11. Juni 2015

Interview mit Suchtexperte Udo Horwat

Von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit

Die Diakonie RWL setzt sich für Menschen mit Suchtproblemen ein. Udo Horwat ist seit 28 Jahren in der Suchthilfe tätig, derzeit gehört er zur Geschäftsleitung des Diakoniewerks Duisburg. Er berichtet im Interview über aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in der Suchthilfe.

Udo Horwatt Portrait

Udo Horwat, Geschäftsführender Vorstand Suchthilfeverbund Duisburg

Foto: Jens Schneider

Was ist für Sie persönlich das Besondere an der Hilfe für abhängige Menschen und das Herausfordernde in der Arbeit in der Suchtkrankenhilfe?

Ich bin seit 28 Jahren in der Suchthilfe tätig. Abhängigkeit ist ein sehr komplexes Phänomen und die Menschen, die an einer Suchterkrankung leiden, haben zahlreiche Problemlagen zu bewältigen. Viele von ihnen besitzen aber auch vielfältige Fähigkeiten und Ressourcen, die oft im Verborgenen liegen und nicht zur Geltung gelangen. Sie einerseits dabei zu unterstützen den „roten Faden“ in ihrem Leben aufzunehmen und von der Abhängigkeit in die „Unabhängigkeit“ zu finden und andererseits einen Beitrag zu leisten, damit sich ihre Lebensbedingungen verbessern, ist für mich bis heute eine herausfordernde und gleichzeitig erfüllende Arbeit.

Welche Entwicklungen sehen Sie in der Suchtprävention und Suchthilfe? Was sind die aktuellen Herausforderungen?

Es gibt etliche Herausforderungen für die Zukunft. Bei unseren Zielgruppen sind die Themenfelder Alter und Sucht, Kinder aus suchtbelasteten Familien, geistige Behinderung und Sucht oder der problematische Umgang mit Medien nur einige Beispiele. Hinzu kommt, dass die Finanzierung der Suchthilfe sehr angespannt ist. Die kommunale Förderung geht zurück, Landesmittel sind seit Jahren gedeckelt und die Pflege- und Stundensätze im Reha-Bereich und der Eingliederungshilfe sind kaum noch auskömmlich. Gleichzeitig nehmen die Qualitätsanforderungen und die Arbeitsbelastung zu.

Welche Ziele haben Sie für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Vorsitzender des Fachverbandes Sucht RWL?

Ich habe gerade einige Schwerpunkte und Herausforderungen in der Suchthilfe beschrieben – das sind natürlich auch die wesentlichen Themen für den evangelischen Fachverband Sucht der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Es ist unsere Aufgabe, die sozialpolitischen, fachlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder des Fachverbandes Sucht zu unterstützen und die Weiterentwicklung der Suchthilfe mit voranzutreiben. Dafür will ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten einsetzen.

Diakonie-Sucht-Hilfe: Was fällt Ihnen zu diesem „Dreiklang“ ein?

Ich möchte die Antwort auf diese Frage nicht speziell auf das Thema Sucht beziehen, sondern auf die Soziale Arbeit insgesamt. Soziale Arbeit muss immer zwei Zielrichtungen verfolgen. Sie muss den Hilfebedürftigen eine Dienstleistung mit fachlich hoher Qualität anbieten und sie muss sich sozialpolitisch für Menschen, die in Not geraten sind, einsetzen. Beides kann meines Erachtens nur gut gelingen, indem sich Soziale Arbeit an Werten orientiert. Einrichtungen, Dienstleistungskonzepte und Mitarbeitende brauchen einen entsprechenden Werterahmen und ein entsprechendes Leitbild. Diakonie bietet hier mit dem Gebot der Nächstenliebe, der Anwaltschaft für Hilfebedürftige und der Ausrichtung auf Teilhabe und soziale Gerechtigkeit einen sehr guten und hilfreichen Bezugs- und Orientierungsrahmen.

Sie sind Prokurist im Diakoniewerk und gleichzeitig Geschäftsführer eines mit der Kommune und anderen Trägern gemeinsam getragenen Sucht- und Drogenhilfevereins. Was sind konkret Ihre Aufgaben?

Im Diakoniewerk Duisburg gehöre ich als Prokurist neben den beiden Geschäftsführern zur Geschäftsleitung. Das Diakoniewerk ist in fünf Fachbereichen mit zahlreichen Einrichtungen und Betrieben tätig und beschäftigt etwa 450 Mitarbeitende. Der Fachbereich Sucht besteht aus fünf Einrichtungen der stationären Drogenrehabilitation und der Eingliederungshilfe mit insgesamt 105 Plätzen und ist personell am Suchthilfeverbund Duisburg e.V. beteiligt. Der Suchthilfeverbund ist ein eigenständiger Verein mit 17 Mitarbeitenden unterschiedlicher Träger – es arbeiten dort Mitarbeitende der Stadt Duisburg, des Diakoniewerkes und anderer Träger miteinander. In dieser „kleinen Firma“ bin ich als geschäftsführender Vorstand und Leiter mit meinem Vorstandskollegen für zwei Drogenberatungsstellen, der Fachstelle für Suchtvorbeugung und der Jugendsuchtberatung verantwortlich. Somit bin ich auf unterschiedlichen Organisationseben tätig – von der Unternehmensleitung bis zur Basisarbeit – dies führt manchmal zu einem anstrengenden „Themenhopping“, aber die Vielfalt macht Spaß und ist interessant.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Portmann
Presse- und Medienarbeit
Brot für die Welt
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