30. Oktober 2015

Arbeitsintegration von Flüchtlingen

Berufsberatung direkt anbieten

Die Integration der vielen Flüchtlinge ist eine Jahrhundertaufgabe. Und am Arbeitsmarkt entscheidet sich, ob die deutsche Gesellschaft diese Aufgabe löst. Damit Flüchtlinge nicht in die Langzeitarbeitslosigkeit rutschen, sind gute Förderprogramme nötig. Zunächst aber muss klar sein, wer welche Qualifikationen aus seinem Heimatland mitbringt. Die Diakonie RWL fordert deshalb, schon in den Erstaufnahmestellen eine Berufsberatung anzubieten.

Beratungssiuation

Foto: LAG Freie Wohlfahrtspflege NRW

„Wir brauchen jetzt umfassende Maßnahmen und Angebote, damit die vielen Flüchtlinge möglichst schnell in Arbeit kommen“, mahnt der Vorstand Christian Heine-Göttelmann. Er fordert von der Politik mehr Anstrengungen zur Integration der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt. Das neue, am 1. November beginnende Programm für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose „Neustart in Deutschland“ sieht er dabei als einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“. Es finanziert bundesweit für rund 100.000 Flüchtlinge ab drei Monaten Aufenthalt Hospitanzen und Praktika sowie Sprach- und Integrationskurse.

Kompetenzen frühzeitig erfassen

Die Diakonie RWL rechnet für dieses Jahr mit rund 250.000 neu zugewanderten Flüchtlingen in ihrem Verbandsgebiet. Von diesen sind Schätzungen zufolge knapp 175.000 arbeitssuchend. Wie viele der Asylbewerber verwertbare berufliche Qualifikationen am deutschen Arbeitsmarkt haben, ist allerdings noch nirgendwo erfasst. „Wir benötigen dringend eine frühzeitige Beratung der Flüchtlinge hinsichtlich ihrer möglichen Arbeitsmarktintegration“, betont der Diakonie-Vorstand und verweist auf das Projekt der Landesregierung Rheinland-Pfalz „Neuanfang in RLP: Kompetenzen erfassen, Chancen nutzen“.

Im Rahmen dieses Projekts werden Daten von Asylsuchenden in den Erstaufnahmeeinrichtungen erfasst hinsichtlich ihrer Bildungsbiografie, beruflichen Qualifikationen und anderen Kompetenzen, die für eine Integration in den Arbeitsmarkt relevant sind. Dafür stellt die Landesregierung in Rheinland-Pfalz zwei Stellen pro Erstaufnahmeeinrichtung zur Verfügung. „Ein solches Programm wäre auch für NRW sehr hilfreich“, erklärt Helmuth Schwarz, Arbeitsmarktexperte bei der Diakonie RWL. „Es gibt schließlich Auskunft darüber, wer Akademiker oder Arbeiter ist, wer Deutsch oder Englisch spricht oder nur den Dialekt seines Heimatdorfes.“

Anerkennungsverfahren für Berufsabschlüsse vereinfachen

Erste Studien gehen laut Schwarz davon aus, dass viele Flüchtlinge und Asylbewerber den Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes nicht oder nur unzureichend entsprechen und daher neben individueller Sprachförderung auch dringend qualifikations- und beschäftigungsbegleitende Maßnahmen benötigen. „Um Langzeitarbeitsarbeitslosigkeit unter den Flüchtlingen und Asylbewerbern zu vermeiden, sollten wir jetzt schnell gute Programme zur Arbeitsintegration entwickeln. Die dafür erforderlichen Finanzmittel müssen von der Bundesregierung zusätzlich zur Verfügung gestellt werden.“ Eine große Chance bestehe darin, dass sich unter den Flüchtlingen und Asylbewerbern sehr viele junge Menschen unter 25 Jahren befänden. „Sie könnten in Berufen arbeiten, für die in Deutschland Nachwuchskräfte fehlen.“

Allerdings blockieren laut Schwarz noch zu viele bürokratische Regeln den Zugang zum Arbeitsmarkt. Dazu gehört zum Beispiel das komplizierte Anerkennungsverfahren für im Ausland erworbene Abschlüsse. „Die Prüfung muss schneller erfolgen und darf nicht so bürokratisch sein“, meint der Arbeitsmarktexperte. Das gilt seiner Ansicht nach auch für notwendige Nachqualifizierungen der Flüchtlinge und Asylbewerber. „Außerdem brauchen wir mehr Sprachkurse, die auch noch während einer Qualifizierungsmaßnahme, einer Ausbildung oder sogar in der ersten Zeit nach dem Start in einen neuen Job angeboten werden.“

Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose nicht gegeneinander ausspielen

Neben all den Anstrengungen für die Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern in den deutschen Arbeitsmarkt dürfe aber die Gruppe der Langzeitarbeitslosen nicht vernachlässigt werden, mahnt Vorstand Christian Heine-Göttelmann. „Gerade jetzt ist es wichtig, für die Menschen am Rand unserer Gesellschaft besondere Anstrengungen zu unternehmen.“ Langzeitarbeitslose gegen Flüchtlinge auszuspielen, enthalte großen politischen Sprengstoff. Insofern setze das Programm „Neustart in Deutschland“ das richtige Signal, indem es beide Gruppen in den Blick nehme.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
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