Freitag, 1. Oktober 2010

„Wir helfen bis an die Grenze der Belastbarkeit“

Diakonie RWL unterstützt Jugendämter bei Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge

Düsseldorf/Münster, 1. Oktober. Bereits zum 1. November sind alle Jugendämter in Deutschland gesetzlich verpflichtet, sich an der Unterbringung und Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu beteiligen. Als größter Träger der Kinder- und Jugendhilfe in NRW wird die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe sie dabei nach Kräften unterstützen. „Wir helfen bis an die Grenzen unserer Belastbarkeit“, versichert die Geschäftsbereichsleiterin für Familie, Bildung und Erziehung, Helga Siemens-Weibring.

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Schon jetzt betreuen die rund 140 diakonischen Einrichtungen, die stationäre und teilstationäre Plätze anbieten, etwa 750 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. „Unsere Träger arbeiten mit Hochdruck daran, weitere Plätze sowohl in Notaufnahmen als auch im regulären Angebot zu schaffen“, betont Siemens-Weibring.

Derzeit befinden sich in Nordrhein-Westfalen rund 5.000 allein reisende Flüchtlingskinder in der Obhut der Jugendämter, bundesweit sind es 10.000. Die Jugendämter rechnen allerdings damit, dass es bis Jahresende mindestens doppelt so viele sein werden. Bisher wurden die meisten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Aachen, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Köln und Wuppertal betreut. Nach dem neuen Gesetz, das eine gleichmäßigere Verteilung nach dem sogenannten Königssteiner Schlüssel regelt, sind künftig alle Kommunen verpflichtet, die minderjährigen Flüchtlinge in Obhut zu nehmen.

„Darauf bereiten sich einige Jugendämter schon seit Monaten vor, andere haben nur wenig dafür getan und sind nun erheblich unter Druck“, beobachtet die Familienexpertin. Die Jugendämter müssen nun Heimplätze und Pflegefamilien suchen, Deutschkurse vermitteln und für schulische und berufliche Perspektiven der Kinder und Jugendlichen sorgen. „Die Einrichtungen der Diakonie sind gut vernetzt und haben Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingskindern“, sagt Siemens-Weibring. „Wir stehen den Jugendämtern als kompetente Partner zur Seite.“

In den meisten diakonischen Einrichtungen werden die unbegleiteten Flüchtlingskinder bis zu ihrer Volljährigkeit in sozialpädagogischen Wohngruppen betreut. Derzeit befinden sich rund 80 Prozent dieser Kinder und Jugendlichen in der Obhut von sechs der insgesamt 184 Jugendämter in NRW. In diesen Städten stieße inzwischen auch die Diakonie an ihre Kapazitätsgrenzen, erklärt der Jugendhilfereferent der Diakonie RWL, Tim Rietzke. „Die jungen Flüchtlinge sind zum Teil in Hotels und Jugendherbergen untergebracht. Es geht mittlerweile darum, Obdachlosigkeit zu vermeiden.“ Als erster diakonischer Verband in NRW sucht die Diakonie Düsseldorf nun Pflegefamilien für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge.

„Die Bereitschaft, kurzfristig und flexibel Plätze für die stark steigende Zahl an unbegleiteten jungen Flüchtlingen zu schaffen, ist bei großen wie kleinen Einrichtungen der Diakonie sehr hoch“, beobachtet Rietzke. Bestehende Standards der Jugendhilfe etwa bezüglich des Betreuungsschlüssels und des Anspruchs auf ein Einzelzimmer seien dabei nicht immer einzuhalten. „Aber uns ist wichtig, dass es nicht langfristig zu einer Absenkung der Standards kommt“, betont der Jugendexperte. „Darauf werden wir bei der Diakonie RWL genau achten.“

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Unsere Experten stehen gerne für Interviews zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich für die Gesprächsvermittlung an Sabine Damaschke, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon 0211 6398-286, E-Mail s.damaschke@diakonie-rwl.de.