Dienstag, 8. Dezember 2015

Nur einen Klick entfernt

Neue App erklärt jungen Flüchtlingen das Leben in ihrer Stadt

Bonn/Düsseldorf/Münster, 8. Dezember. Mit einem neuen Internetportal können sich unbegleitete minderjährige Flüchtlinge künftig die Stadt erschließen, der sie zugewiesen werden. In dem von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe unterstützten Projekt „Stadtgrenzenlos“ entwickeln junge Flüchtlinge, Mitarbeitende und Ehrenamtliche der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim in Bonn gerade eine App mit mehrsprachigen Erklärvideos und Lernmaterialien, interaktiven Karten und den wichtigsten Ansprechpartnern der Stadt Bonn. Die App kann in weiten Teilen von anderen deutschen Städten adaptiert werden. Sie geht Anfang Januar 2016 an den Start.

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Migration und Flucht

„Es gibt ein großes Interesse der Jugendämter an unserem Internetportal“, sagt der Geschäftsführer der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim, Klaus Graf. „Es soll dazu beitragen, dass die jungen Flüchtlinge möglichst schnell Teil einer modernen Stadtgesellschaft werden.“ Da fast jeder Jugendliche aus dem Ausland mit einem Smartphone nach Deutschland komme, könnten auf diese Weise sehr viele der rund 40.000 Kinder und Jugendliche erreicht werden, die sich in diesem Jahr alleine auf den Weg nach Deutschland gemacht hätten.

Vom ersten Tag ihrer Ankunft an bietet das Portal „Stadtgrenzenlos“ jungen Flüchtlingen die Möglichkeit, sich einen Überblick über das Leben in Deutschland in ihrer Landessprache zu verschaffen. Mit Blick auf das neue Verteilungsgesetz, das unbegleitete minderjährige Flüchtlinge seit dem 1. November von Jugendämtern in zahlreichen deutschen Städten betreuen lässt, setzt das neue Portal bewusst auf zwei Ebenen, einer deutschlandweiten und einer lokalen, an.

Zunächst verschafft es den Jugendlichen einen verständlichen Überblick über ihre rechtliche Situation als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Komplexe Themenfelder wie rechtliche Zuständigkeiten, das System der Jugendhilfe und der Schule werden in Form von fünfminütigen Erklärvideos vorgestellt. Es gibt kleine Sprachkurse zum Thema Essen, Gesundheit oder Freizeit mit konkreten Alltagsbeispielen. In acht verschiedenen Sprachen erklären Strichmännchen, wer im Jugendamt sitzt, warum der deutsche Arzt bei der Gesundheitsuntersuchung Blut abnimmt und dass es ein sozialer Beruf ist, Betreuer einer Wohngruppe zu sein.

Die lokale, individuelle Ebene erleichtert den Zugang in die jeweilige Stadt, die den jungen Flüchtlingen mit dem neuen Verteilungsgesetz zugewiesen wird. Neben den wichtigsten Ansprechpartnern, Adressen, Karten und Lernmaterialien gibt es hier auch eine „Sprachmittlerfunktion“, die erste Kontakte im neuen Umfeld vereinfachen soll.

„Diese App kann einen wichtigen Beitrag zur Integration der jungen Flüchtlinge in die deutsche Gesellschaft leisten“, betont die Geschäftsbereichsleiterin Familie, Bildung, Erziehung bei der Diakonie RWL, Helga Siemens-Weibring. „Sie hilft den Jugendämtern und Trägern der Jugendhilfe, schwierige Sachverhalte auf unterhaltsame Weise verständlich zu machen.“ Außerdem haben die Mitarbeitenden des Jugendamts, der Wohngruppen oder auch Jobcenter die Möglichkeit, für die jungen Flüchtlinge mithilfe einer integrierten Software ein persönliches Profil anzulegen. So haben die Jugendlichen alle für sie wichtigen Informationen greifbar.

Mehr über „Stadtgrenzenlos“ finden Sie auf der Homepage der Diakonie RWL.

Evangelische Jugendhilfe Godesheim
Die Evangelische Jugendhilfe Godesheim (EJG) wurde 1888 in Bad Godesberg gegründet. Sie gehört zum Verbund der Einrichtungen und Träger innerhalb der Evangelischen Axenfeld Gesellschaft. Der Kinder- und Jugendhilfeverbund beschäftigt heute knapp 400 Mitarbeitende im Großraum Köln, Bonn, Rhein-Sieg und dem Kreis Ahrweiler. In den Wohngruppen der EJG werden rund 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut.

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