14. September 2016

Familiennachzug

"Syrische Männer leiden enorm"

Immer mehr Flüchtlinge aus Syrien erhalten nicht mehr den vollen Flüchtlingsstatus, sondern nur noch subsidiären Schutz. Mit der Konsequenz, dass sie ihre Familien zwei Jahre lang nicht nach Deutschland holen können. Die geänderte Asyl-Entscheidungspraxis hat fatale Auswirkungen auf die syrischen Männer, kritisiert der Flüchtlingsexperte der Diakonie RWL, Dietrich Eckeberg.

Portrait

Dietrich Eckeberg

Die Männer litten enorm unter dieser Situation und fürchteten um Leib und Leben ihrer Angehörigen, sagte Eckeberg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Oftmals sei ein Teil der Familien in dem umkämpften Bürgerkriegsland geblieben, ein anderer Teil sitze in Flüchtlingscamps in der Türkei, Jordanien oder Griechenland fest. "Auch die deutschen Botschaften unterstützen den Familiennachzug nicht in dem erforderlichen Maß", kritisierte der Flüchtlingsexperte.

Die extreme Belastung ist nach Eckebergs Worten in den Beratungsgesprächen mit haupt- und ehrenamtlichen Helfern der Diakonie ein vorherrschendes Thema. Durch den psychischen Druck seien viele Männer kaum noch in der Lage, ihr Alltagsleben zu regeln.

"Es gibt zahlreiche Fälle, in denen Männer es in Deutschland nicht mehr aushalten und unbedingt zu ihren Familien zurückwollen", sagte der Diakonie-Experte. Andere klagten vor den Verwaltungsgerichten. In den meisten bislang entschiedenen Fällen musste das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach Eckebergs Worten seine Entscheidungen korrigieren und den Syrern den Flüchtlingsstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention zusprechen. Dieser beinhaltet das Recht, Familienangehörige nachzuholen. Aber längst nicht alle Betroffenen hätten den Mut und die notwendigen Kenntnisse, um den Rechtsweg zu beschreiten, so Eckeberg.

Subsidiärer Schutz für 70 Prozent der Syrer

Der Flüchtlingsexperte verweist darauf, dass nach aktuellen Zahlen des BAMF im August 70 Prozent aller syrischen Flüchtlinge nur subsidiären Schutz erhalten haben. Lediglich 30 Prozent hätten den Schutzstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention erhalten. Noch im vergangenen Jahr wurden nach Eckebergs Worten nahezu alle syrischen Asylsuchenden nach Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt.

Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention erhalten Asylbewerber, wenn sie aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe verfolgt werden. Wenn diese Verfolgung nicht gegeben ist, aber dennoch Gefahr für Leib und Leben etwa durch Krieg droht, wird subsidiärer Schutz gewährt. Die Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte wurde im Asylpaket festgehalten, das im März in Kraft trat. Flüchtlingsorganisationen und Kirchen hatten diese politisch lang umstrittene Regelung scharf kritisiert.

epd-Gespräch: Theo Körner

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
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