31. März 2016

Service-Gruppe Flucht der Diakonie RWL

Lotsin im Dschungel der Flüchtlingsprogramme

Ob in der Schwangerenberatung, der Kita oder im Krankenhaus – in nahezu allen sozialen Arbeitsfeldern der Diakonie RWL haben die Mitarbeitenden mit Flüchtlingen zu tun. Für viele ist es eine neue und herausfordernde Aufgabe, die Betreuung sowie Versorgung und die anschließende Integration von Geflüchteten in ihrem Bereich mitzugestalten. Damit dies gut vernetzt geschehen kann, hat die Diakonie RWL eine "Service-Gruppe Flucht" eingerichtet. Koordiniert wird sie von Susanna Thiel.

Portrait

Susanna Thiel

Der Begriff "Service-Gruppe" klingt ganz nach Dienstleistung. Welchen Service will die Gruppe den Mitgliedern der Diakonie RWL bieten?

Unsere Service-Gruppe hat die Aufgabe, die Expertise, die wir hier im Haus haben, mit den Herausforderungen in den einzelnen sozialen Arbeitsbereichen vor Ort zu verknüpfen. Die Mitglieder, die schon lange im Bereich Migration und Flucht tätig sind, wurden stets gut informiert. Doch bei vielen unserer Einrichtungen ergeben sich durch die Betreuung der Flüchtlinge, die jetzt in unsere Einrichtungen kommen, eine Menge Fragen. Hier diene ich als Schnittstelle und vermittele, wenn nötig, an den entsprechenden Ansprechpartner in unserem Verband weiter. Außerdem werden bei mir Informationen über Programme, Projekte, Fördermittel, aber auch asylrechtliche Veränderungen, die für die einzelnen Bereiche relevant sind, sortiert und gebündelt. Ich gebe die Informationen dann innerhalb des Hauses und an unsere Mitglieder weiter.

Wo ist der Informationsbedarf besonders hoch?

Es wird viel nach Fördermöglichkeiten für Programme mit Flüchtlingsbezug gefragt. Das wundert mich nicht, denn es ist tatsächlich schwierig, den Überblick bei all der Vielzahl an unterschiedlichen Programmen aus Landes- und Bundesmitteln oder Stiftungsgeldern zu behalten. Hier möchte ich gerne eine Art "Lotse" sein und eine erste Orientierung bieten. Ein anderes großes Thema, das viele Mitglieder beschäftigt, ist das Asylrecht. Welcher Flüchtling in Deutschland welche Rechte hat, wer arbeiten darf und wer nicht oder wie die Gesundheitsversorgung aussieht, ist ebenfalls kompliziert. Zudem ändert sich das Asylrecht laufend. Da besteht ein großer Informationsbedarf.

Eine gute Vernetzung ist das Ziel der Service-Gruppe. Sie sind bei der Diakonie RWL im Januar als Referentin eingestellt worden, damit bei Ihnen alle Fäden zusammenlaufen können. Kommen sie Ihnen noch wie ein großes Wollknäuel vor?

Bisher bin ich dabei, mir einen Überblick zu verschaffen. Dabei fühle ich mich manchmal wie eine Katze, die beim Spielen mit dem Wollknäuel die einzelnen Fäden sortiert. Die Service-Gruppe gibt es seit knapp einem Jahr, aber vorher war niemand direkt für die Vernetzung der unterschiedlichen Arbeitsbereiche verantwortlich. Mein Ziel ist es, dazu beizutragen, einen erfolgreichen Informationsfluss aufzubauen, sowohl für die Referenten hier im Haus, die die Träger und Einrichtungen beraten, als auch für unsere Mitglieder, für die die Service-Gruppe erster Ansprechpartner beim Thema Flucht sein soll.

Sie haben gerade erst Ihren Master gemacht und sind mit 26 Jahren noch ziemlich jung. Warum liegt Ihnen das Thema Flucht am Herzen?

Während meines Bachelorstudiums der Politikwissenschaft und Geschichte ist mir aufgefallen, dass die Themen Flucht und Migration und damit die menschliche Dimension und direkte Auswirkung von politischen Entscheidungen und Konflikten oft gar nicht intensiv behandelt werden. Doch diese Themen liegen mir am Herzen, denn sie waren in meiner Familie immer präsent. Meine Mutter stammt aus Großbritannien und ist vor über 30 Jahren nach Deutschland immigriert. Die Familie meines Vaters ist während des zweiten Weltkriegs aus Schlesien geflohen. Also habe ich innerhalb meines Studiums Kurse zu internationalen Konflikten, Flucht und Migration belegt und mich seit der Schulzeit gegen Rassismus und für eine offene und menschenrechtsorienterte Aufnahme von Neuzugezogenen engagiert.. Doch ich wollte mich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen und bin deshalb nach Großbritannien gegangen. An der University of Sussex in Brighton konnte ich einen Master in "Migration Studies" machen. Die Hochschule ist sehr renommiert und stark international ausgerichtet. Das war mir wichtig. Meine Masterarbeit habe ich dann über die Ankunftserfahrungen und Identität junger Flüchtlinge geschrieben.

Warum sind Sie nach Ihrem Studienabschluss nach Deutschland zurückgekehrt und haben sich bei der Diakonie RWL beworben?

Zwar habe ich mich während meines Studiums in Brighton auch ehrenamtlich in einer Willkommensinitiative für Flüchtlinge engagiert, habe Sprachunterricht und Begegnungsfeste organisiert. Aber die rigide Flüchtlingspolitik in Großbritannien gefällt mir nicht. Zudem haben mich die Bilder der vielen Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, sehr berührt. Ich hatte das Bedürfnis, in dem Land zu helfen, in dem ich aufgewachsenen bin. Ich denke, in Deutschland kann ich innerhalb eines großen Verbandes wie der Diakonie mit meinen bisherigen Erfahrungen und Kenntnissen im Bereich der Flüchtlingsarbeit mehr bewegen und für geflüchtete Menschen tun.

Welche Akzente möchten Sie in der "Service-Gruppe" setzen?

Ich halte es für wichtig, dass die Diakonie RWL als gestaltender Akteur der Flüchtlingspolitik auftritt und ihre Arbeitsfelder so öffnet, dass vielfältige Angebote für Flüchtlinge entstehen, die gut miteinander vernetzt sind. Die Integration, insbesondere in den Arbeitsmarkt, wird eine riesige Herausforderung für unsere Gesellschaft. Dafür braucht es nicht nur mehr Geld, sondern auch Entschlossenheit und gute Ideen. Ich möchte in der "Service-Gruppe" dazu beitragen, dass sie in der Diakonie, aber auch in der Öffentlichkeit bekannt werden. Mein Wunsch wäre es, dass wir künftig als Spitzenverband auch mehr über politische Entwicklungen informieren und dazu Stellung beziehen.

Das Gespräch führte Laura Fausten.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Susanna Thiel

Servicegruppe Flucht

Weitere Informationen
Bewerten Sie diesen Artikel
Durchschnittliche Bewertung: 5 (1 Stimme)