4. März 2015

Diakonie RWL verstärkt Flüchtlingsarbeit

Vorstand besucht Erstaufnahmeeinrichtung

Tief beeindruckt zeigte sich Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, von seinem Besuch in der Erstaufnahmeeinrichtung in Hemer. In einem Brief an alle Mitglieder unterstützen die drei Diakonie-Vorstände Becker, Heine-Göttelmann und Oelkers das Anliegen von NRW-Innenminister Ralf Jäger, noch mehr Flüchtlinge in diakonischen Einrichtungen unterzubringen. Und der Diakonie-Landesverband baut den Schwerpunkt Flüchtlingsarbeit deutlich aus.

Besuch in Hemer

Eine vorbildliche Erstaufnahmeeinrichtung mit überprüfbaren Standards habe er in Hemer kennengelernt, berichtet Pfarrer Christian Heine-Göttelmann. Aber wenn 140 bis 170 Verfahrensberatungen pro Tag gemacht werden müssen, dann werden die Grenzen der Arbeitsfähigkeit erreicht. Das ehemalige Kasernengelände in Hemer-Deilinghofen hat eine Kapazität von 350 Flüchtlingen. Eigentlich. Mittlerweile sind 700 dort untergebracht.  Weiterer Bedarf ist angemeldet. In zwei kleinen Räumen spielen 60 Kinder. In einer Erstaufnahmeeinrichtung wie Hemer sollen Flüchtlinge nach ihren meist traumatischen Erlebnissen zur Ruhe kommen, bevor sie im Anschluss auf die Kommunen verteilt werden. Bei aller Anerkennung für die in Hemer geleistete engagierte Arbeit sieht Heine- Göttelmann doch mit Sorge, wie hier auf engstem Raum das Zusammenleben schwierig wird. Der anerkennenswerte politische Wille, Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten wirksam zu helfen, stößt in der Umsetzung auf manche praktische Schwierigkeiten.

Häuser gesucht

Pro Tag, so NRW-Innenminister Ralf Jäger, kommen in diesen Tagen mehrere hundert Flüchtlinge nach Nordrhein-Westfalen. Jäger bittet Kirche und Diakonie um Mithilfe bei der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten. Diese Bitte haben die drei Diakonie RWL-Vorstände Becker, Heine-Göttelmann und Oelkers aufgegriffen. In einem Brief an alle diakonischen Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen bitten sie die Mitglieder des Verbandes zu prüfen, in dieser Notsituation „einen humanitären Beitrag im Sinne der Aufnahme von Flüchtlingen“ zu leisten. Ansprechpartner hierfür beim Landesverband ist Nikolaus Immer. Neu eingerichtet bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe wird die „Servicegruppe Flucht“. Nikolaus Immer, Geschäftsbereichsleiter Soziales und Integration, und Helga Siemens-Weibring, verantwortlich für den Geschäftsbereich Familie, Bildung und Eriehung, koordinieren die neue Gruppe, die unorthodox und unbürokratisch die Flüchtlingsarbeit beim Landesverband durch Mitwirkung aller Referate, etwa auch Jugendhilfe, verstärkt.

Beispiel Bad Kreuznach

Auch außerhalb von Nordhrein-Westfalen kommen Flüchtlinge in immer höheren Zahlen an. Die diakonischen Werke und Unternehmen helfen so gut sie können. So hat etwa die Stiftung kreuznacher diakonie in Bad Kreuznach eine neue Einrichtung für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge geschaffen. Hier stehen jetzt zehn Plätze für Mädchen im Alter zwischen sechs und 18 Jahren sowie Jungen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren zur Verfügung. Eine ähnliche Arbeit hatte die kreuznacher diakonie schon seit 1991 mit dem Kinder- und Jugendheim Niederwörresbach im Hunsrück betrieben. Nun reichen diese Kapazitäten nicht mehr aus. Die sieben Mädchen aus Eritrea, Somalia und Afghanistan, die zurzeit im neuen Haus leben, besuchen die Berufsbildende Schule in Bad Kreuznach. Rudolf Weber, Geschäftsführer der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe bei der kreuznacher diakonie, betont: „Wir sind also die erste Station für die Kinder und Jugendlichen. Wir möchten ihnen einen guten Start ermöglichen und möglichst gute Perspektiven schaffen.“

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Migration und Flucht
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