23. Dezember 2016

Weihnachten in der Wohnungslosenhilfe

Respekt finden, Gemeinschaft feiern

Den roten Teppich ausrollen für Menschen, die wenig haben – mit dieser Haltung feiert das Bodelschwingh-Haus in Dortmund Weihnachten mit wohnungslosen Menschen. Für viele ist das Fest mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden. Auf der Weihnachtsfeier genießen sie die Gemeinschaft und den Respekt, der ihnen entgegen gebracht wird.

Mann mit grauem Bart, Schäferhund stehen auf einem roten Teppich, eine junge Frau, die den Teppich weiter ausrollt

Foto: Andere Zeiten 

Für seine Andacht verteilt Niels Back ein Bild aus einem Adventskalender, auf dem ein wohnungsloser Mann, ein Hund, eine junge Frau und ein roter Teppich zu sehen sind. „Gott rollt den Armen, den Menschen, denen es schlecht geht, den roten Teppich aus. Davon erzählt die Weihnachtsgeschichte“, erklärt er. Seit zwei Jahren ist Niels Back Diakoniepfarrer in Dortmund. Dies ist seine dritte Weihnachtsfeier im Bodelschwingh-Haus.

"Damit Gott uns den Teppich ausrollt, müssen wir nicht erst alles hinkriegen, bevor wir zu ihm kommen können. Obwohl", fügt er abweichend vom vorbereiteten Text hinzu, "Gott sich natürlich auch freut, wenn uns etwas glückt."

Gäste an Tischen

Weihnachtsfeier im Bodelschwingh-Haus

Gute Vorsätze: Kein Alkohol zum Fest

Alexander nickt. Er ist einer der Gäste bei der Weihnachtsfeier. Im Juni hat er seine Wohnung verloren und wohnt inzwischen in einer 2er-WG des Bodelschwingh-Hauses. Auch Heiligabend wird er in der Einrichtung feiern. Auf den üblichen Besuch der Verwandtschaft will er dieses Jahr verzichten, um der Versuchung zu entgehen, Alkohol zu trinken.

In der Einrichtung verspricht er sich den gesuchten Halt, um wieder auf die Füße zu kommen. "Ich hatte immer gute Jobs gehabt - da will ich wieder hinkommen", betont er. Seinen siebenjährigen Sohn hat er nach einer Trennung seit einigen Monaten nicht mehr gesehen. Nun ist für den Tag nach der Weihnachtsfeier eine erste Begegnung vereinbart. 

stehend vor Gästen an Tischen

Helmut Rauchholz

Dienst an Weihnachten rund um die Uhr

Es sind Geschichten wie diese, die Helmut Rauchholz freuen und ermutigen. Der Sozialarbeiter des Bodelschwingh-Hauses nimmt nicht nur an der Weihnachtsfeier teil, die fast alle Bewohner und eine Bewohnerin der Einrichtung besuchen, sondern wird auch Heiligabend im Bodelschwingh-Haus feiern. "Ich mache das eigentlich ganz gerne", erzählt er.

Besonders auch, weil dies, mit 65 Jahren, sein letztes Weihnachten als Sozialarbeiter in der Einrichtung ist. Im Bodelschwingh-Haus ist auch an Weihnachten rund um die Uhr eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter für die Bewohnerinnen und Bewohner da. In der mit 21 Plätzen relativ kleinen Einrichtung kann Hilfe sehr individuell gestaltet werden. Dazu gehört im Kleinen auch, dass alle Bewohner Wunschzettel für Weihnachten abgeben konnten. Das Team hat versucht, möglichst viele davon umzusetzen. 

Am Schreibtisch

Hilla Hörnschemeyer. Nach der Weihnachtsfeier wartet noch Arbeit im Büro

Das gute Miteinander feiern

"Einige Bewohner sagen, mit Weihnachten haben sie nichts am Hut", erzählt Helmut Rauchholz. Dennoch sei das Fest für viele etwas Besonderes, auch wenn es oft schmerzhaften Erinnerungen an frühere Weihnachten mit der Familie verbunden sei. Hilla Hörnschemeyer, Leiterin der Einrichtung, wünscht sich, dass die Bewohnerinnen und Bewohner in diesen Tagen das gute Miteinander erleben, das für die Atmosphäre im Haus prägend ist. Besonders freut sie sich darüber, dass auch ehemalige Bewohner zur Weihnachtsfeier gekommen sind: "Es ist schön, mitzuerleben, wie sie jetzt gut klarkommen - und dass wir gut gearbeitet haben."

Beim Servieren von Suppe

Manuela Hablowetz

Mut für einen Neustart mit Wohnung

Manuela Hablowetz arbeitet seit drei Jahren als Hauswirtschafterin in der Einrichtung. "In diesen drei Jahren bin ich bislang mit jedem Bewohner klargekommen", erzählt sie. Sie ist viel im Gespräch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Und äußert Respekt für alle. "Wer hier ist, hat viel Mut bewiesen und seinen Hilfebedarf gezeigt", glaubt Hablowetz. 

stehend vor dem Eingang des Bodelschwingh-Hauses

Frank Schmidt

Vom Bewohner zum Bundesfreiwilligen

Frank Schmidt macht seinen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Bodelschwingh-Haus. Auch für ihn ist es die dritte Weihnachtsfeier. Bei der ersten war er selbst einer der Bewohner. Zu Anfang hat er sich ehrenamtlich in die Arbeit eingebracht, mit vielen Bewohnern ist er freundschaftlich verbunden. Im BFD erfährt er sich in neuen Rollen. "Als Mitarbeiter sieze ich jetzt alle Bewohner", erzählt er. Das ist der Stil in der Einrichtung. Dafür genießt er die Einbindung ins Team. "Vor drei Jahren waren wir hier nach der Weihnachtsfeier noch bis später abends am aufräumen." Inzwischen geht das alles viel schneller. "Wir sind ein eingespieltes Team", freut Schmidt sich. 

Gegenüber sitzend

Diakoniepfarrer Niels Back im Gespräch mit einem anderen Gast der Weihnachtsfeier

Gespräche

Als die Weihnachtsfeier sich dem Ende zuneigt, gehört Diakoniepfarrer Niels Back zu den letzten Gästen. Viele Gespräche haben ihn an den Tischen gehalten. "Man muss mit Menschen reden", sagt er. "Wenn meine Andachten nur vom Schreibtisch kommen, merken die Menschen das sofort."

Bericht und Fotos: Christian Carls

Der Text der Andacht kann im Infoblock links heruntergeladen werden.

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Christian Carls
Onlineredaktion und Internetkoordination
FSJ/BFD
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