12. Oktober 2016

Diakonie Katastrophenhilfe für Haiti

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Nach dem verheerenden Hurrikan "Matthew" droht Haiti eine Cholera-Epidemie und eine Hungerkrise. Zehntausende Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Häuser, Straßen und Brücken sowie die Ernte der Insel sind in weiten Teilen zerstört. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat mit der Verteilung von Hilfspaketen begonnen, um die größte Not zu lindern.

Ein Haitianer trägt ein Hilfspaket auf der Schulter

Bei dem Wirbelsturm, der vor neun Tagen über Haiti hinweggefegt war, kamen nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 1.000 Menschen ums Leben, 750.000 Haitianer sind auf Soforthilfe angewiesen. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat am vergangenen Wochenende mit ihren Partnerorganisationen begonnen, vor Ort eingelagerte Hygiene-Pakete, Tabletten zur Trinkwasser-Aufbereitung, Decken und Planen zu verteilen.

"Wir sind froh, dass rund 300.000 Euro für die Soforthilfe zur Verfügung gestellt und erste Hilfspakete schnell verteilt werden konnten", sagt Leiter Martin Keßler. "Die Menschen brauchen jetzt dringend Hygiene-Artikel und sauberes Trinkwasser. Wir befürchten sonst eine Ausbreitung von Krankheiten wie der Cholera." Da Zehntausende keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, ist die Verteilung von Tabletten zur Wasserdesinfektion und die Bereitstellung von Trinkwasser besonders vordringlich. Die Hilfsorganisationen vor Ort sprechen bereits von einem "Wettlauf gegen die Zeit".

Umgeknickte Bäume, zerstörte Häuser

Hurrikan folgt auf Erdbeben und Dürre

Erste Cholera-Opfer soll es laut Medienberichten bereits geben. Schon vor sechs Jahren hatte eine Cholera-Seuche Tausenden Haitianern das Leben gekostet. Damals kamen bei einem starken Erdbeben rund 300.000 Menschen ums Leben und mehr als eine Million wurden obdachlos. Neun Monate später war in dem Land die Cholera ausgebrochen. "Die Folgen dieses verheerenden Erdbebens sind noch nicht überwunden", so die Leiterin des Projektbüros in Port-au-Prince, Sylvie Savard.

"Zehntausende Menschen leben immer noch in Zelten. Zudem sind einige Teile des Landes seit drei Jahren von einer schweren Dürre betroffen." In diesem Jahr habe es mehr geregnet und die Hoffnung auf eine Besserung der Ernährungssituation sei groß gewesen. "Doch jetzt wurden die Felder von Matthew regelrecht ausgewaschen und ein Großteil der Ernte ist verloren. Eine Hungerkrise ist schon jetzt absehbar." 

Portrait

Sylvie Savard (Foto: Christoph Püschner)

Katastrophale Infrastruktur

In weiten Teilen Haitis, das etwas kleiner als Belgien ist und 10,6 Millionen Einwohner hat, ist die Infrastruktur zusammengebrochen. Viele Straßen sind unpassierbar, Telefonverbindungen funktionieren nicht. Die Diakonie Katastrophenhilfe kommuniziert per Mail mit ihren Mitarbeitenden vor Ort. Sie konnten bereits in Bainet, Aquin und Les Cayes im Süden des Inselstaates erste Hilfsgüter verteilen. In den kommenden Tagen wollen sie auch den besonders betroffenen Ort Jérémie im Südwesten der Insel erreichen.

"Da viele Straßen nicht befahrbar sind, werden wir versuchen, die Stadt über die bergigen Nebenstraßen zu erreichen. Dort sind 80 Prozent aller Häuser zerstört, die Menschen brauchen dringend Hilfe", berichtet Sylvie Savard. Da die Infrastruktur in Haiti ohnehin katastrophal sei, wögen die Schäden besonders schlimm. "Es ist viel schwieriger als in anderen Ländern, schnelle Hilfe zu leisten." Nach der Verteilung der Hilfsgüter will die Diakonie Katastrophenhilfe die Menschen dabei unterstützen, ihre Häuser zu reparieren und ihnen Saatgut zur Verfügung stellen, um den immensen Ernteausfall zu kompensieren.

Überschwemmung zwischen Häuserfronten

Ärmstes Land Lateinamerikas

Haiti gilt als das mit Abstand ärmste Land des amerikanischen Kontinents. Rund 80 Prozent der Einwohner leben unter der Armutsschwelle und müssen mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung kann nicht lesen und schreiben. Weil Haitis Wälder praktisch völlig abgeholzt sind, ist das Land extrem anfällig für Hurrikane und Überschwemmungen.

Seit Januar ist das Land ohne eine gewählte Regierung, denn die Wahlergebnisse von 2015 wurden wegen schwerer Betrugsvorwürfe annulliert. Aufgrund der Verwüstungen durch den Wirbelsturm wurden die für vergangenen Sonntag geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgesagt.

Fotos: Diakonie Katastrophenhilfe

Die Diakonie Katastrophenhilfe ruft zu Spenden auf:

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin
Evangelische Bank
IBAN: DE6852 0604 1000 0050 2502
BIC: GENODEF1EK1.
Stichwort: Karibik Sturmhilfe
oder online unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/ (link is external)

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Portmann
Presse- und Medienarbeit
Brot für die Welt
Weitere Informationen
Bewerten Sie diesen Artikel
Durchschnittliche Bewertung: 5 (24 Stimmen)