Dienstag, 14. Februar 2017

Verantwortung zeigen, investieren!

Kirchliche Kliniken fordern mehr Unterstützung von der NRW-Landesregierung

Düsseldorf/Münster, 14. Februar. Die evangelischen und katholischen Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen beklagen eine strukturelle Unterfinanzierung durch das Land. In einem Politischen Fachgespräch wollen sie NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) am Dienstag die zunehmend prekäre Situation vieler konfessioneller Kliniken darstellen. Insgesamt beziffern die Krankenhäuser unter Berufung auf ein „Investitionsbarometer NRW“ eine gewaltige Finanzierungslücke. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung schätzt den Angaben zufolge den jährlichen Bedarf an Investitionsmitteln auf mehr als 900 Millionen Euro. 

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In Nordrhein-Westfalen stellen die kirchlichen Kliniken mehr als 60 Prozent der Krankenhäuser, so viel wie in keinem anderen Bundesland. „Seit vielen Jahrzehnten erfüllen wir mit großem Engagement staatliche Aufgaben, erhalten aber dafür immer weniger Unterstützung der öffentlichen Hand“, sagt Aachens Diözesan-Caritasdirektor Burkard Schröders. „In den meisten der über 240 Kliniken gibt es einen enormen Investitionsstau. Wenn die Landesregierung sich nicht auf die gesetzlich vorgegebenen Regelungen zur Finanzierung von Bau- und Investitionskosten besinnt, wird das System Krankenhaus an seine Grenzen geführt.“

Seit 1990 sind die Fördermittel des Landes NRW um 24 Prozent zurückgefahren worden. Pro Einwohner zahlt das Land noch 28 Euro. Damit liegt NRW auf dem vorletzten Platz im Bundesvergleich. Aktuelle Studien belegen, dass ein jährlicher Investitionsstau von 1,5 Milliarden Euro besteht, das Land aber nur rund 500 Millionen jährlich gibt. In diesem Jahr sollen es 532 Millionen Euro sein. Doch das reicht längst nicht aus.

„Bislang haben viele unserer Krankenhäuser fällige Investitionen in eine moderne Infrastruktur aufgeschoben oder Mittel dafür eingesetzt, die dann an anderer Stelle fehlten“, betont Nils B. Krog, Vorstandsvorsitzender des Verbandes evangelischer Krankenhäuser Rheinland/Westfalen/Lippe e.V. „Zum Beispiel zur Finanzierung von Personal oder in moderne Medizintechnik. Dieser fatale Kreislauf muss unbedingt durchbrochen werden.“ Mindestens 30 Prozent der kirchlichen Kliniken weisen inzwischen einen Jahresverlust auf, rund 15 Prozent seien von einer Insolvenz bedroht.

Wenn konfessionelle Kliniken schließen müssen, dann habe das laut Krog negative Auswirkungen auf die regionalen Netzwerke in der Patientenversorgung. „Als lokal verwurzelte, häufig Kirchengemeinden verbundene Non-Profit-Organisationen unterstützen viele Kliniken ihre Patienten ganzheitlich, auch mit Hilfe von Ehrenamtlichen“, betont Krog.

Kirchliche Krankenhäuser sind oft eng vernetzt mit der Hospizbewegung und der lokalen Palliativversorgung und halten besondere Angebote für ältere Patienten vor. Hinzu kommt das starke Engagement in der Pflegeausbildung. Die konfessionellen Träger in NRW bieten in den Krankenpflegeberufen mehr als 11.000 Ausbildungsplätze an. Hinzu kommt das Engagement der kirchlichen Häuser in der ärztlichen Ausbildung, sowohl bei den akademischen Lehrkrankenhäusern als auch in der ärztlichen Fachweiterbildung.

Im Politischen Fachgespräch mit Gesundheitsministerin Barbara Steffens sowie mit den gesundheitspolitischen Sprechern verschiedener Parteien und Gesundheitsökonomen suchen Experten des kirchlichen Krankenhauswesens nach tragfähigen Lösungen für die Zukunft. Das Fachgespräch findet am 14. Februar von 17 bis 20 Uhr im Sozialen Beratungszentrum des Ortscaritasverbandes Düsseldorf statt. Dazu eingeladen haben die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, die Caritas in NRW sowie das Evangelische und Katholische Büro NRW.