6. Dezember 2016

Aktion Lichtblicke

Ein Zeichen setzen für arme Familien

Ihr Name ist Programm. Die "Aktion Lichtblicke" möchte das Leben in Not geratener Familien etwas leichter und schöner machen. Dafür ruft sie im Dezember in den 45 NRW-Lokalradios mit zahlreichen Programm-Aktionen zu Spenden auf, berichtet intensiv über die Lebenssituation armer Familien und organisiert eine große Auktion, bei der jetzt über 43.000 Euro zusammenkamen. Diakonie RWL-Kommunikationschef Reinhard van Spankeren gehört zum Vorstand der "Aktion Lichtblicke".

Portrait

Reinhard van Spankeren

Einer der Höhepunkte der Lichtblicke-Aktionen ist die Auktion, die vom 28. November bis 5. Dezember dauerte und insgesamt 43.655 Euro an Spenden gesammelt hat. Was genau wurde da versteigert?

Die Hörer konnten innerhalb einer Woche 48 Artikel und Gutscheine ersteigern, die es in keinem Laden zu kaufen gibt. Dazu gehört zum Beispiel eine private Handwerker-Comedy-Show mit dem bekannten Comedian Atze Schröder, ein Wohnzimmerkonzert mit Mark Forster, VIP-Tickets mit Meet & Great mit den Reitern der Apassionata-Show oder das signierte Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft.

Mit dem Erlös erfüllen wir besondere und ganz praktische Wünsche von Familien in Nordrhein-Westfalen, die materiell, finanziell oder seelisch in Not geraten sind. Pro Jahr kommen durch viele bunte Spendenaktionen rund 3,5 Millionen Euro zusammen. Seit der Gründung der "Aktion Lichtblicke" vor 18 Jahren haben wir insgesamt über 40 Millionen Euro Spendengelder erhalten und konnten damit mehr als 140.000 Menschen helfen.

Wer hat die Aktion gegründet?

Diakonie und Caritas in NRW wollten gemeinsam etwas gegen die Kinderarmut in unserem Bundesland tun. Schon damals gab es viele Kinder in Familien, die von Sozialhilfe lebten. Leider ist heute immer noch jedes fünfte Kind in NRW von Armut betroffen. Da arme Familien meistens ein familiäres Netz an Unterstützung fehlt, sind sie besonders auf Hilfe von außen angewiesen. Wir konnten die Lokalradios für eine Spendenaktion gewinnen, die dann so gut lief, dass wir 2005 den "Verein Lichtblicke" gegründet haben. Getragen wird er von der Diakonie RWL, den Caritasverbänden der fünf Bistümer sowie den 45 Lokalradios und dem Verband Radio NRW.

Am Nikolaustag starten die Lokalradios wieder ihre Reportagen über Familien, die Hilfe besonders nötig haben, weil Eltern krank und arbeitslos sind oder Kinder aufgrund gesundheitlicher Schwierigkeiten besondere Förderung benötigen. Hilft Lichtblicke mit den Spendengeldern nur einzelnen Familien?

Wir unterstützen auch besondere Projekte, die Jugendlichen bei der Überwindung von Essstörungen helfen, Nachhilfe für Kinder aus benachteiligten Familien anbieten oder sich um jugendliche Schulverweigerer kümmern. Der Schwerpunkt liegt aber tatsächlich bei der Einzelfallhilfe. Da geht es dann darum, einen Umzug oder die Renovierung einer Wohnung zu finanzieren, Kindern die Teilnahme an einer Freizeit zu ermöglichen oder auch die Kosten für eine Reittherapie oder Klavierstunden zu übernehmen. 

Logo "Lichtblicke on Tour"

Geben 2016 Konzerte für "Lichtblicke on Tour":  Clueso, Max Giesinger und Tim Bendzko

Jeder Einzelfall muss geprüft werden. Das klingt nach viel Arbeit. Wie schafft der Verein das?

Alle drei Wochen trifft sich der Spendenbeirat, in dem 16 Vertreter der verschiedenen Träger des Vereins sitzen. Dann diskutieren wir über die Anträge, die Sozialarbeiterinnen für arme Familien an die "Aktion Lichtblicke" gestellt haben. Im Durchschnitt erhalten sie 1.000 bis 3.000 Euro an Unterstützung. Uns ist sehr wichtig, dass unsere einmaligen Hilfen nicht nach dem Motto "Scheck und weg" gegeben werden, sondern in ein Unterstützungssystem durch die soziale Arbeit vor Ort eingebunden sind. Konkret heißt das, ein Sozialarbeiter weiß, was mit dem Geld geschieht. Es nützt ja nichts, wenn eine überschuldete Familie Geld für einen neuen Kühlschrank erhält oder eine Mutter Geld für neue Möbel, die ihr gewalttätiger Ehemann zerschlagen hat, aber keine Schuldner- oder Frauenberatungsstelle den Familien zur Seite steht und sie dabei unterstützt, aus dem Teufelskreis von Überschuldung und Gewalt herauszukommen.

Sie gehören schon seit 11 Jahren zum Vorstand der "Aktion Lichtblicke". Welche Geschichten armer Familien haben Sie besonders bewegt?

Es macht mich immer wieder betroffen, wie schnell Krankheit, Tod und Gewalt Menschen in eine Armutsspirale führen können. Ich denke dabei an eine Familie mit drei Kindern, deren Vater durch einen Schlaganfall erwerbsunfähig wurde. Ein Kind ist schwerstbehindert. Die Mutter kann nicht arbeiten, weil sie Vater und Sohn pflegen muss. Eine Tochter ist sehr begabt und geht aufs Gymnasium. Doch es fehlt Geld für einen Computer. Den haben wir jetzt finanziert. In einem anderen Fall haben wir Nachhilfe für Zwillinge finanziert, deren Mutter schwersterkrankt ist und deren Vater die Familie verlassen hat. Die Kinder wachsen nun bei der Großtante auf.

Die Spendenaktion ist bundesweit einmalig und hat schon vielen Familien geholfen. Trotzdem ist die Kinderarmut in NRW im Vergleich zu anderen Bundesländern immer noch sehr hoch.

Es ist klar, dass die "Aktion Lichtblicke" Armut nicht verhindert, aber sie kann sie etwas lindern. Um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen, sind ganz andere Maßnahmen erforderlich als Spendengelder. Dazu gehören besser bezahlte Arbeitsplätze, bessere Bildungschancen und bezahlbarer Wohnraum. All das kann "Lichtblicke" nicht schaffen, aber in einer breiten Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass es in unserem Land viele Familien gibt, die sich wirklich bemühen, ihre Lebensverhältnisse zu verbessern, es ohne Hilfe aber nicht schaffen. Unsere Aktion zeigt ihnen, dass viele Menschen an sie denken und ihnen helfen wollen. Das macht Mut und kann den Anstoß zu Veränderungen geben.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Weitere Informationen
Bewerten Sie diesen Artikel
Durchschnittliche Bewertung: 5 (22 Stimmen)