22. Oktober 2015

Willkommenskampagne für Flüchtlinge

Schock über Hasskommentare im Internet

Wer im Internet Unterstützung für Flüchtlinge äußert, kann Hass ernten. Die Diakonie Deutschland hat dies mit ihrer neuen bundesweiten Kampagne auf Facebook erlebt. Die bunten Stoffarmbänder mit dem Willkommens-Aufdruck, die auch bei der Diakonie RWL getragen werden, haben Hunderte Hasskommentare provoziert. Die Bundesdiakonie setzt nun auf die Unterstützung der Internetcommunity. Mit Erfolg.

Willkommensarmband in Lila, Nahaufnahme

Willkommensarmband

Ulrich Lilie hält das Band in dem Video hoch. "Auch ich trage dieses Band", sagt der Präsident der Diakonie und zeigt auf sein Handgelenk. "Weil ich mit diesem Band ´ja´ sagen möchte. Ja zu den vielen Flüchtlingen in unserem Land, ja zu einem menschenfreundlichen und offenen Deutschland." Auf Facebook hatte die Diakonie Deutschland dieses Video vergangene Woche gepostet, um auf eine Aktion mehrerer Verbände hinzuweisen: Sie vertreiben bunte Stoff-Armbänder mit Willkommens-Aufdruck, deren Erlös in die Flüchtlingshilfe geht. In dem sozialen Netzwerk bekam die Diakonie Hunderte Hasskommentare.

"Wir waren geschockt", berichtet Stephan Röger, Online-Manager der Diakonie Deutschland. "Wir waren absolut überrascht vom Ausmaß und der Massivität der Kommentare." Bis zum Mittwochmorgen erreichte die Diakonie mit diesem Post mehr als 91.000 Menschen, mehr als 3.000 Kommentare wurden dazu geschrieben. Diese seien überwiegend negativ, zahlreiche inakzeptabel, sagt Röger. Das Team habe einige gelöscht und zwei Kommentatoren angezeigt.

Vom Shitstorm zur Hasskampagne

Caja Thimm erforscht an der Universität Bonn Shitstorms. Das sind Entrüstungsstürme im Internet, die entstehen, wenn sich zahlreiche Nutzer an Kritik oder Beschwerden beteiligen. Oft kommt es dann zu Beleidigungen, teilweise tritt das eigentliche Thema in den Hintergrund. "Die Flüchtlingsthematik bringt nun eine neue Dramatik", sagt die Medienwissenschaftlerin. "Das sind keine Shitstorms mehr, das sind Hasskampagnen. Mancher muss man ja um sein Leben fürchten, wenn er Unterstützung für Flüchtlinge äußert."

Auch Vivian Pein sieht eine große Gefahr. "Es sind viele Brandstifter unterwegs, die Situationen suchen, in denen sie ihre antidemokratischen Gedanken über Flüchtlinge verbreiten können", erläutert Pein, die Unternehmen im Bereich digitale Kommunikation berät. "Sie richten sich an die Mitleser, nicht an die Organisation, auf deren Seite sie posten." Teilweise sei zu beobachten, dass Kommentatoren auf verschiedenen Seiten immer wieder dieselben Hassbotschaften posten.

Sie erinnere sich nicht, dass bislang ein sozialpolitischer Akteur wie die Diakonie von einer solchen Empörungswelle betroffen war, sagt Thimm. "Aber im Moment muss wirklich jeder damit rechnen."

Erfolgreiches Werben um Unterstützung

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie mit Flüchtlingen in Gelsenkirchen

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie mit Flüchtlingen in Gelsenkirchen

Wenn falsche Fakten behauptet werden, helfe nur, die korrekte Sachlage darzustellen, sagt Beraterin Pein. "Es geht dabei nicht einmal primär darum, diejenigen zu überzeugen, die das gepostet haben. Es geht um die Mitleser." Mitglieder aus der Community seien als Kommentatoren besonders wertvoll: "Sie sind in der Regel glaubwürdiger als die Organisation selbst. Es darf allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass die Unterstützer die Organisation einfach nur blind loben."

Die Diakonie Deutschland setzte auf die Hilfe der Community. In einer Gruppe auf Facebook warb sie um Unterstützung. Etwa zehn bis 15 Nutzer hätten dem Hass gemeinsam widersprochen, berichtet Online-Manager Röger. "Wir wollten deutlich machen, dass wir den Hasskommentatoren nicht die Deutungshoheit überlassen." Daraufhin habe sich die Lage etwas beruhigt. Diese Reaktion habe sich bewährt, sagt Röger: "Es ist unglaublich, wie stark sich die Community engagiert hat. Das ist das Positive, wir konnten ein Zeichen setzen."

Text: Matthias Klein (epd)

Die Willkommens-Armbänder der Diakonie Deutschland können zum Preis von fünf Euro bestellt werden unter www.diakonie.de/shop.

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