20. November 2015

Flüchtlingshilfe - Gute Beispiele

Hochschwanger in einem fremden Land – Infocafé unterstützt Flüchtlingsfrauen

Frauen, die schwanger nach Deutschland geflüchtet sind, haben viele Strapazen hinter sich. Die Ämter- und Arztbesuche und die Geburt in einer Klinik verursachen oft weiteren Stress. Zumal die meisten Frauen ohne Sprachkenntnisse in das kulturell fremde Deutschland gekommen sind. Das Infocafé für schwangere Flüchtlingsfrauen der Diakonie Düsseldorf unterstützt die jungen Mütter.

Nuri Fedila aus Eritrea mit ihrem Baby

Nuri Fedila aus Eritrea mit ihrem Baby

Als Nana Ama Aboagwaa im vergangenen Jahr bemerkte, dass sie schwanger ist, war für sie klar: Ihr Kind sollte nicht ohne Vater aufwachsen. Der aber war aus Ghana nach Deutschland geflohen. Im Juli kam die 30-jährige Bankkauffrau in Düsseldorf an, hochschwanger und verzweifelt, weil sie nur den lokalen Namen ihres Freundes kannte. „Das war die Hölle“, erzählt sie in gutem Englisch. Ihren Sohn bekam sie in der Klinik – alleine. „Das ist für uns Frauen aus Ghana sehr hart, weil uns zuhause die ganze Familie unterstützt, wenn wir ein Baby erwarten.“

Ihren Freund hat Nana inzwischen gefunden. Zusammen leben können sie aber noch nicht, denn die Ghanaerin wartet auf die Entscheidung über ihren Asylantrag. Sie wohnt mit ihrem Baby in einer Flüchtlingsunterkunft. „Ich möchte so schnell wie möglich Deutsch lernen, eine kleine Wohnung und einen Job finden“, sagt sie.

Nana Ama Aboagwaa mit ihrem Baby

Nana Ama Aboagwaa hat ihr Baby vor drei Monaten in Deutschland bekommen

Unterstützung bekommt Nana im Infocafé für schwangere Flüchtlingsfrauen der Diakonie Düsseldorf. Dort trifft sie regelmäßig andere Frauen in einer ähnlichen Situation, kann ihre Fragen loswerden und erhält praktische Hilfe, wenn es um Arzt- und Behördenbesuche geht.

Schockerlebnis Geburt

Bereits seit fünf Jahren gibt es das Café, das gemeinsam von den Diakoniemitarbeiterinnen Dora Obiri-Yeboah und Heike Kasch geleitet wird. Mehr als 500 Mal hat es in der Zeit seines Bestehens die Türen geöffnet. Etwa 130 Babies kamen in dieser Zeit zur Welt. Die Mitarbeiterinnen des Cafés bieten den Frauen dreimal in der Woche ein gemeinsames Frühstück in einer geschützten Atmosphäre. „Gerade für Frauen, die in Flüchtlingsunterkünften leben, ist es wichtig, hier einen Rückzugsraum zu haben“, sagt Heike Kasch von der Integrationsagentur der Diakonie Düsseldorf.

Bei den Treffen informieren die Mitarbeiterinnen die Flüchtlingsfrauen, die derzeit aus 15 verschiedenen Ländern kommen, über das deutsche Gesundheitssystem, begleiten sie zu Vorsorgeuntersuchungen und sind vor allem da, wenn eine Frau ihr Baby in der Klinik bekommt. „Viele stammen aus ländlichen Gebieten und kennen kein Krankenhaus“, berichtet Daniela Bröhl, die das Sachgebiet Integration, Migration und Flucht bei der Diakonie Düsseldorf leitet. „Sie verstehen noch kein Deutsch und erleben es als Schock, wenn plötzlich ein Kaiserschnitt gemacht wird.“

Auch das Thema Aids und Beschneidung sprechen die Mitarbeiterinnen des Cafés an. „Viele deutsche Ärzte sind darauf nicht vorbereitet, dass eine Frau ohne jegliche Voruntersuchungen zu ihnen kommt. Daher organisieren wir Dolmetscher, mit denen diese besondere Situation im Vorfeld der Geburt geklärt wird“, ergänzt Heike Kasch. Auch die Zusammenarbeit mit dem Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf ist eng, denn viele Frauen müssen traumatische Fluchterlebnisse verarbeiten.

Heike Kasch, Daniela Bröhl und Dora Obiri-Yeboah (v.l.) unterstützen die Frauen

Heike Kasch, Daniela Bröhl und Dora Obiri-Yeboah (v.l.) unterstützen die Frauen

Wichtige Themen: Erziehung und Ernährung

Entstanden ist die Idee des Infocafé, als sich Heike Kasch und Dora Obiri-Yeboah vor sechs Jahren kennenlernten. Die Ghanaerin arbeitete als Englischlehrerin in einer Kita der Düsseldorfer Diakonie und erzählte von den Problemen ihrer schwangeren Landsfrauen. „Ich habe vier Kinder hier bekommen und als Tagesmutter gearbeitet“, sagt sie. „Ich weiß aus eigener Erfahrung um die Probleme und habe schon damals vielen Frauen geholfen.“ Dora Obiri-Yeboah spricht Deutsch, Englisch und verschiedene westafrikanische Sprachen. Oft war sie als Dolmetscherin im Einsatz.

Doch sie ist auch streng mit den Frauen, die das Café besuchen. „Ich sage allen, dass sie die deutsche Sprache lernen müssen“, erzählt sie. „Und Frauen aus Ghana oder Nigeria sollten Respekt vor der Zeit haben und lernen, pünktlich zu sein.“ Ein weiteres Thema, das die Lehrerin im Café immer wieder anspricht, sind Erziehungsfragen und das Essen. Eine gesunde Ernährung sei für Mutter und Kind wichtig, betont sie. „Dafür gibt es genug deutsche Nahrungsmittel. Man muss nur wissen, wie man sie zubereitet.“

Jyan Chalette mit ihrer sechs Wochen alten Tochter

Jyan Chalette mit ihrer sechs Wochen alten Tochter

Café als Ort der Entspannung

Daher kochen die Frauen gemeinsam im Café. Sie malen aber auch, gehen ins Museum oder bereiten Feste vor. „Wir wollen den Frauen nicht nur Beratung bieten, sondern es ihnen nach all dem Schweren, das sie erfahren haben, auch schön machen“, sagt Heike Kasch.

Und so wird im Café geredet, gelacht und mit den Babies gespielt. Für Jyan Challette aus Ghana und Nuri Fedila aus Eritrea ist es inzwischen ein wichtiger Ort der Entspannung und des Austauschs. „Ich fühle mich in Deutschland sehr alleine“, sagt Jyan Challette, die mit ihrem zweijährigen Sohn und der sechs Wochen alten Tochter in einer kleinen Wohnung lebt. „Es ist hart, hier allein erziehend zu sein. Aber in Ghana wäre es viel, viel schlimmer für mich.“

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
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