Donnerstag, 10. März 2016

Gewaltopfer stark machen im Strafprozess

Diakonie steigt in Psychosoziale Prozessbegleitung ein

Düsseldorf/Münster, 10. März. Die Diakonie in Rheinland, Westfalen und Lippe wird Opfern schwerer Gewalttaten künftig in Gerichtsverfahren eine soziale Unterstützung anbieten. Nach dem neuen Opferrechtsreformgesetz haben Menschen, die schwere Gewalttaten oder sexuellen Missbrauch erleben mussten, ab Januar 2017 einen Rechtsanspruch auf die sogenannte Psychosoziale Prozessbegleitung. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Ausbildung startet in Nordrhein-Westfalen an diesem Wochenende.

Ihre Ansprechpartner
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit, Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Weiterer Ansprechpartner:
Sabine Bruns

„Der neue Rechtsanspruch ist ein Meilenstein im Opferschutz“, betont Sabine Bruns, Referentin für Straffälligenhilfe bei der Diakonie RWL. „In unserem Sozialverband gibt es viele kompetente und erfahrene Mitarbeitende, die sich aktiv in die Prozessbegleitung einbringen können.“ In NRW werden die Prozessbegleiter ausschließlich von den Wohlfahrtsverbänden gestellt. Sie begleiten die betroffenen Menschen vor, während und nach der Gerichtsverhandlung. Sie klären sie über den Prozessverlauf auf, übersetzen juristische Fachbegriffe und gehen mit ihnen in den Gerichtsaal.

„Es geht darum, Opfern von Gewalttaten die Angst vor dem Prozess zu nehmen und sie zu stabilisieren“, erklärt Sabine Bruns. „Das Strafverfahren weckt bei vielen schlimme Erinnerungen, Scham und Schuldgefühle und führt nicht selten zu einer Retraumatisierung, die diese Menschen zum zweiten Mal zum Opfer macht.“ Verschiedene Modellprojekte haben laut Bruns gezeigt, dass die Betroffenen mit einer psychosozialen Prozessbegleitung sehr viel ruhiger und aufmerksamer als Zeugen vor Gericht auftreten können.

Anspruch auf diese neue Form der Prozessbegleitung, die bei Gericht beantragt wird und kostenfrei ist, haben minderjährige Opfer schwerer Sexual- und Gewaltstraftaten. In NRW waren laut Polizeilicher Kriminalstatistik von 2014 allein bei Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung fast 5.000 Kinder und Jugendliche Opfer. Der Bedarf an Psychosozialer Prozessbegleitung ist also hoch. Auch besonders schutzbedürftige Erwachsene, die ihre Interessen nicht selbst durchsetzen können, haben künftig einen Anspruch darauf. Dazu gehören etwa Menschen, die psychisch krank sind oder eine Behinderung haben.

Die Ausbildung, die der Gesetzgeber für Psychosoziale Prozessbegleiter vorschreibt, dauert elf Monate und wird an verschiedenen Hochschulen angeboten. In NRW startet die erste Ausbildung an der Universität Düsseldorf. Sie schätzt den künftigen Bedarf an Prozessbegleitern in NRW auf rund 300.

Ein Interview mit der Referentin für Straffälligenhilfe, Sabine Bruns, finden Sie auf den Webseiten der Diakonie RWL.

Für Presseanfragen steht Sabine Bruns gerne zur Verfügung. Gespräche vermittelt Sabine Damaschke, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon 0211 6398-286.