25. Juni 2015

Umbauprozess der Diakonie RWL gewinnt Konturen

Vierte Regionalkonferenz in Münster: Mitgliederverband braucht Netzwerker, Fachleute und Moderatoren

Der Umbauprozess der Diakonie RWL nimmt konkretere Formen an. Die vom Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe auf der Linie der Strategie 2020 initiierten Projekte laufen an und haben erste Erfolge.  Die Projekte sind ein wichtiger Teil des Konsolidierungsprozesses. „Wir können uns im Wesentlichen nur über die Kostenseite konsolidieren“, machte RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann bei der vierten Regionalkonferenz in Münster deutlich. Grundsätzlich projekt- und themenorientiert zu arbeiten, ist Teil des inneren Umbauprozesses.

Das alte Prinzip „Eine Aufgabe – eine Stelle“ lässt sich nicht mehr durchhalten. Ganze Aufgabenfelder, so die Vorstände, sollen gleichwohl nicht aufgegeben werden. Mit dem Verwaltungsprojekt werden Arbeitsprozesse standardisiert. Das Transparenzprojekt schafft mehr Klarheit zu Finanzierungsströmen. Der neue Geschäftsbereich Recht bündelt die juristischen Kompetenzen aller Fachrichtungen. Er nimmt zum 1. September seine Arbeit auf. Das Beratungsprojekt greift gezielt veränderte Mitgliederbedürfnisse auf. Die Verbindungslinien zwischen Fachverbänden und Landesverbänden werden neu justiert. Auch und gerade in Zeiten eines  innerdiakonischen Wettbewerbs arbeitet das Benchmarking-Projekt daran, die diakonische Landschaft mit vergleichbaren Zahlen abzubilden. Auch das Kompetenznetzwerk Teilhabe vernetzt Akteure, die sich nicht gegeneinander ausspielen lassen wollen.

Autobahnen mit Baustellen und Geisterfahrern

„Sie sind auf einer zwanzigspurigen Autobahn unterwegs und haben auf zehn Spuren Baustellen“, stellte ein Teilnehmer fest. Vorstand Thomas Oelkers ergänzte das Bild: „ Gegenverkehr und Geisterfahrer haben wir auch.“

 „Unsere Aufgabe wird es weiterhin sein, die sozialpolitische Stimme der Kirche und die Sozialarbeit der Kirche zu sein, aber auch Mitspieler im Bereich der Freien Wohlfahrtspflege“, meinte Christian Heine-Göttelmann. Das sozialpolitische Umfeld aber ist schwieriger geworden. Heine-Göttelmanns Erfahrung: „Das Einmischen der Freien Wohlfahrtspflege wird als Bestreben zur Systemerhaltung verstanden, man will uns nicht als Sprachrohr der Benachteiligten würdigen.“ Seine Grundposition brachte er mit den Worten auf den Punkt: „Wir dürfen uns nicht in strategische Schlachten begeben, die wir nicht gewinnen können.“  

Der Vorstand wolle stärker an die Themen in den Referaten heranrücken und Leitungs- und Personalverantwortung wahrnehmen. Thomas Oelkers wies darauf hin, dass die Vollfusion auf einem guten Weg sei. Auch der Weg zum gemeinsamen Standort sei markiert. Die konkreten Beschlüsse hierzu fällen aber die Aufsichts- und Entscheidungsgremien. Bei der fachlichen Arbeit müsse diskutiert werden, wie viel Spezialistentum es brauche. Es könne nicht sein, dass nur eine Person zu einem Spezialthema Beratungskompetenz vorhält.  

„Wir werden angesichts der wirtschaftlichen Situation in Zukunft weniger sein“, so Oelkers. Der Verband könne angesichts vorhandener Spezialisten in den Einrichtungen möglicherweise stärker eine moderierende Rolle einnehmen und müsse nicht alles vorhalten, so eine Stimme aus dem Teilnehmerkreis, die auf klare Zustimmung stieß. Weiterhin bräuchte es aber eine sozialpolitisch starke Lobby, so die Forderung aus der Mitgliedschaft. „Unsere Mitarbeiterinnen in der stationären Altenhilfe erwarten, dass der Spitzenverband für sie die Stimme erhebt“, wurde beispielhaft gesagt. Insgesamt fehle der RWL-Strategie ein übergreifendes Konzept von Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Hochkomplexe Themen wie Kindertagesstätten-Finanzierung, so eine weitere kritische Stimme, verlangten eine intensive, hochkompetente und damit eben auch spezialisierte Beratung. Intensiv fragten die Teilnehmer der Regionalkonferenz auch danach, wie das neue Beratungszentrum arbeiten werde.

Theologie und Tarife

„Kirche und Diakonie müssen zusammenstehen, wenn sie gemeinsam Sozialpolitik machen wollen“, lautete eine Forderung in der Diskussion. Dem mochte keiner widersprechen; angesichts der „zerrissenen Tariflandschaft“ und diverser kirchenpolitischer Unwägbarkeiten scheint dies eine herausfordernde Aufgabe. Von manchen Kirchenvertretern wird gelegentlich gefordert, angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen im wettbewerblichen Sozialmarkt als kirchlicher Träger einfach auszusteigen. Dem widersprachen Konferenzteilnehmer mit theologischen Argumenten. Fast aus dem Stegreif skizzierten sie Elemente einer diakonischen Theologie des Verbandsprotestantismus.

RWL-Konferenzen

Mit der Regionalkonferenz in Münster wurde die kleine Serie von Regionalkonferenzen zur Mitgliederkommunikation, die seit April durchgeführt wurde, - zunächst -  abgeschlossen. Man sollte von „RWL-Konferenzen“ sprechen, lautete ein Vorschlag, der auf Beifall stieß. Anregungen, Kritikpunkte und Argumente zum Veränderungsprozess beim Spitzenverband werden weiterhin im Online-Dialog ausgetauscht.

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