menschen und Familien anbieten, gehen an die Nord- und Ostsee oder in die bayerischen Alpen. Dass ich jetzt mit einer Familien-Wandergruppe in Südtirol unterwegs bin, ist eher ungewöhnlich. Wir bieten seit gut fünf Jahren aber auch Studienreisen nach Portugal, Malta, Irland oder in den Westen der Türkei an. Diese Reisen werden zunehmend von Menschen ab 50 Jahren nachgefragt. Jährlich fahren bei uns rund 600 Menschen auf die 25 Reisen, die wir anbieten. Wir haben knapp acht Prozent mehr Teilnehmende als im Vorjahr.

Haben Sie nach all den Reisen, die Sie schon organisiert haben, eigentlich noch ein Traumziel?

Ich würde sehr gerne mit einer Gruppe zu einer Studienreise nach Island aufbrechen. Dort war ich vor einigen Jahren und dieses Land hat mich fasziniert, aber es ist leider auch sehr hochpreisig. Doch man könnte von Herford nach Island auch eine wunderbare historische Brücke schlagen. Der erste isländische Bischof, der dort vor gut 1.000 Jahren lebte, soll in Herford Stiftberg ausgebildet und in Bremen eingesegnet worden sein. Wenn das keine gute Basis für eine Studienreise ist!

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

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