22. Juli 2015

Kita-Leiterin Sabrina Möhler

Von Fortbildungen profitieren

Sabrina Möhler ist Leiterin des Ev. Luther-Kindergartens und Familienzentrums in Recklinghausen. Sie hat an einer Langzeitfortbildung für Leiterinnen von evangelischen Kitas teilgenommen, die vom Evangelischen Fachverband der Tageseinrichtungen für Kinder in Westfalen und Lippe (evta) organisiert wurde. Denn eine Ausbildung zur Kita-Leiterin gibt es nicht.  Im Interview erzählt Sabrina Möhler, was sie in der Fortbildung zu diesen Themen für die Praxis gelernt hat.

Sabrina Möhler

Sabrina Möhler

Was muss eine gute Kindergartenleiterin alles können?

Ich denke, eine gute Leitung sollte gut mit dem Team zusammenarbeiten können. Mir ist Mitbestimmung, Transparenz und ein vertrauter Umgang mit den Mitarbeitern, Kindern und Eltern sehr wichtig. Die Leitung lenkt und moderiert. Dabei sollte sie empathisch sein. Die Ziele der Einrichtung sollten gemeinsam mit dem Träger und dem Team entwickelt und gelebt werden.

Was haben Sie in der Weiterbildung alles gelernt, was Ihnen jetzt in der Praxis weiterhilft?

Mir fällt es jetzt leichter, eine klare Positionierung einzunehmen. Ich habe gelernt, besser anzuleiten, anzuweisen, zu delegieren und Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen. Die verschiedenen Handwerkszeuge und Handlungsstrategien erleichtern meine Arbeit insbesondere in Konfliktsituationen. Das hilft mir in meinem Alltag als Kita-Leiterin weiter. Zudem erhielten wir einen tiefen Einblick in die Strukturen und Handlungsfelder der evangelischen Kirche und ihrer Netzwerke, die wir für unsere Praxis nutzen können. Die Weiterentwicklung von Qualität in unserer Einrichtung treibe ich jetzt noch stärker voran. Hierzu begeben wir uns zum Ende des Jahres gemeinsam als Team auf den Weg zur Zertifizierung für das evangelische BETA-Gütesiegel. Dies gibt uns die Möglichkeit, unsere pädagogische Arbeit und die eigene Haltung noch differenzierter zu reflektieren. Im Allgemeinen denke ich, dass alle Fortbildungsteilnehmer von den erworbenen Kompetenzen zu den Themen Haltung, Fachlichkeit, Management und Ethik profitieren.

Was muss man als Kita-Leiterin können, was man nicht in Weiterbildungen lernen kann?

Haltung, Empathie und eine gute Feedback-Kultur sollte man mitbringen. Nur dann funktioniert eine erfolgreiche Zusammenarbeit, um auf die einzelnen Herausforderungen, die uns im pädagogischen und zwischenmenschlichen Alltag begegnen, professionell reagieren zu können.

Was sind für eine Kita-Leiterin die größten Herausforderungen?

Als Kita-Leiterin ist man in der Position, in der viele verschiedene Personen (Mitarbeiter, Kinder, Eltern), der Träger, verschiedene Institutionen und Kooperationspartner meistens gleichzeitig an einem „ziehen“ und fordern. Hier empfinde ich es als ganz wichtig, ruhig, besonnen und kompetent auf einzelne Begebenheiten und Herausforderungen reagieren zu können. Mit den Menschen in Dialog zu treten, gemeinsame Ziele zu setzen, diese systematisch zu verfolgen und vor allem Prioritäten zu setzen. In diesen Situationen ist für mich Zuversicht sehr wichtig und sich seine Ruhe und Gelassenheit zu bewahren.

Religiöse Bildung gehört in evangelischen Kitas dazu. Was kann man als Leiterin tun, um religiöse Bildung zu fördern?

In unserer Einrichtung finden in regelmäßigen Abständen Kindergartengottesdienste statt, die jeweils in Absprache mit unserem Gemeindepfarrer und geschultem Fachpersonal auf die Themen der Kinder bezogen sind. Wir unterscheiden zusätzlich die Gottesdienste für unsere Kleinsten, d.h. wir möchten Kinder unter drei Jahren den ersten Zugang zu Gott ermöglichen sowie themenspezifische erweiterte Gottesdienste für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt anbieten. Zudem haben alle Kinder die Möglichkeit, in allen Funktionsbereichen unserer Einrichtung mit Materialien in Kontakt zu kommen, die religiöse Themen aufgreifen und somit verschiedene Gesprächsanlässe bieten. In den Morgenkreisen, in der musikalischen Erziehung und bei unserem täglichen gemeinsamen Essen ist es für uns alle eine Selbstverständlichkeit, religiöse Lieder und Gebete mit den Kindern gemeinsam zu singen und zu sprechen.

Meine eigene Leitungshaltung sehe ich als Vorbildfunktion für das gesamte Team an. Wir alle reflektieren unser Handeln vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens und christlicher Werte.

Gibt es Themen für eine Weiterbildung, die sie sich wünschen?

Wir alle haben viel gelernt für unsere Leitungsaufgaben und unsere Leitungsrolle. Das können wir mit in die Praxis nehmen. Ich würde mir einen kollegialen Austausch mit dieser bestehenden Gruppe und den Referenten weiterhin wünschen. Eine aufbauende Fortbildung zum Thema „systemische Beratung“ könnte ich mir ergänzend sehr gut vorstellen.

Der Evangelische Fachverband der Tageseinrichtungen für Kinder in Westfalen und Lippe (evta) hat von November 2013 bis Juni 2015 eine Langzeitfortbildung für Leitungen und stellvertretende Leitungen evangelischer Kindertageseinrichtungen durchgeführt. In den vergangenen anderthalb Jahren haben sich Erzieherinnen und Erzieher mit Leitungsthemen auseinandergesetzt. Dazu gehörten unter anderem die Themen Personalmanagement, Zeitmanagement, Betriebswirtschaftliche Verantwortung, die Bedeutung der Kindertageseinrichtungen für Kirche, Gemeinde und Gemeinwesen, Qualitätsmanagement sowie zu jedem Thema die Perspektive „Evangelisches Profil“.

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