30. Mai 2016

Ökumenisches Open Air-Festival

Musik zum Teilen

Die Weite der Ökumene in der Musik erleben – unter diesem Motto stand am Samstag ein besonderes Benefiz-Konzert in Wuppertal. Bekannte internationale Künstler experimentierten unter freiem Himmel auf der Orgel – und unterstützen damit das Bildungsprojekt "Gitarren statt Gewehre" im Kongo. Diakonie RWL-Referent Ulrich Christenn hat das Festival gemeinsam mit "Brot für die Welt" und der rheinischen Kirche organisiert.

Portrait

Höhepunkt des Festivals: die lettische Organistin Iveta Apkalna an der Orgel

Wie ist die ungewöhnliche Idee angekommen, Orgelmusik aus der Kirche in die Natur zu holen?

Zu dem sechsstündigen Konzert, das im Rahmen des ökumenischen Themenjahres zum Reformationsjubiläum "Weite wirkt" stattfand, sind 1.400 Besucher in den Wuppertaler Skulpturenpark gekommen. Das war ein Rekord! International bekannte Musiker wie die lettische Organistin Iveta Apkalna, der US-amerikanische Schlagzeuger Drori Mondlack, die deutsche Jazzmusikerin Barbara Dennerlein oder der deutsche Chorleiter und Organist Wolfgang Kläsener haben die ganze Weite der Musik, von Klassik über Jazz bis hin zur Weltmusik und musikalischen Experimenten, präsentiert. Das kam sehr gut an. Gleichzeitig konnten wir viele Festivalbesucher auf das Bildungsprojekt "Gitarren statt Gewehre", das das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" im Kongo unterstützt, aufmerksam machen und dafür fast 9.000 Euro an Spenden sammeln.

Worum geht es bei dem Projekt "Gitarren statt Gewehre"?

Im Kongo wurden in den letzten zwanzig Jahren zehntausende Kinder zum Dienst an der Waffe gezwungen. Wenn sie die Rebellenarmeen verlassen, sind sie oft erwachsen und stehen vor dem Nichts. Ein Ausbildungszentrum im ost-kongolesischen Bukavo bietet ihnen daher eine Ausbildung in 19 Berufsfeldern an, darunter ist auch der Gitarrenbau. Das Projekt ist eines von vielen Schul- und Ausbildungsprojekten, die "Brot für die Welt" mittlerweile unterstützt. Bildung ist schließlich der Schlüssel für ein Leben in Würde. Das gilt in Deutschland, wo sich die Diakonie für Chancengleichheit einsetzt, genauso wie weltweit. Immerhin können noch fast 800 Millionen Menschen weder lesen noch schreiben. Daran muss sich dringend etwas ändern. Darauf macht "Brot für die Welt" auch in seiner aktuellen Kampagne "Würdesäule" aufmerksam.

Ulrich Christenn erklärt einem Besucher das Smoothiefahrrad

Als Referent für Brot für die Welt-Rheinland sind Sie häufig auf großen Veranstaltungen mit einem Infostand präsent. Über welche Themen kommen Sie mit Besuchern ins Gespräch?   

Ich diskutiere viel über das Thema Mangelernährung und Lebensmittelverschwendung. Schließlich fehlen über zwei Milliarden Menschen mindestens ein, wenn nicht sogar mehrere Nährstoffe, die für ein gesundes Leben wichtig sind. Fast genauso viele Menschen sind übergewichtig, 500 Millionen von ihnen sogar fettleibig. Ernährung hat also viel mit weltweiter Gerechtigkeit zu tun. Diesen Zusammenhang zwischen gesundem Essen, regionaler nachhaltiger Landwirtschaft und Lebensmittelverschwendung erkläre ich übrigens auch Kindern. Ich bin nicht nur auf kirchlichen Großveranstaltungen und Messen zur Entwicklungszusammenarbeit unterwegs, sondern gehe auch regelmäßig in Kitas und Schulen.

An Ihrem Stand hat sich auf dem "Weite wirkt"-Festival in Mülheim an der Ruhr sogar Ministerpräsidentin Hannelore Kraft das Smoothie-Fahrrad erklären lassen. Was ist das?

Dieses Fahrrad ist ein echter Besuchermagnet. Es handelt sich dabei um ein altes, umgebautes Fahrrad, mit dem man Smoothies machen kann, wenn man in die Pedalen tritt. Die Idee kommt aus Ecuador. Dort gibt es ein von „Brot für die Welt“ unterstütztes Projekt, bei dem Maschinen per Fahrrad angetrieben werden, weil es in dem Dorf keinen Strom gibt. Eine Fahrradwerkstatt der Neuen Arbeit der Diakonie Essen hat nach den Plänen dieses Projekts unser Smoothie-Fahrrad aus Restteilen hergestellt.

Fasziniert vom Smoothiefahrrad: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (Mitte)

Die Besucher des "Brot für Welt"-Standes können damit ihre eigenen "Weltcocktails" aus fair gehandelten Säften mixen. Die Früchte für die Zutaten kommen alle aus Restlebensmitteln, das heißt sie wären normalerweise im Müll gelandet. Und damit sind wir dann wieder schnell beim Thema Lebensmittelverschwendung.

Ist das denn ein Thema, das die Menschen in ihrem Alltag stark beschäftigt?

Das Bewusstsein dafür, dass Essen eben keine Privatsache ist, sondern immer Auswirkungen auf andere Menschen in dieser Welt hat, ist auf jeden Fall gestiegen. Und "Brot für die Welt" hat dazu mit seinen Kampagnen beigetragen. Allein in Deutschland landen im Jahr 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Mülleimer statt auf dem Teller. Die in den Wohlstandsgesellschaften weggeworfenen Lebensmittel würden ausreichen, die Hungernden in der Welt dreimal zu ernähren. Hinzu kommt, dass viele Länder der Südhalbkugel Lebensmittel nach Europa exportieren. Die Fläche, die für deren Produktion genutzt wird, steht dann nicht mehr für die Versorgung vor Ort zur Verfügung. Das Nachsehen haben also die Armen. Mit ihrer Aktion "Teller statt Tonne" protestieren "Brot für die Welt" und "Slow Food Deutschland" deshalb gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Ulrich T. Christenn
Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten
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