26. Februar 2014

Männer in Kitas

Allein unter Frauen

Männer sind als Erzieher in Kitas meistens Einzelkämpfer und allein unter Frauen. Aber auch unter Männern ist der Austausch wichtig. Deshalb trafen sich am 13. und 14. Februar männliche Erzieher in Mülheim an der Ruhr, um ihren Berufsalltag zu reflektieren. Organisiert wurde die Fachtagung „Irgendwie anders – Männer in Kitas“ von den Männerarbeiten der rheinischen und westfälischen Kirche, dem Fachverband für Kitas in Westfalen-Lippe (evta) und dem Rheinischen Verband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder.

Video Interview unter: https://www.youtube.com/watch?v=MdV1XUOClCg

„Dass manche Frauen alles ausdiskutieren, nervt manchmal“

Die Zahl der männlichen Erzieher in Kitas steigt langsam aber kontinuierlich. In Deutschland lag der Anteil der männlichen Erzieher im Jahr 2012 bei drei Prozent. Es ist schwierig, männliche Erzieher nach ihrer Ausbildung in der Kita zu halten. Viele wandern schnell ab in die Heimerziehung, in der deutlich mehr Männer arbeiten, auch weil die Bezahlung durch Wochenend- und Nachtzuschläge besser ist.

In den Workshops wurde deutlich, dass Männer Situationen in der Kita manchmal anders bewerten und entsprechend anders reagieren. Toben und Kämpfen in der Turnhalle sei bei Erziehern eher üblich als bei Erzieherinnen. Auch dürfe es mal ein bisschen lauter werden. Kinder machten mit Männern eher Quatsch und könnten besser Spinnen einfangen. Da gebe es dann manchmal auch bevormundende Blicke von Kolleginnen, so ein Teilnehmer. Der Hang zum Ausdiskutieren bei Teamsitzungen sei für Männer oft nervig. Männer und Frauen hätten eben unterschiedliche Kommunikationsstile. Gleichzeitig müsse man aber auch aufpassen, dass man als Mann nicht immer der wäre, der die Tische schleppen muss. Das könnten Frauen auch.

Oft gibt es auch die Erwartungshaltung, dass als Mann endlich mal jemand da ist, der auf den Tisch hauen kann. Jürgen Haas von der westfälischen Männerarbeit wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es für die Mitarbeitenden in einer Kindertageseinrichtung wie auch für den einzelnen Erzieher oftmals nicht leicht sei sich diesen Rollenklischees zu widersetzen und neue Formen des Miteinanders zu kultivieren. Auch seien männliche Erzieher für die Mädchen wichtig, gerade wenn Familien getrennt leben seien Erzieher wichtige Vorbilder.

Zerbrechende Familien

 „Die Konflikte zwischen Erziehern und Erzieherinnen in der Kita haben auch viel damit zu tun, dass in der Kita letztlich Familie gelebt werde von Frühstück über Mittagessen bis zum Wickeln. Zu Hause streitet man sich ja auch um die Kindererziehung. In dem Moment, wo ein Mann auftaucht, wird das ganze Feld neu gemischt“, so Sabine Prott, Referentin der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Aber in der Kita habe ja niemand die Vater- oder Mutterrolle, alle hätten die gleiche Rolle. An dem Spannungsverhältnis könne man wachsen.

Professor Dr. Matthias Franz von der Universität Düsseldorf wies in seinem Vortrag zur Bedeutung frühkindlicher Bindungen darauf hin, dass die Entwicklung von Jungen komplexer und störungsanfälliger sei als die von Mädchen. Sie litten häufiger an psychosomatischen Beschwerden. Ein größerer Bewegungsdrang sei angeboren. „Jungen sind unruhiger vor dem Hintergrund zerbrechender Familien“, so Franz.

Das Fazit der Teilnehmer: Männer brauchen Reflexionsmöglichkeiten wie diese Tagung und den Austausch mit anderen Männern, um Anregungen zu erhalten und als Männer in diesem Berufsfeld neue Perspektiven zu entwickeln. Nur so kann es auf Dauer gelingen, dass sich möglichst viele Männer in diesem wichtigen Arbeitsfeld engagieren.

Video Interview unter: https://www.youtube.com/watch?v=MdV1XUOClCg

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