20. Mai 2015

Kita-Streik

Erzieher brauchen mehr Wertschätzung

Bildung, Sprachförderung, Stärkung sozialer Kompetenzen – die Ansprüche an den Erzieher- und Sozialarbeiterberuf sind hoch, doch Anerkennung und Bezahlung könnten besser sein. Der derzeitige bundesweite Streik im Sozial- und Erziehungsdienst um mehr gesellschaftliche Wertschätzung und eine angemessene Entlohnung ist nach Ansicht der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe daher nachvollziehbar. „In den Kitas und der sozialen Arbeit werden Grundlagen für Chancengleichheit in unserer Gesellschaft gelegt“, betont Vorstand Christian Heine-Göttelmann.

Ein bisschen spielen, singen, basteln und dann mittags nach Hause gehen, diese Zeiten sind für Erzieherinnen und Erzieher schon lange vorbei. Die Kindergärten haben sich zu Kindertagesstätten gewandelt, in denen Kinder nicht nur betreut, sondern auch gefördert werden. Seit dem Sommer 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Platz für Kinder unter drei Jahren. Die meisten Kitas sind unterbesetzt, laut einer Bertelsmann-Studie fehlen bundesweit rund 120.000 Erzieherinnen und Erzieher.

Anspruchsvolle Ausbildung

Erzieherinnen und Erzieher müssen den Kleinkindern gerecht werden und gleichzeitig die älteren Kinder fit für die Schule und fürs Leben machen. Ein hoher Anspruch, der sich weder im Gehalt noch in der gesellschaftlichen Wertschätzung des Berufs ausdrückt. Gut fünf Jahre dauert die Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher, für die Kitaleitung wird immer häufiger ein Studium vorausgesetzt.

Ähnlich geht es den Sozialpädagogen und Sozialarbeitern, die in Werkstätten für junge Menschen mit Behinderungen, in Jugendzentren, offenen Ganztagsschulen oder Heimen arbeiten. Auch sie haben ein mehrjähriges Studium absolviert und werden oft nicht entsprechend ihrer anspruchsvollen Aufgabe bezahlt. Dabei wird die soziale Arbeit angesichts zunehmender Kinderarmut und Perspektivlosigkeit von Jugendlichen gesellschaftlich immer bedeutsamer. Auch viele Sozialarbeiter beteiligen sich an den bundesweiten Streiks.


Finanzierungslücke schließen

Die Forderung nach einer besseren Bezahlung sei für beide Berufsgruppen berechtigt, betont die Erziehungsexpertin der Diakonie RWL, Helga Siemens-Weibring. Allerdings bringe sie kommunale Träger und freie Träger wie Diakonie und Kirche in große Schwierigkeiten. „Für die Finanzierung der Kitas und der sozialen Arbeit brauchen wir dringend andere Finanzierungsmodelle.“

Die Diakonie RWL fordert daher die Bundesregierung und das Land NRW auf, die kommunalen und freien Träger nicht alleine zu lassen. „Wir alle wollen das Beste für unsere Kinder und die Zukunft unseres Landes, deshalb brauchen wir gut ausgebildetes, fair bezahltes und wertgeschätztes Erziehungspersonal“, so Siemens-Weibring. „Das müssen wir gemeinsam möglich machen.“ Es dürfe nicht sein, dass die Lücke zwischen dem, was Bund und Land tragen, und den Kosten der freien Träger immer größer werde, kritisiert die Erziehungsexpertin.

In NRW sind Diakonie und Kirche Träger von rund 1.500 Kitas. Insgesamt gibt es nach Daten des Statistischen Landesamtes aus dem vergangenen Jahr knapp 9.500 Kitas in NRW, mehr als drei Viertel werden in freier Trägerschaft betrieben. Die Gewerkschaften fordern für die Erzieherinnen und Erzieher sowie die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter eine bessere tarifliche Eingruppierung, die durchschnittlich zehn Prozent mehr Einkommen entspricht. Eine Erzieherin mit achtjähriger Tätigkeit, die derzeit durchschnittlich 2.946 Euro monatlich verdient, soll nach Vorstellung der Gewerkschaften künftig 3.387 Euro brutto im Monat bekommen.

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