13. Februar 2017

Migrantinnen erzählen

Wanderinnen zwischen den Kulturen

Fünf Migrantinnen haben in einem Saarbrücker Biografie-Projekt ihre Geschichte aufgeschrieben. Unter dem Titel "Lebensbilder – Erinnerungen von Migrantinnen" ist ein Buch entstanden, das Einblick in ihr Leben gibt. Es zeigt die Hürden, die sie überwinden mussten, um in der deutschen Gesellschaft anzukommen.

Gruppenbild

Autorin Carola Stahl (2. Von links) und Petra Junk (rechts) mit Frauen, die ihre Geschichte erzählt haben

So richtig zu Hause hat sich Emine Isgören noch nie gefühlt. Weder in Deutschland noch in der Türkei. Neun Jahre war sie alt, als sie 1982 mit ihrer Mutter und den Geschwistern aus der Türkei nach Saarbrücken zog. Dort hatte der Vater Arbeit in der Hütte gefunden.

"Ich habe mir meinen Platz in beiden Gesellschaften erarbeitet", zieht sie heute Bilanz. "Ich bin stolz auf meine erlangte Selbstständigkeit innerhalb der deutschen Öffentlichkeit und stolz auf meine Unabhängigkeit vom türkischen Lebensentwurf."

Ihre Geschichte vom schwierigen Ankommen in der deutschen Gesellschaft, von Urlaubsreisen in die alte Heimat, ihrer Verheiratung und der unglücklichen Ehe, von ihren beiden Kindern und der Scheidung hat Esmine Isgören jetzt veröffentlicht. Gemeinsam mit vier anderen Frauen, deren Familien aus der Türkei und Pakistan stammen, erzählt sie im neuen Buch "Lebensbilder" über die Hürden und Chancen der Migration. Auf einer öffentlichen Lesung in Saarbrücken wurde es jetzt erstmals vorgestellt.

Carola Stahl und Emine Isgören (v.l.) lesen aus "Lebensbilder"

Geschichten über Niederlagen, Siege und Träume

Das Buch entstand aus einem Biografie-Projekt der diakonischen Gemeinwesenarbeit in Saarbrücken. Zusammen mit der Autorin Carola Stahl haben die fünf Migrantinnen ihre Erinnerungen zunächst für ihr ganz persönliches Lebensbuch aufgeschrieben, bevor daraus der Leseband entstanden ist. Es wurde in deutscher Sprache verfasst, damit alle, die ihnen nahestehen, von ihrer Geschichte erfahren können.

Emine Isgören hat Carola Stahl tatkräftig mit Übersetzungen unterstützt. Sie sei froh, dass sie als "Wanderin zwischen den Kulturen" ihre gewonnenen Fähigkeiten auch ohne Berufsausbildung im sozialen Bereich heute an andere Frauen weitergeben könne, betont sie.

"Vieles, was bislang tief im Innern, besonders der türkischen Erzählerinnen verborgen war, verlangte in ihrer Muttersprache ausgerückt zu werden", erklärt Carola Stahl. "Wir brauchten eine Übersetzerin, die Leben, Mentalität und Tradition beider Kulturen kannte." Die Erzählungen der fünf Frauen mit türkischen und pakistanischen Wurzeln könnten dabei helfen, dem gegenseitigen Verstehen eine Tür zu öffnen, betont die Autorin.

Publikum

Volles Haus bei der Lesung in Saarbrücken

Die eigene Vergangenheit verstehen

In ihrem Buch berichten die Migrantinnen anschaulich vom Hier- und Dortsein, von ihrem Ankommen und Weitergehen. Sie beschreiben ihre Niederlagen und Siege, aber auch ihre Träume. Sie erzählen von ihren kulturellen Wurzeln und von den Bedingungen, unter denen sie sich heute in Deutschland zurechtfinden und ihre Zukunft entwerfen.

Das Buch ist sei gutes Beispiel dafür, dass gerade das biografische Erzählen dazu beitrage, die eigene Vergangenheit zu verstehen, sich selbst in der Gegenwart zu verorten, hier Sicherheit und Selbstvertrauen zu gewinnen und einen Entwurf für die Zukunft zu wagen, so Wolfgang Biehl aus der Geschäftsführung des Diakonischen Werkes an der Saar auf der Lesung. "Das ist eine wichtige Grundlage zur Integration der Frauen in unserer Gesellschaft."

Das Buch "Lebensbilder – Erinnerungen von Migrantinnen" ist zum Preis von 9,95 Euro in der Gemeinwesenarbeit in Saarbrücken-Burbach (Tel: 0681 761950, Mail: Petra-Junk@dwsaar.de) und im Buchhandel erhältlich.

Text und Fotos: Helmut Paulus/ Diakonisches Werk an der Saar

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
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