6. August 2015

Tagung zur Organspende

Orientierungshilfe für Klinikseelsorger

Ein Menschenleben durch Organspende zu retten, kann sich eine große Mehrheit der Deutschen vorstellen. Doch nur knapp jeder dritte hat bislang einen Spendeausweis. Diskussionen um den Hirntod und die Skandale um Manipulationen und Organhandel wecken Ängste und Unsicherheiten. Wie Ärzte, Krankenhausseelsorger, Intensivpfleger und Geschäftsführungen damit umgehen können, ist Thema einer Tagung am 19. August in Wuppertal. Dort wird auch eine Handreichung für Seelsorger präsentiert.

Organspenderkind im Krankenhausbett

Die 13-jährige Abby wartet auf ein Spenderherz.

Mehr als 10.000 Menschen warten in Deutschland auf ein lebensrettendes Spenderorgan. In Werbekampagnen ruft die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung alle Bürger auf, Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm oder Gewebe zu spenden. Die Krankenkassen verschicken an alle Versicherten ab 16 Jahren Informationen zur Organspende und legen den Organspendeausweis gleich dazu. In regelmäßigen Umfragen wird die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert und eine Spende als moralische Pflicht oder ein Akt der Nächstenliebe dargestellt.


Alles liegt in der Hand der Ärzte

Frau Grothe Kühn Porträt

Frau Grothe Kuehn

„All diese Kampagnen können den Menschen aber nicht die Ängste vor einer Organentnahme und dem damit verbundenen anderen Prozess des Sterbens nehmen“, beobachtet Elke Grothe-Kühn, Geschäftsbereichsleiterin Krankenhaus und Rehabilitation bei der Diakonie RWL. „Es ist ein hochsensibles und in der Öffentlichkeit nach wie vor umstrittenes Thema.“ Dazu hätten auch die Skandale um Manipulationen bei Organtransplantationen in deutschen Krankenhäusern, Berichte über den Organhandel in Entwicklungsländern und Diskussionen um den Hirntod beigetragen.Wird die Frage einer Organentnahme in den Kliniken plötzlich konkret, liegt laut Grothe-Kühn „alles in der Hand der Ärzte“. Jedes Krankenhaus hat einen Transplantationsbeauftragten, der die Angehörigen aufklärt und auf eine Entscheidung dringt. Denn das deutsche Transplantationsgesetz sieht eine erweiterte Zustimmungslösung vor. Ohne die Zustimmung des Spenders oder der nächsten Familienangehörigen ist eine Organentnahme im Fall des Hirntods nicht zulässig.

Rolle der Klinikseelsorger klären

„In diesem extrem belastenden Entscheidungsprozess ist es besonders wichtig, ergebnisoffene Gespräche zu führen“, sagt die Klinikexpertin. Dabei könnten die Seelsorger unterstützen. Zwar gebe es schon Beispiele einer guten Zusammenarbeit von Ärzten und Seelsorgern, aber diese sei noch lange nicht üblich. Wie Theologen in den Prozess der Organspende und –transplantation eingebunden werden können, thematisiert die Tagung. Sie informiert auch über rechtliche und medizinische Grundlagen, etwa über die Hirntoddiagnostik. Zu den Referenten gehören Ruth Rissing-van Saan, ehemalige Richterin am Bundesgerichtshof und Leiterin der Vertrauensstelle Transplantationsmedizin der Bundesärztekammer, der Mediziner  Carsten Isselhorst vom St.-Elisabeth-Krankenhaus in Köln, der Duisburger Transplantationsbeauftragte Hilal Yahya sowie der Essener Klinikseelsorger Hans-Jörg Stets und die Kasseler Klinikpfarrerin Ursula Josuttis.

Wie Mitarbeitende in der Krankenhausseelsorge Angehörige potentieller Spender, aber auch Organempfängern zur Seite stehen kann, fasst die erstmals auf der Wuppertaler Veranstaltung präsentierte Orientierungshilfe für Klinikseelsorger zusammen. Die Broschüre enthalte nicht nur Tipps für die akute Krisenbegleitung, so Grothe-Kühn. Sie wolle Mitarbeitende vor allem dafür sensibilisieren, eine eigene Haltung zur Organspende zu entwickeln und sich aktiv in die Patienten- und Angehörigenbegleitung einzubringen. „Das sollte nicht allein den Ärzten überlassen werden.“

Die Tagung findet am 19. August von 13.30 bis 19 Uhr im Internationalen Evangelischen Tagungszentrum, Missionsstraße 9, in Wuppertal statt.

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